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Hans Plattner, GF Hörtnagl, Heinz Kröll, Seniorchef Erlebnissennerei Zillertal, Landeshauptmann Günther Platter, Josef Margreiter, GF Lebensraum Tirol Holding, Ingrid Schneider, Leitung „urlaub.tirol“ in der Tirol Werbung, Theresa Leitner, Management Center Inns- bruck – MCI und Matthias Pöschl, GF Agrarmarketing Tirol (v. l.)

Premium-Produkte von der Alm

18.09.2019
Tirol ist Almland Nummer 1 in Österreich und setzt verstärkt auf die Vermarktung von Premium-Produkten wie Milch, Käse und Fleisch.

 

Einfach war es nicht. Wir haben damals Neuland be­treten“, erinnert sich Hans Plattner. Der geschäftsführende Gesellschafter des Tiroler Fleisch­ und Wursterzeugers Hörtnagl blickt auf die mehr als 25 Jahre währende Zusammen­ arbeit mit den Tiroler Almbauern zurück. Konkret geht es um das Projekt „Tiroler Grauvieh­ Alm­ochs“. Mitte der 90er Jahre war der Almochs eine aussterbende Rasse, niemand habe sich vor­ stellen können, dass man neben Milch und Käse auch Fleisch von der Alm vermarkten könne. Plattner erinnert sich auch an die Kluft zwischen Bauern und Pro­duzenten: „Es hat das gegensei­tige Verständnis gefehlt. Die Bauern wussten nicht, was die Konsumenten wollten. Und die Konsumenten glaubten, dass im­mer alles sofort und in ausrei­chenden Mengen zur Verfügung steht.“ Auch Hörtnagl selbst hat­te mit Argwohn zu kämpfen. „Dass sich jetzt ein Veredler, wie wir es sind, in der Wertschöp­fungskette zwischenschaltet – das war für damalige Zeiten sehr ungewöhnlich.“

Initialzündung Almochs

Heute ist der Grauvieh­ Alm­ochs das Erfolgsprojekt. Hört­nagl veredelt und vermarktet rund 400 Almochsen pro Saison. „Das ist eine für Tiroler Verhält­nisse stattliche Zahl“, so Plattner. Das gestiegene gegenseitige Ver­ständnis und das immer stärker werdende Bewusstsein für regi­onale Kreisläufe seien mitver­antwortlich für das tolle Ergeb­nis. Auch wüssten und akzep­tierten die Konsumenten heute, dass nicht immer alles auf Knopfdruck verfügbar ist und es hochwertiges Fleisch von den Almen nur saisonal und in be­stimmten Mengen gibt. Dieses Projekt war für Hört­ nagl und die Tiroler Almbauern die Initialzündung. Im Laufe der letzten Jahre hat Hörtnagl selbst aber auch weitere Veredler und vor allem der Lebensmittelhan­del gemeinsam mit der Agrar­marketing Tirol regionale Fleischvermarktungsprojekte gestartet. Bei MPREIS etwa ist es der Tiroler Jahrling, bei SPAR die Tiroler Kalbin und das Tiroler Almrind. Verarbeitet und regio­nal verkauft wird das Almrind mit Tiroler Herkunftsgarantie im TANN­ Frischfleisch­Produk­tionsbetrieb in Wörgl. Damit aber ein solches Pro­jekt wie das Tiroler Almrind überhaupt auf Schiene kommen kann, braucht es regionale Part­ner. „Durch die gute Zusammen­arbeit mit der Rinderzucht Tirol, dem Landeskulturfonds und SPAR Tirol als Vermarktungs­partner wurde es möglich, ein so tolles Produkt mit Tiroler Ursprungsgarantie anbieten zu können“, erklärt Matthias Pöschl, Geschäftsführer der Agrarmarketing Tirol dazu.

