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Herkunftskennzeichnung von Fleischprodukten für alle Parteien denkbar

28.08.2019

WWF-Nachfrage: NEOS, JETZT und Grüne fordern auch Verzicht auf Fleisch-Rabatte – AK-Wien und Vier Pfoten: Reine Herkunftskennzeichnung von Produkten zu wenig

Die sechs größeren wahlwerbenden Parteien stehen einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung von verarbeiteten Fleischprodukten positiv gegenüber. Das ergab eine Nachfrage der Umweltschutzorganisation WWF bei ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS, JETZT und den Grünen. Kein Konsens herrscht bei den Parteien jedoch darüber, für welche Bereiche die Kennzeichnungspflicht gelten sollte.

FPÖ, NEOS, JETZT und Grüne plädieren für eine Herkunftskennzeichnung in Handel, Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung. ÖVP und SPÖ haben in ihren Antworten offen gelassen, für welche Bereiche sie sich diese wünschen, wie in einer Aussendung der Umweltschutzorganisation am Mittwoch zu erfahren war. Jedoch habe die ÖVP bei ihren öffentlichen Forderungen die Gastronomie bisher außen vor gelassen, merkte der WWF an.

„Eine umfassende Kennzeichnung würde importiertes Billigfleisch zurückdrängen und der heimischen Landwirtschaft beim Absatz ihrer Produkte helfen”, sagte WWF-Ernährungsexpertin Helene Glatter-Götz. Die Umweltschutzorganisation fordert daher eine rasche und ambitionierte Umsetzung der verpflichtenden Herkunftskennzeichnung für verarbeitete Fleischprodukte. Rückenwind dafür kommt auch vom Tierschutzvolksbegehren, das eine klare Kennzeichnung von Herkunft und Tierwohl fordert und am Mittwoch seine Kampagne „Wissen, was wir essen” gestartet hat.

Der Wiener Arbeiterkammer (AK) machte dagegen in einer Aussendung deutlich (Fleisch & Co hat berichtet), dass eine reine Herkunftskennzeichnung zu wenig sei. Diese allein sage nichts über die Qualität eines Produkts, dessen Produktionsbedingungen oder Tierschutzstandards aus und unterstütze Konsumenten bei ihrer Kaufentscheidung nicht ausreichend. Die Wiener AK appelliert daher, ab der neuen EU-Förderperiode 2021 nur noch jene Agrarproduktion zu fördern, die einen nachweisbaren positiven Effekt auf Klimaschutz und Tierwohl garantiert. Zudem sollten auf EU-Ebene Kriterien für die Herkunftskennzeichnung entwickelt werden, die Angaben zu Tierwohlstandards und Produktionsbedingungen berücksichtigen.

Auch die Tierschutzorganisation Vier Pfoten pflichtete der AK bei, dass eine Herkunftskennzeichnung alleine nicht genüge. Die Organisation schlägt hinsichtlich Kennzeichnung ein System wie beim Schalenei vor. Dieses wäre seit Jahren erfolgreich und könne ähnlich auch für Fleisch- und Milchprodukte angewendet werden.

Der WWF wollte von den Parteien außerdem wissen, wie sie zu Fleisch-Rabatten stehen. Mit einem Verzicht darauf könne der Druck auf die Landwirtschaft verringert und eine umwelt- und tierfreundlichere Produktion ermöglicht werden, hielt die Umweltschutzorganisation fest. Es zeigte sich, dass NEOS, JETZT und Grüne für einen Verzicht auf "marktschreierische" Fleisch-Rabatte plädieren. Die FPÖ hält diesen Schritt für schwer umsetzbar und will vor allem bei Lebendtiertransporten und der Kennzeichnung ansetzen. Die ÖVP gab keine konkrete Antwort zum Thema Fleisch-Rabatt, verwies aber auf die Schaffung „vergleichbarer europäischer Rahmenbedingungen” sowie die bessere Kennzeichnung. Die Antwort der SPÖ blieb eher vage: So wolle man Lösungen unterstützen, die faire Preise für Landwirte bringen und zugleich dazu beitragen, dass Fleisch leistbar bleibe.

Für einen konkreten Aktionsplan mit verbindlichen Maßnahmen zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen in sämtlichen Sektoren wollen sich abermals Grüne, NEOS und JETZT einsetzen. Die SPÖ betonte, dass freiwillige Schritte wohl nicht reichen werden und fordert ein Wegwerfverbot von Lebensmitteln im Handel. ÖVP und FPÖ setzen auf bessere Kennzeichnung und mehr Bewusstseinsbildung.

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