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05.09.2011

Alpbach. Die österreichische Ferienhotellerie wird sich gegenüber Betreibergruppen behaupten können, wenn sie den Strukturwandel ernst nimmt und noch professioneller wird, lautet das Resümee der zweiten Podiumsdiskussion der Tourismus Community Austria im Rahmen des Europäischen Forum Alpbach.

Das Podium bei der 2. TCA in Alpbach (v.l.n.r).: Prof. Hubert Siller (MCI Tourismus Innsbruck), Dr. Jakob Edinger (ETB Edinger Tourismusberatung), Josef Margreiter (Tirol Werbung), Erich Falkensteiner (Falkensteiner Michaeler Tourism Group), Dr. Alois Kronbichler (Kohl & Partner), Mag. Wolfgang Kleemann (Direktor der Österreichischen Tourismusbank).

In den nächsten zehn Jahren stehen mehr als 2000 österreichische

Hotelbetriebe zur Übergabe an. Schafft die Hotellerie diesen Generationswechsel aus eigener Kraft, oder braucht sie die Unterstützung von Betreibergruppen? Was bleibt von der "typisch österreichischen Gastfreundschaft", wenn internationale Hotelketten im heimischen Ferientourismus Fuß fassen? Die zweite Diskussionsveranstaltung der Tourismus Community Austria im Rahmen des Europäischen Forum Alpbach widmete sich der spannenden Frage "Wer wird heute noch Hotelier?".

 

Rund 130 Touristiker, Interessensvertreter und Journalisten verfolgten im Congresszentrum Alpbach die Podiumsdiskussion unter der fachkundigen Leitung von Prof. Mag. Hubert Siller (MCI Tourismus Innsbruck). "Es wird ein Nebeneinander geben von familiengeführten und betreibergeführten Hotels. Ich fürchte mich jedenfalls nicht davor, dass der österreichische Tourismus in Zukunft von Betreibergruppen überrollt wird", analysierte Mag. Wolfgang Kleemann (Österreichische Tourismusbank) in seinem Einleitungsstatement die aktuelle Situation. "Der Beruf des Hoteliers ist oft negativ besetzt", gab Kleemann, der selbst ein Hotel führt, zu bedenken, "das ist schade, denn gerade diese Aufgabe hat viele interessante und spannende Seiten!"

 

Ohne Authentizität geht es nicht

Die Direktorin der Österreich Werbung, Dr. Petra Stolba, brach eine Lanze für die familiengeführten Betriebe und die Pflege der österreichischen Gastfreundschaft: "Marktdruck und Wettbewerbsdruck nehmen zu. Aus unserer Sicht ist es daher besonders wichtig, dass wir das typisch Österreichische herausstreichen. Wir haben die qualitativen und quantitativen Daten, dass unsere Gäste den persönlichen Kontakt zu den österreichischen Gastgebern besonders schätzen. Ohne Authentizität funktioniert der Urlaub in Österreich nicht." Erich Falkensteiner (Falkensteiner Michaeler Tourism Group) ließ keinen Zweifel über den Strukturwandel in der Ferienhotellerie aufkommen: "Es gibt in Österreich bis jetzt keine ausländische Konzerngruppe, die sich in der Ferienhotellerie durchsetzen konnte. Der österreichische Hotelmarkt sollte sich also weniger mit den internationalen Konzernen als mit dem eigenen Angebot beschäftigen. Wir müssen uns spezialisieren und ein einzigartiges Produkt anbieten." Erich Falkensteiner betonte, dass sich Betreibergruppen wie die Falkensteiner Hotels nicht, wie oft behauptet, über den Preis, sondern über ihre Produktqualität und Innovation im Markt behaupten müssen.

