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Margarete Schramböck: „Wir sind an der Heilung schon nahe dran“

18.03.2020

Wie lange die Krise andauern wird, kann Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck aktuell nicht sagen, aber sie ist sicher: Das Coronavirus wird verschwinden. An welche Stellen sich Unternehmen, bis es so weit ist, wenden können, warum niemand befürchten muss zu kurz zu kommen und wie sie die Suche nach einem Heilmittel unterstützt – ein Telefonat in stürmischen Zeiten.

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck verspricht Österreichs Unternehmen: "Es sind genügend Mittel vorhanden."

Frau Ministerin, die Corona-Krise hat massive Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft. Das IHS erwartet einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um mindestens zwei Prozent, das WIFO rechnet mit minus 2,5 Prozent. Mit welchen Einbußen rechnen Sie für Österreich in diesem Jahr?

Ich kann hier noch keine Größenordnung nennen. Wir konzentrieren uns gerade mit ganzer Kraft darauf Einbußen zu verhindern und den Unternehmerinnen und Unternehmern beizustehen in dieser Situation, die bestimmt die schwierigste seit dem Zweiten Weltkrieg ist.

Gibt es Betriebe oder Branchen, die Sie besonders im Blick haben?

Wir werden alle Betriebe in allen Bereichen unterstützen. Das ist ganz wichtig. Es geht nicht nur um große Leitbetriebe, sondern auch um den Mittelstand, um Kleinst-, Klein- und Mittelbetriebe, um EPU und insbesondere auch um Familienbetriebe. Sie alle werden wir unterstützen und durch diese schwierige Phase begleiten. Dabei werden wir auch nicht auf die neuen Selbstständigen vergessen, die eine besonders schwierige Situation haben. Wir werden auf der ganzen Breite helfen müssen und haben dafür ein Hilfspaket mit 38 Milliarden Euro geschnürt.

Wie lange das soziale Leben und damit auch die Wirtschaft lahmgelegt sind, weiß noch niemand. Denken Sie, dass es bei den 38 Milliarden bleiben wird?

Die Kosten spielen bei der Bewältigung dieser Krise keine Rolle. Wir geben die Unterstützungen, die es braucht. Wir haben 4 Milliarden als Soforthilfen mobilisiert und nun damit in einem zweiten Schritt einen insgesamt 38 Milliarden Euro Schutzschirm für unsere heimische Wirtschaft aufgespannt. Darüber hinaus stehen Steuerstundungen im großen Ausmaß zur Verfügung, genau wie Garantien für Kredite. Damit wollen wir die Liquidität aufrechterhalten und möglichst viele Arbeitsplätze sichern.

Wie sehr sich die Situation verschärft, hängt maßgeblich von der Dauer der Krise ab. Gibt es in der Regierung Szenarien, wie lange der Stillstand in dieser weitreichenden Form dauern wird?

Das hängt, genau wie die Frage der Mittel, allein von der Dauer des Virus ab. Er wird sich ausbreiten und bleiben, bis wir unsere sozialen Kontakte auf ein absolutes Minimum reduzieren. Dabei kann jeder mithelfen, in dem er einfach nicht mehr hinausgeht. Mir ist klar, dass jetzt die schöne Zeit da ist, wo viele Spaziergänge machen, aber aktuell darf man nichts riskieren. Um diese Krise zu überwinden, ist jeder von uns gefragt! Jeder einzelne kann durch verantwortungsvolles Verhalten etwas beitragen.

Aber so lange auch nur ein einziger Mensch in Österreich mit dem Coronavirus infiziert ist, kann die Verbreitung jederzeit wieder explodieren – selbst, wenn sie schon eingedämmt war. Kann sich die Situation überhaupt lockern, bevor entsprechende Impfstoffe vorhanden sind?  

