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Amtsübergabe beim Vorarlberger Metzgerverband: Wolfgang Ochsenreiter (l.) geht in Pension, Mag. Günter Suppan übernimmt die Geschäftsführung

Vorarlberger Metzgerverband: Wachablöse im Ländle

21.12.2018

Beim Vorarlberger Metzgerverband geht eine Ära zu Ende: Mag. Günter Suppan folgt auf Wolfgang Ochsenreiter, der seinen Ruhestand antritt. 

Zwölf Jahre hat Wolfgang Ochsenreiter den Vorarlberger Metzgerverband erfolgreich durch stürmische Zeiten geführt und zu einem florierenden und erfolgreichen Unternehmen transformiert. Das war nicht immer so: Als Ochsenreiter im April 2006 das Ruder übernahm, steckte die Genossenschaft in tiefroten Zahlen. Mit klugen Kooperationen und strategischen Entscheidungen ist es ihm gelungen, den Verband wieder auf Vordermann zu bringen. Sein Nachfolger Mag. Günter Suppan ist Betriebswirt und Käsesommelier und hat langjährige Erfahrungen in der Lebensmittelbranche.

Wir baten die beiden Manager aus diesem Anlass zum Interview: 

Herr Ochsenreiter, welches waren Ihre größten Herausforderungen in den letzten zwölf Jahren? 
Wolfgang Ochsenreiter: 
Zweifelsohne die tiefroten Zahlen zu Beginn meiner Tätigkeit. Das war eine große Herausforderung, die sich nicht alleine durch das Ausschöpfen aller möglichen Einsparungspotenziale bewältigen ließ. Durch meine langjährige Tätigkeit im Vorarlberger Metzgerverband hatte ich jedoch beste Kontakte zu anderen Genossenschaften in Deutschland geknüpft. Das hat es mir ermöglicht, neue, lukrative Geschäftsfelder zu erschließen. So beliefern wir heute Gastronomen und Bäcker, nehmen an gemeinsamen Fachmessen wie der FAMEBA oder dem Stern des Südens teil. Diese neuen Abnehmergruppen machen mittlerweile einen Umsatzanteil von mehr als einem Drittel aus. Die restlichen zwei Drittel des Umsatzes erzielen wir mit Fleischern und Direktvermarktern. 

Damit ist es Ihnen gelungen, das Steuer herumzureißen?
Wolfgang Ochsenreiter: Ja, wir schreiben seit Jahren kontinuierlich schwarze Zahlen. Die Entwicklung ist ausgesprochen positiv. Es ist mir in den letzten Jahren dadurch auch gelungen, den Investitionsrückstau sukzessiv abzubauen, der zu Beginn meiner Geschäftsführertätigkeit zweifelsohne vorhanden war. So haben wir die EDV im Unternehmen und die Infrastruktur generalerneuert. 2014 erfolgte dann noch die Sanierung des gesamten Gebäudes. Unser Fuhrpark ist top-modern, wir betreiben drei LKWs und drei Liefer-PKWs und beschäftigen 14 Mitarbeiter. 

Das hört sich wirklich nach einer ungetrübten Managerbilanz an! 
Wolfgang Ochsenreiter: Einen Wermutstropfen gibt es doch: Wir mussten das Häute- und Felllager aufgrund des Preisverfalls aufgeben. Ursprünglich sind wir ja als Häute- und Felleinkaufsgenossenschaft gegründet worden. Das ist leider vorbei. Die Wettbewerbssituation auf diesem umkämpften Markt hat die Preise so ruiniert, dass wir uns entschieden haben, 2017 unser Lager zu vermieten. Dadurch lukrieren wir wenigstens die Mieteinnahmen. 

Welche Herausforderungen kommen auf den Vorarlberger Metzgerverband aus Ihrer Sicht in der nahen Zukunft zu? 
Wolfgang Ochsenreiter: 
Wir müssen die Intensität der Kundenkontakte weiter steigern, neue Kunden dazugewinnen und, aus meiner Sicht absolut notwendig, den Schweizer Markt angehen. Das ist aber die Aufgabe meines Nachfolgers Günter Suppan, der sicherlich das Zeug dazu hat, die Zukunft des Unternehmens er- folgreich zu gestalten und dem ich dafür alles Gute wünsche. 

Herr Suppan, Sie übernehmen einen gesunden Vorarlberger Metzgerverband. Schlechtes Vorzeichen? 
Günter Suppan: 
Das stimmt. Wolfgang Ochsenreiter hat den Vorarlberger Metzgerverband in den letzten Jahren absolut zukunftstauglich gemacht und übergibt mir ein wohlbestelltes Haus. So haben wir eine Eigenkapitalquote von 70 Prozent. Aktuell befinde ich mich in einer intensiven Einführungs- bzw. Einschulungsphase. Wolfgang und ich kommunizieren sehr viel, was die administrativen Abläufe betrifft. Ich lerne gerade die Mitarbeiter, die Strukturen und die „Genossen“ aus den anderen Verbänden kennen, um mir mein eigenes Netzwerk aufzubauen. 

Was sind Ihre vordringlichsten Schritte?
Günter Suppan: Es gilt, das Gute zu bewahren und weiter auszubauen. So hat der Bäckerbereich aus meiner Sicht sehr viel Entwicklungspotenzial, weil wir erst zwei Drittel der rund 120 Vorarlberger Bäckerbetriebe zu unseren Kunden zählen dürfen. Da haben wir Steigerungschancen. Unsere große Vision ist die bereits von Wolfgang Ochsenreiter angesprochene Expansion in die deutschsprachige Ostschweiz. Ein schwieriges Unterfangen, weil die Schweizer Fleischer und Bäcker ein durchaus patriotisches Einkaufsverhalten pflegen. Der Preis ist eher sekundär. Deshalb denken wir bereits über eine Niederlassung in der Schweiz nach, weil das unsere Aussichten wesentlich verbessern würde. Weiters wollen wir bei den Kunden auch im schwierigen Geschäftsfeld des Maschinenverkaufs künftig mit einem eigenen Serviceangebot punkten. Dafür werden wir die Dienste unserer Ravensburger Genossen in Anspruch nehmen. 


Vorarlberger Metzgerverband reg.Gen.m.b.H.
Schweizer Straße 66
6845 Hohenems/Österreich
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F 05576 / 751 84-9
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