 

Konkurrenzdruck nimmt zu

Dr. Jakob Edinger (ETB Edinger Tourismusberatung) gilt als profunder Kenner der österreichischen Ferienhotellerie. Als Unternehmensberater und Hotelbetreiber kennt er die Thematik von beiden Seiten: "Wir müssen keine Angst vor Kettenhotellerie und Betreibergruppen haben, vor allem nicht in der Ferienhotellerie. In den Städten wird die Kettenhotellerie deswegen immer erfolgreicher, weil sie es geschafft hat, Eigentum von Betrieb zu trennen und daher gewaltig wachsen kann." Die Situation in der Ferienhotellerie stellt sich grundlegend anders dar, hier sind Hotelketten weit weniger aktiv, dafür nimmt der Konkurrenzdruck zu. Jakob Edinger: "Ich finde es unfair, wenn Organisationen wie die TUI als Quasi-Monopolisten in Österreich Eigenbetriebe aufbauen und diese über ihre Buchungssysteme bevorzugen können. Ich finde es auch unfair, wenn die öffentliche Hand Einzelprojekte mit 30 Prozent und mehr fördert und die Betreiber dieser Projekte dann mit Niedrigpreisen gegen Familienbetriebe vorgehen." Edinger betonte aber, dass die Kettenhotellerie in Österreich bei weitem nicht an die Ergebnisse der familiengeführten Top-Hotellerie herankommt.

 

Kooperationen immer wichtiger

Der Südtiroler Berater Dr. Alois Kronbichler (Kohl & Partner) unterstrich in der Diskussion die Bedeutung von lokalen Betreibergruppen und regionalen Kooperationen: "Natürlich werden Betriebe aus dem Markt ausscheiden müssen, aber es sind auch Alternativen möglich. Zum einen gibt es Familien, die neben dem eigenen auch weitere Betriebe führen. Zum anderen werden Kooperationen immer wichtiger, um im Wettbewerb zu bestehen. Für manche Familienbetriebe sind die in den Markt drängenden Hotelketten oft Feindbilder. Dies könnte man verhindern, wenn die Regionen langfristige Masterpläne machen würden, um die tatsächlich notwenigen Bettenkapazitäten festzulegen." Kritisch betrachtet wurde der Umstand, dass sich mancher Bürgermeister in Österreich auf der Suche nach Investoren von Betreibern blenden lässt. "Hier wird oft viel zu viel versprochen", meinte Berater Jakob Edinger aus Erfahrung, "die öffentliche Hand muss dann häufig tief in die Tasche greifen, um diese Investoren überhaupt bei der Stange zu halten!"

 

Manager mit Herz und Hirn

Der Präsident der Österreichischen Notariatskammer, DDr. Ludwig Bittner, verwies auf eine Umfrage seiner Organisation: "Das Thema Betriebsübergabe im Tourismus ist hoch aktuell und sehr spannend. Wir werden uns hier künftig verstärkt engagieren. Denn eines wollen wir als Notare nicht: eine Verlassenschaftsabhandlung über ein Hotel ohne Testament, dafür mit streitenden Erben." Einig waren sich die Gäste am TCA-Podium darin, dass die Anforderungen an Hoteliers immer größer werden. "Der Beruf hat sich verändert, es müssen vor allem die betriebswirtschaftlichen und die Managementqualitäten erweitert werden", so Erich Falkensteiner. An die Stelle des Gastgebers tritt der multifunktionale Experte.

 

Gastgeberqualität ein Plus

Alois Kronbichler: "Natürlich muss der Hotelier all diese Qualifikationen haben, doch ein wesentlicher Punkt ist die Frage, ob man sich als Unternehmer auf diese Branche wirklich einlassen möchte. Auf diesen Punkt wird in der Ausbildung noch viel zu wenig Bedacht genommen." Petra Stolba unterstrich die Bedeutung eines Konzeptes für den Hotelier: "Ich vermisse häufig den Unternehmergeist, das Schöpferische, denn mit einer Übernachtung alleine gewinnt man heute keinen Blumentopf mehr." Gesprächsleiter Siller brachte das Ergebnis der Diskussion wie folgt auf den Punkt: "Den Betreibergruppen fehlt die Gastgeberqualität, ebenso ist das Produkt häufig austauschbar. In der Ferienhotellerie liegt der Anteil der Kettenhotellerie österreichweit unter fünf Prozent. Es ist aber zu erwarten, dass die internationale Hotellerie lernt und wiederkommt. Dafür müssen wir gerüstet sein."

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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