Vom Rind zum Schwein

Mit der Agrarmarketing Tirol hat Hörtnagl übrigens ein weiteres Fleischprojekt gestar­tet: das „Tiroler Almschwein“. Nach einem steinigen Anfang ist auch dieses mittlerweile zu ei­ nem Erfolgsprojekt geworden, wie Plattner erzählt. Zum einen habe dem Schwein das Label „Billigprodukt“ angehaftet, zum anderen habe die Schweinwirt­ schaft auf Tirols Almen vor sich hingeschlummert. Aus diesem Schlaf konnte Hörtnagl inzwi­schen 15 Almenbauern erwecken und ihnen das „Produkt Alm­schwein entlocken“, wie es Hans Plattner sehr diplomatisch er­zählt. Das Almschwein ist ledig­lich sechs Wochen im Jahr ver­fügbar, biete eine tolle Qualität und ist im Premium­-Bereich angesiedelt. „Wir sind nicht in der Lage, die große Nachfrage zu bedienen“, so Plattner. Aber das sei auch nicht Sinn der Sache. Um die regionalen Kreisläufe zu stärken, zahlt Hörtnagl den Almbauern einen weit höheren Preis als marktüblich. Und für die Konsumenten und Gäste sei es gut zu wissen, dass die Alm, auf der das Tier aufgewachsen ist, einen Namen hat.

Projekt Almkulinarik

Tirol ist mit über 2.000 Al­ men Österreichs Almland Num­mer eins. Im Bundesvergleich hat Tirol mit über 120.000 Hektar sogar fast doppelt so viel Almfut­terfläche wie das zweitplatzierte Salzburg. 75 % der österreichi­schen Almmilch stammt aus Tirol. Mehr als 100.000 Tiere ver­bringen ihren Sommer jährlich auf den Almen. Und deshalb soll jetzt auch dem Trend zu regiona­len und nachhaltig produzierten Produkten Rechnung getragen werden. Um diese enorme Stärke der Marke Tirol zu bündeln, wur­de im Oktober 2018 die Lebens­ raum Tirol Holding geschaffen. Diese vereint Tirol Werbung, Agrarmarketing Tirol und Standortagentur Tirol unter ei­nem Dach. Jetzt wurde auf der Schlickeralm von Landeshaupt­ mann Platter das erste Projekt der Holding vorgestellt.
Das „Almkulinarik“­-Projekt sieht vier konkrete Maßnah­men zur Weiterentwicklung der Tiroler Almen als Erholungs­ und Wirtschaftsraum und stär­keren Positionierung von regi­onalen und nachhaltig produ­zierten Produkten vor:
Das seit 2011 bestehende Projekt „Almleben“ der Agrar­ marketing Tirol wird fortge­ setzt. Schon jetzt profitieren die 50 teilnehmenden Partneralmen von der gesammelten Expertise der Agrarmarketing Tirol in Form von Produktentwicklung, Vermarktungsstrategien sowie Teilhabe an Werbekampagnen.
„Tiroler Almkäse“ soll mit geschützter Ursprungsbezeich­nung als Premium­-Produkt auf den Markt kommen. Dazu betei­ligt sich das Land Tirol an der Errichtung des „Tiroler Felsen­kellers“. Mit acht Kleinsennerei­ en gibt es auch bereits eine Ge­meinschaft zur Realisierung des Vorhabens. Damit soll eine Pre­mium­-Produktlinie geschaffen werden, die sich auch außerhalb Tirols einen Namen machen soll.
In Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck und der FH Kufstein wird ein grundle­gendes Konzept zum Thema „Erlebnisalm“ entwickelt. Almen sollen dadurch zu einem Ort werden, an dem jede Generation, vor allem aber Kinder und Ju­gendliche, eigene positive Erfah­rungen mit sämtlichen Aspek­ten des Themas Almwirtschaft machen können. Das können Erlebnisse in der Schausennerei ebenso sein wie im Stall.
Tirol Werbung hat eine Wer­bekampagne rund um Almwirt­schaft und Kulinarik konzipiert. Unter dem Titel „Kulinarische Wanderungen“ werden auf den Hauptmärkten (Ö, D, CH, I, F, B & NL) lukullische Erlebnisse in den Bergen und Almen mit ei­gener Produktion kommuni­ziert. Zusätzlich werden in Zu­sammenarbeit mit den Tiroler Tourismusverbänden und den Tiroler Seilbahnen Gäste wie Einheimische mit einer Infor­mationskampagne zum richti­gen Verhalten auf Almen sensi­bilisiert.

Autor/in:
Barbara Egger
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