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Johann König (Landwirt), Alois Gratzer (Braumeister), Hermann Grassl (Bürgermeister) v.l.n.r bei der Ernte 2016 der Winterbraugerste für die Brauerei Gratzer.

Bier total regional

04.07.2016

Als erste steirische Brauerei deckt die Brauerei Gratzer ihren gesamten Malzbedarf mit eigener Winterbraugerste ab. Angebaut wird diese in der Ökoregion Kaindorf.

 

Alle reden über Hopfen und seine Aromen, seine Geschmacksvielfalt. Aber selten, dass über Braugerste geredet wird. Das tun wir hiermit - mit gutem Grund. Denn wie die steirische Brauerei Gratzer meldet, soll bereits 2017 der gesamte Bedarf an Braugerste aus der Region kommen. Sprich: Keine langen Anfahrtswege für Lkws, Stärkung regionaler Lieferanten und damit auch eine Stärkung des Wirtschaftsstandortes. 

Alois Gratzer: "In den Versuchsjahren 2013 bis 2015 konnte bereits ein beträchtlicher Anteil unseres Malzbedarfes durch die neue Winterbraugerste gedeckt werden. Der heurige Ertrag liegt mit knapp 20 Tonnen Scala etwas höher als in den letzten Jahren. Unser Ziel ist es durch die Ausweitung der Anbauflächen mit dem Gerstenanbau im Herbst 2016 den gesamten Bedarf für 2017 über regionale Gerste abzudecken".

Die Herausforderung liege aktuell vor allem darin, dass zu wenige Landwirte bereit seien, "das Risiko des neuen Produktes zu tragen". Winterbraugerste auf so klein strukturierten Flächen wie in der Steiermark anzubauen, sei für die Landwirte durch den niedrigeren Ertrag mit einem höheren Aufwand verbunden, sodass ein entsprechend fairer Preis erzielt werden müsse, so Gratzer. Die mit den neuen Wintergerste-Sorten bebauten Flächen könnten folglich nur sehr langsam gesteigert werden.

Reinsortige Wintergerste

Hintergrund: Bisher wurden überwiegend spezielle Sorten der Sommergerste als Braugerste eingesetzt und die meisten Wintergersten waren nur als Futtergerste geeignet. Die Steiermark ist klimatisch jedoch nicht besonders gut für den Anbau von Sommergerste und somit von Sommerbraugerste geeignet. Der Sommer in der Steiermark ist zu kurz, sodass die Gerste nicht richtig reifen kann. Wintergerste hingegen ist für das steirische Klima weitaus besser geeignet. Da sie im Herbst angebaut wird und nach der Überwinterung im Boden erst im Frühjahr und Frühsommer wächst. Mit den neuen Wintergerste-Sorten - die erstmals ausreichende Qualitäten aufweisen, dass sie reinsortig als Braugerste verwendet werden können, das heißt ohne die Zugabe von Sommerbraugerste, - ist jetzt auch der Weg für eine ertragreiche steirische Ernte geebnet.

Braumeister Alois Gratzer braut seit vierzehn Jahren in Obertiefenbach, mitten in der Ökoregion Kaindorf in der Oststeiermark, Naturbiere, die seit 2011 auch in Flaschen erhältlich sind. Laut eigenen Angaben ist die Brauerei Gratzer die bislang einzige vollständig CO2-neutrale Brauerei Österreichs und wurde für ihre Bemühungen in Sachen Ökologie und Umweltschutz unter anderem mit dem International Beer Award als nachhaltigste Brauerei der Welt, dem Daphne Umweltpreis in Silber und dem Energy Globe Styria Award ausgezeichnet. 

Autor/in:
Alexander Grübling
Original erschienen am 04.07.2016: CSR.
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