von Wolfgang Schedelberger
30.03.2009
Das UFO ist gelandet
Ein Hotel, das Unique heißt, weckt naturgemäß sehr hohe Erwartungen. Wie schön, wenn diese dann noch bei weitem übertroffen werden. Auch weitgereiste Gäste kommen schon beim Anblick der Fassade ins Staunen. Die 40-minütige Fahrt vom internationalen Flughafen Guarulhos führt erst durch heruntergekommene Industriegebiete und dann durch nichtssagende Betonwüsten, bevor man das elegante Villenviertel Jardim erreicht, welches das geografische Zentrum dieser 20-Millionen-Einwohner-Metropole bildet. Und dann hält das Taxi plötzlich vor einem riesigen türkisfarbenen Gebäude, das an ein halbmondförmiges UFO erinnert. Wow!
Auch das Entree in dieses Raumschiff ist beeindruckend. Man betritt das Unique durch eine gut zehn Meter hohe Türe und findet sich in einer beeindruckenden, rund 25 Meter hohen Lobby wieder, um tatsächlich in ein anderes Universum einzutauchen. Diese wohlige Transformation vom hektischen Stadtleben in eine coole Genuss-Oase wird auch durch ein gastliches Willkommensritual unterstrichen. Bevor man sich um die notwendigen Eincheck-Details (Pass, Kreditkarte, ...) kümmert, bekomme ich erst einmal ein Glas Champagner offeriert. „Damit Sie sich von Anfang an bei uns wohlfühlen“, erklärte die charmante Dame an der Rezeption in akzentfreiem Englisch.
Bühne für die Gäste …
Im Gegensatz zu so manch anderem luxuriösen Designhotel wird man im Unique von der beeindruckenden Architektur nicht „erschlagen“. Sie dient in erster Linie als spektakuläre Wohlfühllandschaft für die Gäste und nicht – wie so oft – als Possier-Parcours für hochnäsige Servicemitarbeiter. Der Wohlfühlfaktor im Unique wird durch ein kompetentes und freundliches, ja geradezu herzliches Personal bestimmt. Die Herzlichkeit der Mitarbeiter ist typisch brasilianisch, aber bei der Unique-Crew kommt noch eine Professionalität und Aufmerksamkeit dazu, wie man sie im ansonsten in Südamerika (zumeist) vergeblich sucht.
Weniger ist mehr …
Das Unique umfasst 95 Zimmer (36 bis 312 m2) auf sechs Ebenen, jedes mit (zumindest) einem knapp zwei Meter großem runden Fenster. Bei der Ausstattung selbst bleiben einem erfreulicherweise unsinnige Design-Gimmicks erspart, dafür kommt man in den Genuss der Gediegenheit eines Fünf-Sterne-Hauses, sprich riesige Betten, viele Pölster, extradicke, flauschige Handtücher, ein durchdachtes Beleuchtungskonzept und eine Dockstation für den iPod. Und auch der edle Parkettboden passt sehr gut zur zurückhaltenden, zeitlosen Einrichtung der Zimmer. Das individuelle Service des Hauses zeigt sich auch bei der gekühlten Kokosnuss, die man vor dem Schlafengehen statt – wie üblich – einer 08/15-Praline auf seinem Zimmer findet. Wer es nicht weiß: Kokoswasser ist nicht nur sehr erfrischend, sondern auch die beste Medizin gegen einen sich heranschleichenden Kater.

São Paulo ist die wirtschaftliche Hauptstadt Brasiliens und im Gegensatz zu Rio de Janeiro keine Touristendestination. Hier geht – ganz unbrasilianisch – in erster Linie ums Arbeiten und Geldverdienen. Das Unique-Hotel wird also in erster Linie von Geschäftsleuten gebucht. Wer dennoch – so wie ich – etwas Tagesfreizeit mitbringt (und diese zumindest teilweise auch im Hotel verbringen will), kann entweder den riesigen (etwas kühl gestalteten) Spa-Bereich samt Fitness-Center im Untergeschoß aufsuchen oder an der schicken Pool-Bar im letzten Stock faulenzen. Der Blick vom roten Pool, der tagsüber Hotelgästen exklusiv zu Verfügung steht, ist atemberaubend. Am Abend ist es hier mit der Ruhe jedoch vorbei, denn dann verwandelt sich die Skye Bar (und das dazugehörige Restaurant, das zu den besten der Stadt zählt) zum Laufsteg der Schönen und Reichen von São Paulo. Dank eigener Aufzüge (und einem separaten Entree) bleibt der reguläre Hotelbetrieb davon jedoch unberührt.
Der Name „Skye“ ist übrigens keine eigenwillig-brasilianische Schreibweise von Himmel, sondern eine Hommage an Skye Edwards, die Sängerin der britischen Trip-Hop-Band Morcheeba. Jonas Siaulys, der Eigentümer des Unique-Hotels ist ein großer Fan der Sängerin. Wie überhaupt das Unique-Hotel sehr viele sympathische Eigenheiten hat, die dieses Haus zu einem der faszinierendsten Hotels der Welt machen.
Landmark für die ganze Stadt…
Jonas Siaulys ist ein überaus begüterter brasilianischer Unternehmer, der in den späten 90er-Jahren das Grundstück, auf dem heute das Unique steht, erworben hat. Ursprünglich wollte er dort eine luxuriöse Shopping-Mall errichten, doch Freunde und Geschäftspartner rieten ihm davon ab. In São Paulo gebe es schon genügend Shopping-Malls. Was wirklich fehle, sei ein luxuriöses Hotel, das auf einzigartige Weise den kosmopolitischen Anspruch und den wirtschaftlichen Aufbruch São Paulos darstelle. Bei seinem Stolz gepackt, ging Siaulys daran, die Vision, ein einzigartiges Landmark-Hotel für seine Heimatstadt umzusetzen. Um einen raschen Return-on-Investment ging es ihm dabei nicht. Er beauftragte den japanisch-stämmigen StarÂarchitekten Ruy Ohtake damit, ein unverwechselbares Haus zu entwerfen, das dieser in seiner unverwechselbaren Handschrift auch umsetzte. Für die Inneneinrichtung war der ebenfalls aus São Paulo stammende João Armentano verantwortlich. Auch wenn dieser zahlreiche Objekte und Kunstgegenstände aus der ganzen Welt zusammengetragen hat, so trägt das Unique doch eine unverkennbar brasilianische Handschrift.
Eröffnet wurde das Hotel nach zweijähriger Bauzeit im Jänner 2003. Weil es jedoch nicht nur als Visitenkarte São Paulos für auswärtige Gäste dienen, sondern auch von der lokalen High-Society genutzt werden soll, hat Siaulys nicht nur die Skye-Bar für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Untergeschoß des Hauses befindet sich ein hochmodernes Veranstaltungszentrum mit 5.000 m2 Fläche sowie eine Garage für 700 Autos. Dank einer stringenten Trennung dieser Bereiche bekommt man als Hotelgast davon jedoch nichts mit. Weder am Zimmer, noch in der Lobby und schon gar nicht beim Faulenzen an der Pool-Bar.
Hotel Unique
São Paulo SP, Brasilien; T +55 11 3055 4700
Doppelzimmer ab 485,– US $
www.hotelunique.com.br !









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