

Das erste vietnamesische Lokal Wiens, das Viet-Nam, eröffnete 1994. Noch...
14.07.2004
Good Morning Viet-Nam
1980 wurde die Situation in Ho-Chi-Minh-City für das junge Ehepaar Sy unerträglich. Wie viele andere Menschen auch flüchteten die beiden, die immer fleißig gewesen waren und zweimal ihre gesamten Ersparnisse verloren hatten, auf dem Seeweg in eine ungewisse Zukunft.

In Indonesien wurden sie in einem Flüchtlingslager freundlich aufgenommen und warteten auf ein Land, das Asyl gewähren würde. So landeten Frau Sy Tuyet-Anh und Herr Sy Khai-Vinh schließlich in Österreich, während die Eltern in Kanada Aufnahme fanden. Der Anfang war naturgemäß schwer: Schließlich sprach man ja kein Wort Deutsch und hatte keinen familiären Rückhalt. Doch Herr Sy kochte schon damals sehr gerne, wohl auch, weil er damit auch ein schmeckbares Stück alte in die neue Heimat bringen konnte. 1994 war es schließlich soweit, dass die beiden ein eigenes Lokal eröffnen konnten. Doch als Pionier eines bis dahin bei uns weitgehend unbekannten Küchenstils hatte man anfangs einen schweren Stand. So wurde das Angebot auch mit bekannteren chinesischen und thailändischen Speisen ergänzt. Weil Herr Sy zwar die vietnamesischen Gerichte wie kaum ein Zweiter zuzubereiten wusste, nicht aber die anderen Speisen, lernte er diese Techniken unter anderem beim berühmten Dim-Sum-Meister Ming. Die säuerliche Tom-Yum-Suppe etwa gerät wunderbar harmonisch, nicht zu Zitronengras-betont, und wird auch – comme il faut – mit einem Zitronenblatt gekocht. Die vietnamesischen Suppen gehen eher in die süß-saure Richtung, mit Ananas, Tamarinde und Limette gewürzt. Das Goi Cu On ist ein Reisblatt mit frischem Salat, das mit asiatischer Minze, Sojasprossen, Gurke, haarfeinen Reisnudeln und Shrimps zubereitet wird. Das Ganze wird gerollt und in die typische Sauce getunkt. Diese besteht aus Fischsauce mit Zuckerwasser, Zitrone, Essig, Karotten, Knoblauch, Chili und Erdnüssen: gewöhnungsbedürftig, aber köstlich! In Gerichten wie dem Bo-Luc-Lac (geschmortes Rindfleisch) zeigt sich auch der französische Einfluss auf die vietnamesische Küche. Insgesamt ist die vietnamesische Küche als leicht und bekömmlich zu beschreiben, auch wegen der Verwendung von viel Minze und Koriander. Wohlfühlen durch das gute Essen, ein paar gute Weine und die freundliche Betreuung. Große Ansprüche an das Ambiente sollte man dabei halt nicht stellen. Conclusio Wie jeder andere Restaurantführer ist auch der „Tafelspitz“ des Kuriers nicht unumstritten. Dem Viet-Nam gleich zweimal einen Award für Ethno-Küche verliehen zu haben, ist jedoch verdienstvoll. Viet-Nam, 1070 Wien, Lerchenfelderstr. 139, Tel.: 01/526 43 16; täglich von 11.30–14.30 und 17.30–23.00
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