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Qualität und Frische sind für die Befragten die wichtigsten Kriterien bei Lebensmitteln. Gefolgt von der Sicherheit bei Lebensmitteln und der Gentechnikfreiheit. Die Herkunft von Lebensmitteln, Nachhaltigkeit, Regionalität und Saisonalität liegen in der Wichtigkeit vor biologischen Lebensmitteln.

Gentechnik, verseuchte Lebensmittel & Co - die Ängste der Österreicher

11.03.2019

Soziale Ungleichheit, Klimawandel und Umweltverschmutzung beunruhigen die Österreicherinnen und Österreicher besonders. Frauen sind besorgter als Männer, insbesondere bei Lebensmittelsicherheit sowie bei Ernährungsqualität und Ernährungsversorgung. Die AGES präsentiert den Risikobarometer 2018. 

2017 wurde von der AGES gemeinsam mit dem Risikodialog (Initiative von Umweltbundesamt und Ö1) der Risikobarometer Umwelt & Gesundheit etabliert. Dabei handelt sich um eine periodisch durchgeführte Erhebung in der österreichischen Bevölkerung mit jahresspezifischen Schwerpunkten zur Risikowahrnehmung. Schwerpunkt des Risikobarometers 2018 waren die Themen Lebensmittel, Lebensmittelsicherheit und Umweltverschmutzung. 

Wie auch schon im Risikobarometer 2017 beunruhigen besonders die Themen soziale Ungleichheit, Klimawandel und Umweltverschmutzung. Zugenommen hat die Besorgnis bei der sozialen Ungleichheit, Umweltverschmutzung, Klimawandel, Energieversorgung und Digitalisierung. Abgenommen hat die Besorgnis im Bereich Gentechnik, Datenschutz, Ernährungsqualität, Ernährungsversorgung und Lebensmittelsicherheit. Die Unterschiede in der Risikowahrnehmung zwischen Frauen und Männern wurden wieder bestätigt: Frauen sind bei allen Themen beunruhigter. Besonders groß ist der geschlechtsspezifische Unterschied bei der Lebensmittelsicherheit sowie bei Ernährungsqualität und Ernährungsversorgung.

Risikothemen

Beim Thema Umweltverschmutzung beunruhigen vor allem die Wirkung von Pflanzenschutzmitteln auf die Umwelt, Abfallmengen und der Umgang mit Abfall genauso wie das Thema Flächenversiegelung und -verbrauch. Bis auf das Thema Bodenqualität kam es zu keiner Zunahme der Beunruhigung. Die durchschnittliche Besorgnis bei den Subthemen im Bereich Lebensmittel ist allerdings höher (65 % aller Befragten sind sehr besorgt) als bei den Subthemen im Bereich Umweltverschmutzung (56 % aller Befragten sind sehr besorgt).

Gentechnik, Chemie, giftige Zusatzstoffe, verseuchte Lebensmittel und Pestizide sind die Risiken, die die ÖsterreichInnen spontan am meisten in Bezug aus Lebensmittel beunruhigen. Besonders beunruhigt ist die österreichische Bevölkerung auf Nachfrage über Antibiotikarückstände in Lebensmitteln, Täuschung durch unrichtige Informationen und hormonähnliche Stoffe.

Qualität und Frische sind für die Befragten die wichtigsten Kriterien bei Lebensmitteln. Gefolgt von der Sicherheit bei Lebensmitteln und der Gentechnikfreiheit. Die Herkunft von Lebensmitteln, Nachhaltigkeit, Regionalität und Saisonalität liegen in der Wichtigkeit vor biologischen Lebensmitteln.

Generell hoch ist das Vertrauen der ÖsterreicherInnen in Gütesiegel und Kennzeichnungen auf Lebensmittelverpackungen. Bei den Gütesiegeln genießen Gütesiegel, die durch öffentliche Stellen vergeben werden und Bio-Gütesiegel das höchste Vertrauen, während man Gütesiegeln von Vereinen und NGOs am wenigsten vertraut, obwohl auch hier fast die Hälfte der Befragten diesen vertrauen. Den Angaben zum Mindesthaltbarkeitsdatum, zur Nährwertkennzeichnung und zur Zutatenliste auf Lebensmittelpackungen vertrauen rund zwei Drittel der Befragten.

Informationsquellen

In erster Linie nutzen die Befragten klassische Medien wie Fernsehen, Printmedien und Radio um sich über Risiken zu informieren. Aber auch Familie, Freunde und Bekannte sind eine beliebte Informationsquelle. Von den abgefragten Social-Media-Kanälen ist Facebook die bevorzugte Informationsquelle.

Die beliebteste Darstellungsform bei Risikothemen ist auch im Zeitalter der Digitalisierung immer noch die der gedruckten Information, in Form von Foldern, Berichten und Broschüren. Internetartikel nutzen über die Hälfte der Befragten bei ihrer Recherche, etwas mehr als ein Drittel visuelle Darstellungen wie Grafiken oder Fotos und knapp ein Viertel Videos.

Risikoverhalten

Die Bereitschaft, das eigene Verhalten nach dem Lesen von Risikoberichten zu ändern, steigt stetig an. Knapp zwei Drittel der ÖsterreicherInnen ändern nach eigenen Angaben ihre Gewohnheiten zumindest kurzfristig, wenn sie Berichte über mögliche Risiken verfolgt haben, ein Drittel tut dies dauerhaft. Der Anteil an Befragten, die sich sorgen, aber nichts unternehmen, ist im Vergleich zu 2017 gesunken.

Risikotypen: von den Jungen bis zur Generation 65+

Um ein genaueres Bild der österreichischen Bevölkerung in Bezug auf Risikowahrnehmung und –verhalten zu erhalten, wurden verschiedene Risikotypen nach vier Altersklassen, getrennt nach Geschlecht, eingeteilt. Die spezifische Auswertung nach Alter und Geschlecht zeigt Unterschiede in der Risikowahrnehmung, der Nutzung von Informationsquellen, aber auch im Verhalten nach dem Lesen von Berichten über Risiken.

So sind beispielsweise die männlichen Youngsters am wenigsten besorgt und die Generation 65+ am meisten. Das Lesen von Risikoberichten führt vorwiegend bei weiblichen Best-Agers und der Generation 65+ zu langfristigen Verhaltensänderungen. Die männlichen Youngsters ignorieren Risikoberichte am häufigsten. Diese Ergebnisse dienen vor allem als Basis für zukünftige zielgruppenspezifische Risikokommunikation und -information.

Schlussfolgerungen für die Risikokommunikation

Die Tatsache, dass die Bereitschaft das eigene Verhalten nach dem Lesen von Risikoberichten zu ändern, stetig ansteigt, deutet darauf hin, dass die Berichte von der österreichischen Bevölkerung immer ernster genommen werden. Ein vermehrtes Angebot an zielgruppenspezifischen KonsumentInnentipps kann dazu beitragen, dass die Veränderungen nicht nur kurzfristig, sondern auch vermehrt dauerhaft vorgenommen werden. Da die klassischen Medien wie Fernsehen, Printmedien und Radio immer noch beliebte Informationsquellen sind, will die AGES Kooperationen mit JournalistInnen als wichtige MeinungsmultiplikatorInnen künftig noch weiter ausbauen.

Autorin: AGES, Univ.-Doz. Dr. Ingrid Kiefer

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