Direkt zum Inhalt

Österreichische Gewässer mit Antibiotika und Pestiziden belastet

02.12.2018

Untersuchung in zehn EU-Staaten zeigt Umweltverschmutzung durch Massentierhaltung – Umweltmediziner Hutter: Antibiotika-Einsatz in der Tierhaltung strenger reglementieren

Wien (OTS) - Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat in zehn EU-Staaten insgesamt 29 Gewässer in Regionen mit intensiver Tierhaltung untersucht. Antibiotika wurden in 70 Prozent aller europäischen Proben nachgewiesen, Pestizide in 100 Prozent. Getestet wurden auch drei österreichische Gewässer in der Steiermark und in Oberösterreich, in Gegenden mit einer besonders hohen Dichte an Schweineställen. Die Ergebnisse zeigen eine besorgniserregende Schadstoffbelastung. Pro Probe wurden in Österreich bis zu fünf Tierarzneimittel, darunter mehrere Antibiotika, und bis zu 38 verschiedene Pestizide festgestellt. Dies ist der dritthöchste Pestizidwert, der in Europa gefunden wurde. Greenpeace verlangt nun Maßnahmen seitens der Politik. Landwirtschaftsministerin Köstinger und Gesundheitsministerin Hartinger-Klein dürfen die Risiken der Massentierhaltung für Umwelt und Gesundheit nicht weiter ignorieren, fordert die Umweltschutzorganisation.

„Industrielle Tierhaltung ist eine Gefahr für unsere Umwelt und unsere Gesundheit. Die Cocktails an Schadstoffen, die durch dieses System entstehen, schaden unseren Flüssen. Auch für uns Menschen ist das mittelfristig ein gesundheitliches Risiko. Antibiotika, die aus der Massentierhaltung in die Umwelt gelangen, erhöhen die Gefahr von Resistenzen“, sagt Sebastian Theissing-Matei, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace in Österreich. „Angesichts dieser Ergebnisse müssen jetzt bei den Verantwortlichen alle Alarmglocken schrillen“.

In Österreich wurden Proben aus dem Schwarzaubach und der Stiefing – beide in der Steiermark - sowie aus dem Sipbach in Oberösterreich genommen. Dabei wurden pro Probe vier bis fünf verschiedene Tierarzneimittel festgestellt, davon jeweils zwei bis drei verschiedene Antibiotika. Knapp Dreiviertel aller Antibiotika in der Tierhaltung gehen in Österreich an Schweine. Der hohe Antibiotika-Einsatz führt dazu, dass sich immer mehr Bakterien abhärten und somit Resistenzen gegenüber wichtigen Medikamenten entwickeln. Diese Super-Keime können auch uns Menschen gefährlich werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Antibiotika-Resistenzen als eine der drei dringendsten Probleme für die öffentliche Gesundheit ein.

Auch Assoz.-Prof. DI Dr. med. Hans-Peter Hutter, Sprecher der ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt, warnt anlässlich der Greenpeace-Testergebnisse vor Resistenzen: „Überhaupt keine Frage: Der schlampige Umgang in der Humanmedizin mit Antibiotika führt zu großen Resistenzproblemen. Trotzdem ist es zweifellos so, dass intensive Tierhaltungen ebenfalls zur Antibiotikaresistenz maßgeblich beitragen. Resistenzentwicklungen haben gravierende Folgen für die medizinische Behandlung von Patientinnen und Patienten. Häufig sind Infektionen mit resistenten Bakterien schwer therapierbar, in bestimmten Fällen sind sie sogar unheilbar. Daher ist der Umgang mit diesen lebensnotwendigen Medikamenten selbstverständlich auch in der Tierhaltung streng zu reglementieren.“

Zur Belastung der untersuchten Gewässer durch Antibiotika kommt die Verschmutzung mit einer Vielzahl verschiedener Pestizide hinzu: 27 im Schwarzaubach, 38 in der Stiefing und 20 im Sipbach. Der Pestizidwert der Stiefing ist der dritthöchste, der in Europa gefunden wurde. „Die Landwirtschaft in den beprobten Regionen ist vor allem dem intensiven Anbau von Futtermitteln wie etwa Mais gewidmet, um die zehntausenden Schweine vor Ort zu versorgen. Wir können daher davon ausgehen, dass ein wesentlicher Anteil der Pestizide aus dem Anbau von Futtermitteln stammt“, erklärt Theissing-Matei.

