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Die Lehrlinge Patrick Schwarzenauer und Emanuel Walder (v. l.) sind über ihre Berufswahl sehr glücklich

Respekt fürs Endprodukt

14.03.2012

In der Berufsschule St. Nikolaus in Innsbruck spielen Leidenschaft und Herzblut eine große Rolle

Da hascht oan fach a Freid, wenn des was Guads wearscht", begründet Patrick Schwarzenauer seine Berufswahl. Der 16-Jährige aus dem Tiroler Unterland hat die Hauptschule in Langkampfen in der Nähe von Wörgl besucht. Die Schulzeit war ihm eher ein Gräuel. Doch jetzt sieht die Welt ganz anders aus.

Von Barbara Egger (Text & Fotos)

Patrick hat bei der Biometzgerei Juffinger in Thiersee eine Lehre als Fleischverarbeiter begonnen und fühlt sich am Arbeitsplatz genauso wie in der Berufsschule in Innsbruck sehr wohl. „Wir haben daheim in Langkampfen einen Bauernhof. Da habe ich schon sehr früh einen Einblick bekommen." Am meis­ten gefällt Patrick an seinem Beruf das „Handwerkliche, das Produktive" und „eben das Produkt, das am Ende dabei rauskommt."

„Ästhetischer Beruf"

Eine Einstellung, die Berufsschullehrer Karl Obermoser seinen Schülern stets zu vermitteln versucht. „Unserem Berufsbild haftet das Image der Massentierhaltung, der Schlachtung und Blut an. Aber das Gegenteil ist der Fall. Der Fleischverarbeiter ist ein schöner, ästhetischer Beruf, ein Handwerk dessen Endprodukt Respekt erzeugt." Obermoser, der die Pädagogische Hochschule in Innsbruck sowie die Meisterprüfung, Unternehmerprüfung und Lehrlingsausbildungsprüfung absolviert hat, unterricht seit etwa neun Jahren an der Tiroler Fachberufsschule (TFBS) im Innsbrucker Stadtteil St. Nikolaus. „Aller Anfang ist schwer, so auch bei uns in den ersten Klassen. Die Schüler müssen sich erst umstellen." In der zweiten und dritten Klasse aber sei das Unterrichten eine große Freude. „Die Schüler erkennen, was sie in der Lage sind zu leisten und welche großartigen, hochwertigen Produkte sie herstellen. Und wenn das Ganze dann auch noch von Herzen kommt, steht einer erfolgreichen Berufslaufbahn nichts mehr im Wege."

DLG-Medaillen

Beim Lokalaugenschein der Fleischerzeitung unterrichten Karl Obermoser und „Lehrer-Urgestein" Richard Kirchler eine erste Klasse mit achtzehn Schülern. Unterstützt werden die beiden Berufsschullehrer von Herbert Schwaiger, der vorwiegend die Bundeslehrlingswettbewerbe begleitet und die Teilnahme an den DLG-Bewerben organisiert.

Beim DLG-Wettbewerb 2011 fuhr die Tiroler Fachberufsschule der Fleischverarbeiter übrigens mit drei goldenen und drei silbernen DLG-Medaillen nach Hause. Insgesamt besuchen 80 bis 100 Lehrlinge pro Jahr die Berufsschule der Fleischverarbeiter in Innsbruck. „Wir richten pro Jahr vier neunwöchige Lehrgänge aus. Die Teilnehmerzahl liegt bei 20 bis 25 Lehrlingen." Die Teilnehmer kommen aus ganz Tirol. Es sind Schüler aus Hauptschulen und Polytechnischen Lehrgängen. Aber auch Quereinsteiger aus den Tiroler Landwirtschaftlichen Lehranstalten (LLA) Imst, Rotholz und Lienz. Diese Schüler verfügen nach Abschluss der Landwirtschaftsschule und der Fleischverarbeiterlehre über zwei volle Berufsausbildungen, einmal als Landwirt und einmal als Fleischer.

Einer davon ist Emanuel Walder. Der 19-jährige hat die LLA Lienz absolviert und befindet sich nun im ersten Lehrjahr als Fleischverarbeiter. „Ich habe mir immer schon gewünscht, Metzger zu werden. Von klein auf wollte ich nie etwas anderes." Emanuels Familie bewirtschaftet in Strassen in Osttirol einen Bauernhof. „Mein Vater ist Landwirt und Metzger. Ich bin mit dem Leben am Bauernhof und mit den Tieren vertraut." Anwenden will Emanuel seine Kenntnisse später im Rahmen der Direktvermarktung am elterlichen Bauernhof.

„Zuspruch steigt"

Beim Besuch der Fleischerzeitung sind die Schüler gerade dabei, sich praktische und theoretische Kenntnisse anzueignen. Dazu wird die Gruppe geteilt. Gemeinsam mit Berufsschullehrer Karl Obermoser produziert eine Gruppe in der Lehrmetzgerei im Erdgeschoß der Schule Tiroler Hauswürste. Die zweite Gruppe, die Lehrer Richard Kirchler anvertraut ist, büffelt im Klassenzimmer im zweiten Stock Theorie über Tier- und Fleischkunde. Über die Schülerzahlen kann das Lehrerteam nicht klagen. „Ich habe das Gefühl, dass der Zuspruch für unseren Beruf sogar steigt ", sagt Obermoser. Der Pädagoge führt das Interesse für den Beruf des Fleischverarbeiters u. a. auch auf die starke regionale Ausrichtung der Tiroler Landwirtschaft und des Tiroler Handels zurück. „Das Bewusstsein für Regionalität ist stark gestiegen. Da braucht es auch Fachkräfte, die imstande sind Lebensmittel zu veredeln."

Um für den Beruf des Fleischverarbeiters gerüstet zu sein, stehen Fächer wie Zerlegen, Wurst- und Schinkenproduktion, Kalte Platte, Fleischplatte und Thekengestaltung auf dem Stundenplan. Gefragt nach seinem Unterrichtsstil antwortet Karl Obermoser: „Streng und korrekt, hart, aber herzlich."

Apropos herzlich: Ende Jänner endete der Meisterprüfungskurs. Sechs neue Tiroler Fleischermeister haben die Prüfung unter Vorsitzenden Andreas Wimpissinger erfolgreich absolviert. Die Fleischerzeitung gratuliert herzlich!

Autor/in:
Redaktion.Fleischerzeitung
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