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Registrierkassen: Wettlauf mit der Zeit

06.02.2017

Bis 1. April müssen alle Kassen RKSV-tauglich sein. Das stellt nicht nur Gastronomen, sondern vor allem Registrierkassen- und Abrechnungssystemanbieter vor große Herausforderungen

Nicht nur Unternehmer stöhnen. Auch im Finanzministerium in der Wiener Himmelpfortgasse bringt das Thema Registrierkassen so manche Sorgenfalten auf die Stirn der Beamten. Von den angepeilten Mehreinnahmen von 900 Millionen kann nämlich keine Rede sein. Derzeit ist eher davon auszugehen, dass die Registrierkassenpflicht „nur“ 120 Millionen in die Staatskassen spült. In der Branche herrscht eine gewisse Hektik und bei den Anbietern laufen die Telefonleitungen heiß. Denn viele Unternehmer sind mit der Umstellung überfordert, hört man von den Registrierkassen- und Abrechnungssystemanbietern.

Zeitmangel und Hochsaison

Der Zeitmangel durch die laufende Wintersaison und die falsche Einschätzung des Arbeitsaufwandes vonseiten der Gastronomie sind die häufigsten Probleme. Damit die Registrierkassensicherheitsverordnung flächendeckend umgesetzt werden kann, ist noch einiges zu tun.

Hier die Checklist zum Update vom ÖGZ-Experten Kowarik

Unsere Kunden sind zwar darüber informiert, dass ab 1. 4. eine zusätzliche Signatureinheit notwendig ist, aber viele sind über den Termin nicht glücklich, da die Umstellung genau in die Hauptsaison fällt“, sagt Melanie Wötzer. Eine der häufigsten Fragen, die Wötzer gestellt wird, ist, ob die Kasse ab 1. 4. direkt mit dem Finanzamt verbunden sein wird. Dazu kann die Unternehmerin Entwarnung geben: „Das ist definitiv nicht der Fall. Wötzer versucht die neuen Systeme gleich mit den Signatureinheiten auszuliefern.“ Engpässe könnte es aber bei der Beschaffung der Signaturmodule geben: „Einige können die Module erst mit März liefern. Eine Umstellung der Kunden innerhalb weniger Wochen ist dann für uns extrem schwierig“, sagt Wötzer.

„Bin unglücklich, dass die Umstellung genau in die Hauptsaison fällt.“
Melanie Wötzer

Aktueller Bestseller aus dem Hause Wötzer ist „die Kassensoftware SaleGrip mit Adonis Eco-Hardware. Zusammen mit der neuesten Generation der mobilen Eingabegeräten der Firma Orderman ergibt dies ein leistungsstarkes, betriebssicheres und effektives Gesamtsystem“, sagt Wötzer. „Die gefragteste Kassa im Moment ist unsere Columbus 800“, sagt Andreas Neuhofer von Orderman. Die Kassa ist bereits so konzipiert, dass man nur noch den Chip für die Versicherungsverordnung hineinstecken muss. Auch der Orderman 7 in der Plus-Variante ist sehr gefragt. „Dadurch kann ein Gürteldrucker bedient werden, und der Kellner kann die nötigen Belege direkt am Tisch erstellen.“ 

Teilweise Unsicherheit

TAC-Managing-Director Günther Pöllabauer macht momentan immer wieder die Erfahrung, dass viele Kunden unsicher sind. „Es herrscht auch öfters Unklarheit darüber, ob ein Betrieb mit der TAC-Software unter die Registrierkassenpflicht fällt oder nicht“, sagt Pöllabauer. Bis dato laufe die Umstellung aber sehr zügig. „Das kann sich bis Anfang April jedoch noch ändern, eine rasche Kontaktaufnahme lohnt sich also“, empfiehlt der TAC-Direktor. 
Roland Berghöfer von bonit.at ortet bei seinen Kunden mehrheitlich „Überforderung“. 