Nun sei die Politik gefordert. „Unser Test zeigt: Es ist höchste Zeit zu handeln. Allen voran Landwirtschaftsministerin Köstinger und Gesundheitsministerin Hartinger-Klein dürfen die Umwelt- und Gesundheitsrisiken der Massentierhaltung nicht länger ignorieren“, fordert Theissing-Matei. Es brauche endlich ein ambitioniertes Antibiotika-Reduktionsprogramm für die Tierhaltung, beginnend mit der Schweinehaltung. Dazu seien bessere Haltungsbedingungen und niedrigere Besatzdichten notwendig. Außerdem seien Änderungen bei den Agrarförderungen erforderlich. „Anstatt zerstörerische Massentierhaltung zu fördern, sollten wir viel mehr unsere heimischen Bäuerinnen und Bauern dabei unterstützen, auf eine bessere Tierhaltung umzusteigen“, fordert Theissing-Matei.

Hier finden Sie den Greenpeace-Report „Dirty Waters – Wie Massentierhaltung Flüsse in Europa verschmutzt“ Hier sind die Ergebnisse von Österreich

Werbung

Weiterführende Themen

Thema
13.05.2019

EU-Agrarkommissar Phil Hogan hat während eines mehrtägigen Besuchs mit einer Wirtschaftsdelegation in Japan sein politisches Gewicht in die Waagschale geworfen und auf ein Ende der ...

Kammerdirektor Franz Raab, Leiterin der Abteilung Agrarrecht im Amt der NÖ Landesregierung Susanne Gyenge, Landwirtschaftskammer Präsident Johannes Schmuckenschlager, Landwirtschaftskammer-Vizepräsident Otto Auer und Vizepräsidentin Theresia Meier (v.l.)
Thema
29.04.2019

Am Montag, 29. April, tagte das Bauernparlament der Landwirtschaftskammer Niederösterreich zum ersten Mal im Jahr ...

Eine randomisierte, Placebo-kontrollierte, doppelblinde Studie belegt: Dank homöopathischer Behandlung erkranken signifikant weniger Ferkeln an dem von dem Bakterium Escherichia coli hervorgerufenem Durchfall.
Thema
14.03.2019
Eine homöopathische oder phytotherapeutische Behandlung ist nach aktueller tierärztlicher Entscheidung und der neuen EU-Bio-Verordnung als primäre
...
Qualität und Frische sind für die Befragten die wichtigsten Kriterien bei Lebensmitteln. Gefolgt von der Sicherheit bei Lebensmitteln und der Gentechnikfreiheit. Die Herkunft von Lebensmitteln, Nachhaltigkeit, Regionalität und Saisonalität liegen in der Wichtigkeit vor biologischen Lebensmitteln.
Thema
11.03.2019

Soziale Ungleichheit, Klimawandel und Umweltverschmutzung beunruhigen die Österreicherinnen und Österreicher besonders. Frauen sind besorgter als Männer, insbesondere bei Lebensmittelsicherheit ...

Die QGV präsentiert die neue Datenplattform mit Produktions- und Veterinärdaten aller heimischen Geflügelbetriebe.
Thema
13.02.2019

Die Österreichische Qualitätsgeflügelvereinigung präsentierte ihr weltweit einzigartiges Projekt: In der neuen zentralen Datenbank „Poultry Health Data” werden Produktions- und Veterinärdaten ...

Werbung