11.03.2010
Minus 10 % – was nun?

Was sollen die Unternehmen der heimischen Tourismuswirtschaft tun, wenn ein Minus droht? Nichts tun, den Kopf in den Sand stecken und weitermachen wie bisher – nach dem Motto „Es wird uns schon nicht so hart treffen“? Oder panikartig den Lockangeboten der Einkäufer von Dumping-Reiseanbietern folgen und damit die Preise unwiederbringbar in den Keller fahren oder ungeplant einige Mitarbeiter entlassen bzw. nicht wieder einstellen?
Hingenommene Auslastungsrückgänge, vor allem Preisnachlässe, führen im Ernstfall unweigerlich zu massiven Einbrüchen bei den Betriebsergebnissen und können auch scheinbar stabile Unternehmen schnell ins Wanken bringen. Ein plötzlicher ungeplanter Personalabbau führt zu massiven Unsicherheiten bei den verbleibenden Mitarbeitern und damit zu spürbaren Qualitätsverlusten bei den Gästen.
Wo liegen nun die Strategien und Maßnahmen einer professionellen Vorbereitung? Patentrezepte gibt es freilich keine, aber Kohl & Partner hat 3 wesentliche Erfolgsstrategien identifiziert:
Erfolgsstrategie 1: Alle Mitarbeiter ins Boot holen!
Einen Alarmplan für etwaige Umsatzrückgänge alleine auszuarbeiten oder gar an einen Berater auszulagern hat im Umsetzungsfall äußerst geringe Erfolgsaussichten, denn die vorrangig betroffenen Mitarbeiter werden nicht zu Mitstreitern, sondern schnell zu Gegnern. Jeder Alarmplan für eine Krise erfordert einen Mehreinsatz von jedem Einzelnen und Einschnitte bei lieb gewordenen Gewohnheiten. Grundsätzlich gilt daher: schon lange im Vorfeld im Unternehmen im Rahmen des Human Relationship Management eine derart positive Atmosphäre zu schaffen, um das persönliche Engagement jedes Teammitgliedes zu erhöhen.
Der Aufbau einer professionell agierenden Kaderorganisation mit den AbteilungsleiterInnen und die Installation eines Human Resource Management-Systems mit gut funktionierenden Kommunikationsritualen (wöchentliches Kader-Meeting, Jahreszielgespräche mit jedem Einzelnen und eine gemeinsame Klausur zur Jahreszielplanung) stellen eine unabdingbare ergänzende Basis für den Umsetzungserfolg dar. Regelmäßig aktuelle und verständlich aufbereitete Informationen über die wichtigsten Ergebnisse zu liefern, erreichbare Vorgaben zu setzen und den Umsetzungserfolg laufend zu messen – das ist als Bringschuld für die Geschäftsführung zu betrachten.
Nur in einem derart gut vorbereiteten Boot wird es gelingen, alle Teammitglieder dazu zu bringen, die Ruder kräftiger in die Hand zu nehmen und in einen Rhythmus zu bringen, um besser durch die Stromschnellen zu kommen.
Erfolgsstrategie 2: Gemeinsam einen Alarmplan ausarbeiten!
Nicht erst wenn sich Unruhe im Auslastungs- und/oder Umsatzfluss abzeichnet, dient ein gemeinsam mit dem Kaderteam ausgearbeiteter Alarmplan für eine Krise (positiveres Wording: „für veränderte Marktsituationen“) als äußerst hilfreiche Handlungsanweisung für das gesamte Team. Wenn sich die Stromschnellen schon abzeichnen, verbleibt oft nicht mehr genügend Zeit, einen Plan für die Fahrt durch das wilde Wasser zu entwerfen, und das Boot kommt ins Trudeln oder gar zum Kentern. Daher sollte jedes Management-Mitglied (Geschäftsführung und Kadermitarbeiter) einen konzertiert abgestimmten und dem Team kommunizierten Alarmplan für seinen Bereich in seiner (digitalen) Schublade haben, um beim Aufleuchten der Alarmlampen die jeweils richtigen Hebel (Verkaufsreserven öffnen, Preise halten und Kosten sparen) umzulegen. Erfolgreiche Unternehmen haben den Stärken der Turbulenzen (–5 %, –10 % usw.) entsprechende Alarmpläne, mit klaren Handlungsanweisungen an die jeweiligen Abteilungsleiter, ausgearbeitet, jährlich aktualisiert und griffbereit neben dem jeweiligen Cockpit.
Erfolgsstrategie 3: Kräftig Gas geben!
Wenn nun ein Unternehmen über ein gutes Boot, ein entsprechend gut ausgebildetes, motiviertes und informiertes Kaderteam – ausgestattet mit den entsprechenden Handlungsanweisungen aus den Alarmplänen – verfügt, heißt es, deutlich kräftiger Gas zu geben als bei der Fahrt durch gewohnt ruhiges Gewässer, um den Kurs nicht zu verlieren. Wie die Erfahrung von Kohl & Partner im schwierigen letzten Jahr gezeigt hat, gibt es nahezu in jedem Bereich eines Hotels kleinere und größere Potenziale zur Verbesserung des Gesamtergebnisses, wenn man nur etwas kräftiger Gas gibt.
Die eindeutig größten Potenziale sind in einer Aktivierung aller Verkaufsreserven zu finden, und die gibt es in nahezu jedem Betrieb – sowohl nach außen im Verkauf der Zimmer als auch nach innen im Zusatzverkauf in allen gästeorientierten Bereichen wie Wellness, Restaurant, Bar, Rezeption und Animation. Im Zimmerverkauf können allerdings die größten Räder bewegt werden, und somit sollte dieser Bereich priorisiert werden.
Fortsetzung in der nächsten Ausgabe der ÖGZ
Kohl & Partner Tourismusberatung GmbH, Bahnhofstr. 8, 9500 Villach, Tel.: 0 42 42/211 23, www.kohl.at

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