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Billigimporte bei Lebensmitteln schaden dem Klima, so Präsidentin Langer-Weninger

LK fordert Verzicht auf Billigimporte von Rindfleisch und Butter

28.10.2019

Aufgrund der andauernden politischen Hängepartie um den Brexit stehen die EU-Rindfleischpreise seit Monaten massiv unter Druck. Irland sucht als bisheriger Hauptlieferant für Rindfleisch nach Großbritannien mit allem Nachdruck neue Absatzschienen am EU-Binnenmarkt, um sich so auf einen weiter drohenden harten Brexit und der damit einhergehenden Kappung von Handelsbeziehungen nach Großbritannien bestmöglich vorzubereiten. „Das nun ausgerechnet in dieser sensiblen Phase mehrere Handelsketten mit Billig-Rindfleisch aus Südamerika werben, ist gegenüber den heimischen Rinderbauern schlichtweg verantwortungslos und auch klimapolitisch äußert kontraproduktiv“, kritisiert Präsidentin Michaela Langer-Weninger die Verantwortungsträger im Lebensmitteleinzelhandel scharf. Auch Billigimporte bei Butter im Rahmen mehrerer Handelsmarken sorgen aktuell für Aufregung bei den Milchbauern.

Die Rindfleischproduktion in Südamerika erfolgt völlig anders als bei uns in Österreich. Während die heimischen Bäuerinnen und Bauern immer stärker auf Qualitätsprogramme mit extensiven Produktionssystemen auf Basis des Grünlandes setzen, um damit auch die Konsumentenerwartungen zu treffen, erfolgt die Endmast von Rindern in Südamerika in sogenannten „Feedlots“ mit riesigen Herden auf engstem Raum mit reinen Kraftfutter- bzw. Getreiderationen. Die beiden Produktionssysteme unterscheiden sich auch hinsichtlich ihrer Klimaauswirkungen massiv. Während die Produktion von heimischem Rindfleisch 14 Kilogramm CO2 verursacht, ist Rindfleisch aus Südamerika mit etwa 80 Kilogramm CO2-Ausstoß belastet. „Gleichzeitig ist daran zu erinnern, dass die Wiederkäuermägen von Rindern, Schafen und Ziegen die einzige Verwertungsmöglichkeit für das heimische Grünland und den Schutz von dessen darauf befindlicher Biodiversität darstellen. Mit den laufenden Rabattaktionen zugunsten von südamerikanischem Rindfleisch agieren die betroffenen Handelsketten nicht nur gegen die Interessen der heimischen Bäuerinnen und Bauern, sondern auch gegen den Klimaschutz und den Erhalt der Kulturlandschaft in unseren Bergregionen. Das gleiche gilt derzeit beim Verkauf ausländischer Billigbutter im Rahmen verschiedener Handelsmarken, wo die ausländische Herkunft für die Konsumenten auf den ersten Blick meist gar nicht sichtbar ist. „Ich fordere daher die Verantwortungsträger auf, künftig im Sinne von Bauern, Konsumenten und Klimaschutz auf Rabattaktionen im Zusammenhang mit dem Billigimport von Rindfleisch oder Butter gänzlich zu verzichten“, appelliert LK-Präsidentin Michaela Langer-Weninger. 
 

Auftreten gegen Handelsabkommen und für Klimaschutz unglaubwürdig

Einzelne Manager des Lebensmittelhandels lassen sich in manchen Medien immer wieder für ihr angeblich beherztes Eintreten gegen Freihandelsabkommen und für den Klimaschutz abfeiern. Diese sollten wie andere Verantwortungsträger auch viel mehr an ihrem Tun und ihrem tatsächlichen Handeln gemessen werden. Und das wäre ganz einfach: „Wenn die großen Handelsketten ernsthaft etwas gegen den unfairen Handel zulasten der heimischen Bäuerinnen und Bauern und für den Klimaschutz tun wollen, dann müssen sie ab sofort auf billige Überseeimporte bei Fleisch, Milchprodukten, Obst und Gemüse verzichten. Sie würden damit nicht nur für den Klimaschutz, sondern auch für mehr wirtschaftliche Wertschöpfung sowie Arbeitsplätze im Land sorgen“, so Präsidentin Langer-Weninger abschließend.
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