Der Gesundheitsminister arbeitet intensiv daran. Aber jetzt müssen wir vor allem die Verteilungskurven abflachen, damit das Gesundheitssystem die schweren Fälle ausreichend behandeln kann. Wenn man die Anzahl der sozialen Kontakte um 25 % reduziert, hat das eindeutige Auswirkung auf die Anzahl der Neuinfektionen. Sie sinken um 50 %. Diese Zahlen basieren auf Berechnungen und Erfahrungen aus China. Wir lernen daraus und setzen entsprechende Maßnahmen. Im medizinischen Bereich arbeite ich in meiner Funktion als Forschungsministerin gemeinsam mit der Klimaministerin intensiv an Lösungen.

Welche Initiativen setzen Sie?

Wir legen gemeinsam als weitere Maßnahme neben einer Million Euro Emergency Call einen insgesamt 22 Millionen Euro schweren Fonds auf, damit jene Medikamente, die schon so weit sind, rasch in die klinische Forschung gehen können. Dazu gibt es einen Emergency  Call der Forschungsförderungsgesellschaft FFG. Wir unterstützen also österreichische Unternehmen dabei, Medikamente zu entwickeln, um rasch eine Heilungsmethode zu haben. Wir sind an der Heilung schon nahe dran.

Was bedeutet „nahe dran“ konkret?

Das lässt sich noch nicht absehen. Aber Spitzenwissenschaftler wie der Genetiker Josef Penninger, der schon ein Medikament gegen SARS entwickelt hat, arbeiten unter Hochdruck an dem Thema. Meine Aufgabe ist es, die Gelder zu Verfügung zu stellen.

Bis es so weit ist, werden noch viele Unternehmen die diversen Unterstützungsmaßnahmen in Anspruch nehmen müssen. Wie unbürokratisch klappt die Bewilligung der Unterstützungen, die ja jetzt überwiegend digital abgewickelt werden muss?

Wir wissen etwa von der AWS, die Garantien für Unternehmen abwickelt und derzeit täglich rund 300 Anträge entgegen nimmt, dass bislang alles sehr gut funktioniert. In den Institutionen sind die notwendigen Ressourcen vorhanden und die Reaktionszeiten sind sehr kurz. Aber man muss auch Verständnis haben, dass der Ansturm gerade sehr groß ist. Aber: Es sind genügend Mittel vorhanden.

Bei welchen Stellen können Unternehmen jetzt noch um Unterstützungen ansuchen?

Für Unternehmen gibt es folgende Wege: Sie können erstens bei der Sozialversicherung um Stundung ansuchen und ihre Bemessungsgrundlage herabsetzen lassen sowie  auch den Erlass der Verzugszinsen beantragen. Der zweite Weg führt zum AMS, um Corona-Kurzarbeit anzumelden. Der dritte zur AWS, um Garantien zu beantragen. Die Mitarbeiter sind schon gut eingearbeitet, es sollte also schnell gehen.

Besonders schlimm ist für viele Betriebe nicht nur die Lage selbst, sondern auch die Ungewissheit, die damit einhergeht. Haben Sie irgendwelche Infos, mit denen Sie Unternehmen Mut machen können, um durchzuhalten?

Die Unternehmerinnen und Unternehmern Österreichs sind sehr mutig. Wir vertrauen ihnen und sie können auch Vertrauen in uns setzen, dass wir die richtigen Maßnahmen setzen und Geld zur Verfügung stellen und sie durch diese schwierige Phase führen. Wir werden vor allem darauf achten, Maßnahmen zu setzen, um die Mitarbeiter halten zu können. Meine beste Freundin hat eine Putzerei, bei der das Team seit vielen Jahren zusammenarbeitet. Durch Corona-Kurzarbeit und die Stundung der Sozialversicherungsbeiträge vom ersten Tag an, kann sie das Team halten. Wir arbeiten konstant an Lösungen und ich bin dankbar für Inputs, wie wir etwas ändern könnten, wenn sich Fehler einschleichen. Ich bitte alle Unternehmen: Haben Sie Vertrauen. Es wird vorüber gehen. Es ist ein Virus, der verschwinden wird. Unsere Wirtschaft war vor der Krise super und wird es danach wieder sein!

Autor/in:
Mag. Stephan Strzyzowski
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