„Es ist unklar, ob ein Betrieb mit der TAC-Software unter die Registrierkassenpflicht fällt.“ 
Günther Pöllabauer

„Bei den Kunden herrscht Überforderung.“
Roland Berghöger

Der Großteil der Unternehmen kämpft mit dem technischen und organisatorischen Aufwand. Speziell die kleinen EPU hätten Schwierigkeiten, was FinanzOnline und die Gesetzeslage betrifft. „Deshalb leisten wir täglich Aufklärungsarbeit und nehmen unseren Kunden durch ausgiebige Beratung und Unterstützung die Angst vor der Umstellung“, sagt Berghöfer. In den letzten Wochen hat das Unternehmen bereits hunderte Kassen erfolgreich mit dem Signaturchip ausgestattet. „Die Installation inklusive technischer Sicherheitseinrichtung kostet unseren Kunden bei Fernwartung nur 70 bis 90 Euro“, so der Experte. Engpässe gibt es derzeit kein. Kunden können Kassen noch am selben Tag mitnehmen. Bei den Kassenterminals haben sich die Modelle Ultracompact und AerPPC als Kundenlieblinge erwiesen.

Häufige Fragen 

Alexander Kogler sieht ebenfalls, dass „die Kunden über die Rahmenbedingungen und das, was auf sie zukommt, nicht ausreichend informiert sind“. Hier sei zwar viel seitens der WKO versucht worden, aber „von weiterer offizieller Seite ist das Thema zu wenig behandelt worden“, meint der Novacom-Geschäftsführer.

„Von offizieller Seite ist das Thema zu wenig behandelt worden.“
Alexander Kogler 

Häufige Fragen betreffen die Kosten, die Rechtssicherheit oder FinanzOnline. Engpässe gäbe es bei der Beschaffung der Signaturkarten. Außerdem gibt es momentan Wartezeiten bei Umsetzungs- und bei Installationsterminen für Neukunden. Das gefragteste Produkt bei Novacom ist derzeit die NovaTouch-PoS-Lösung in Verbindung mit den mobilen Handhelds von Orderman. 

Roadshows zur Kundeninfo

Orderbird hat bereits seit Anfang 2016 sehr viele Roadshows zum Thema Registrierkassenpflicht mit unterschiedlichen Partnern begleitet. „Dadurch sind viele unserer Kunden recht gut informiert“, sagt Patrick Brienen, einer der Gründer und Chief Sales Officer von Orderbird. Besonders gefragt ist das Orderbird-PoS-Starter-Paket inkl. der flexiblen Monatslizenz. 

„Durch viele Roadshows sind unsere Kunden recht gut informiert.“
Patrick Brienen 

Auch bei Repoint ist man zuversichtlich, was die Umstellung angeht. Ein Problem sei allerdings die mangelnde Information, weil „sowohl Finanzamt und Kammer hier keine Aufklärung geleistet haben“, sagt Orderbird-Geschäftsführer Günter Gstraimer. 

Kapazitäten aufgestockt

Die meisten Kunden von Bizerba sind zwar rechtzeitig umgestiegen, aber dennoch gibt es noch viel zu tun. „Wir haben rechtzeitig Kapazitäten aufgestellt, um das zu schaffen“, sagt Stefan Amrusch von Bizerba. Für Markus Spiess, der für Hogatron hauptsächlich in Westösterreich tätig ist, wird die Zeit inzwischen schon knapp: „Wir haben 80 Prozent Kunden im Skitourismus, und da ist jetzt Hochsaison. Ein späterer Termin wäre für die Umstellung viel besser gewesen.“ 

Axel Kutschera von Fiskaltrust hält noch einige Tipps zur Datensicherheit bereit: „Es geht um eine revisionssichere Speicherung von Daten. Das Konzept muss so aufgebaut sein, dass Datenmanipulation verhindert wird“, sagt der Manipulationsschutzanbieter. Am einfachsten ginge das, wenn die Datensicherung ausgelagert wird. „Wir haben Serveranlagen, die das garantieren. Ein Einzelner tut sich da nicht so leicht. Für die Gastronomie haben wir das 288-Euro-Sorglospaket.“

„Wir haben rechtzeitig Kapazitäten aufgestellt, um das zu schaffen.“
Stefan Amrusch

 

Autor:
ute.fuith
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