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Mit dem Rüssel in Brüssel – ein Bericht von Dr. Schlederer

26.06.2019

Auch in Brüssel ist ASP Hauptthema. In allen einschlägigen „Schweine“ Gremien, ob COPA oder EU-Kommission dominiert seit Jahren die Afrikanische Schweinepest auf den Tagesordnungen. Je mehr Länder EU- und weltweit betroffen sind, desto mehr werden Strategien erarbeitet, wie man mit dieser Seuche leben kann bzw. muss. Ein Bericht von Dr. Johann Schlederer.  

EU verhandelt mit Asien um Anerkennung der Regionalisierung
Leider sind weitere Ausbrüche im ASP-Seuchengeschehen in Europa jederzeit möglich. Ausbrüche in einem der stark Asien exportorientierten Länder wie Deutschland, Spanien, Holland, Dänemark und Frankreich würden erheblichen Preisdruck ausüben, wenn es bis zu einem möglichen Ausbruch nicht gelingt, mit den asiatischen Hauptabnehmerländern wie China, Japan und Südkorea Abkommen zur Anerkennung der Regionalisierung abzuschließen. Sprich: Es soll beispielsweise zu keiner Sperre eines ganzen Landes kommen, wenn z. B. in einem kleinen Gebiet dieses Landes ein ASP-Fall auftritt.
Die diesbezüglichen Verhandlungen zwischen EU und China sind intensiv am Laufen und laut EU-Kommission soll zumindest die Richtung, in der die Gespräche voranschreiten, stimmen. Bei einem von EU-Kommissar initiierten Treffen mit Japanischen Veterinärbehörden Mitte Mai in Tokio konnte ich mich selber von den aktiven Bemühungen der Kommission überzeugen.

Prognosen für die mittelfristige Entwicklung am EU-Schweinemarkt
Die EU-Kommission hat das französische Marktforschungsinstitut GIRA mit einer Untersuchung der mittelfristigen Auswirkungen der landesweiten ASP-Ausbrüche in China befasst. Demnach wird bestätigt, dass China in nächster Zeit noch weitere Bestandsverluste hinneh-men wird müssen, die letztlich in einer Reduktion um bis zu 40 % des ursprünglichen Bestan-des enden dürften.
Damit würde der Weltschweinebestand um 15 bis 20 % schrumpfen, was verständlicherweise den Weltschweinefleischmarkt, wie wir schon gesehen haben, beeinflusst und in Zukunft be-einflussen wird. Die Studie geht davon aus, dass China fünf bis sieben Jahre brauchen wird um das Seuchendesaster in den Griff zu kriegen.

​Vor- und nachgelagerte Auswirkungen
In der Konsequenz ist nicht nur der Schweinemarkt betroffen, auch die vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereiche erfahren gravierende Veränderungen. So z.B. wurde bereits 20 % weniger Soja und Getreide von chinesischer Seite importiert, was auch für diese Sektoren bereits zu Preisdruck am Weltmarkt geführt hat. Auf Seite des Fleischmarktes ist trotz Verknappung nicht davon auszugehen, dass in preislicher Hinsicht die „Bäume in den Himmel wachsen“ werden. Das heißt bei weiter steigenden Schweinefleisch-Verbraucherpreisen kommt es zu Substitution, d. h. andere tierische Lebensmittel werden profitieren. Zu allererst wird dies Geflügelfleisch sein, gefolgt von Fisch und Rindfleisch, aber auch pflanzliche Produkte werden zusätzliche Nachfrage verspüren.

​Impfstoffforschung läuft auf Hochtouren
Nachdem mittlerweile weite Teile der Welt von der ASP-Seuche betroffen sind, sieht die Pharmaindustrie einen lukrativen Hoffnungsmarkt. Daher wird fieberhaft daran gearbeitet, einen wirksamen Impfstoff gegen ASP zu entwickeln. Obwohl schon vereinzelt Meldungen von erfolgreichen Entwicklungsschritten auftauchen, wird von der Veterinärmedizin diesbezüglich keine Euphorie verbreitet. Im Gegenteil, es dürfte weiterhin bei der Prognose bleiben, dass es ca. zehn Jahre dauern wird, bis ein wirksamer ASP-Impfstoff am Markt sein wird.

 

Autor: Dr. Johann Schlederer

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