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Jennifer und Florian Salchenegger bei der Zehn-Jahr-Feier der Bettel-Alm.

10 Jahre Bettelalm: Am Gipfel von Wien

03.10.2018

Mit Energie, Ideen, Zusammenhalt und der richtigen Firmenkultur kommt auch der Erfolg: Seit zehn Jahren gibt es die Bettel-Alm in der Wiener Innenstadt. Ein Porträt. 

Hoch die Hände, nicht nur am Wochenende – auch unter der Woche geht in der Alm immer wieder die Post ab – dank verschiedener Themenabende.
Bettel-Alm

Zum Gastro-Reich der Familie Salchenegger gehören neben der Bettel-Alm und dem Bettelstudent auch noch das Krah Krah im Bermudadreieck sowie das Mundart. Jennifer Salcheneggers Onkel Kurt führt u. a. das Bermuda Bräu, ihr Onkel Heinz das Meisel am Meiselmarkt.

Jennifer Salchenegger lehnt sich zurück, schiebt ihre blonden Haare hinter die Ohren und wirkt einfach nur zufrieden. Seit zehn Jahren gibt es die Bettel-Alm in der Wiener Innenstadt bereits. Und vermutlich hätten damals nicht viele Experten oder jene, die sich dafür halten, dem Projekt große Überlebenschancen vorhergesagt. Skihüttenflair in der Wiener Innenstadt? Après-Ski und Almfeeling? Nie im Leben!
Dass es anders gekommen ist und die Bettel-Alm heute ein Fixpunkt im Wiener Nachtleben ist, hat vielleicht auch mit Glück zu tun. In erster Linie ist es aber unternehmerisches Geschick. 

Start in Salzburg

Jennifer Salchenegger ist heute Geschäftsführerin der Bettel-Alm und des Bettelstudenten in der Wiener Johannesgasse. Sie hat die beiden Betriebe im Jahr 2015 gemeinsam mit ihrem Mann Florian von ihrem Vater übernommen. Das Unternehmertum scheint sie mit der Muttermilch mitbekommen zu haben. Ihre Eltern Werner und Christine, er Steirer, sie Burgenländerin, haben in Salzburg zunächst eine Jugendherberge und später ein Hotel geführt. Und weil es nie verkehrt ist, sich ein weiteres Standbein zuzulegen, haben die Salcheneggers 1986, gemeinsam mit einem Geschäftspartner, das damals bereits legendäre Dubrovnik in Wien übernommen. 1988 kam Sepp Fischers Krah Krah dazu – das Lokal führt bis heute Christine Salchenegger – und 1993 der Bettelstudent. 

Von 1990 bis 2000 pachtete die Familie außerdem das Ofenloch in der Wiener Kurrentgasse. Damals wurde auch das Dubrovnik einem Relaunch unterzogen und komplett renoviert. 1998 gesellte sich noch das Bermuda Bräu am Rabensteig dazu. „Das war sozusagen die Wiege der Bettel-Alm“, sagt Jennifer Salchenegger im Gespräch mit der ÖGZ. 
Wir erinnern uns: Im Keller des Lokals wurde damals eine Schnapsbrennerei installiert, die Location entwickelte sich nach und nach „zur Partyhütte im Après-Ski-Stil“. Der unerwartet große Erfolg der Schnapsbrennerei animierte ihren Vater dazu, eine „Alm“ in Wien zu machen – die Idee dazu geisterte schon lange in ihm herum. Was aber noch fehlte, war eine Location. Bis 2006 führte ihr Onkel den Bettelstudent, dann übernahm ihr Vater das Ruder. 

Alm statt Anne

„Damals ist der Hausherr an meinen Vater herangetreten und hat ihm die Räumlichkeiten des Queen Anne angeboten“, sagt Salchenegger. Nach dem Motto „Probieren geht über studieren“ wurde schließlich aus dem legendären Queen Anne im Jahr 2008 die Bettel-Alm. „Mit zunächst minimalem Aufwand“, wie die Geschäftsführerin heute betont. Die Erwartungen an das Projekt waren vor der Eröffnung, wie eingangs erwähnt, nicht besonders hoch. Es kam aber anders, der Erfolg war umwerfend, das Lokal täglich brechend voll und stets an der Kapazitätsgrenze. 
Das weckte klarerweise Begehrlichkeiten. Mit der Bettelalm am Lugeck wurde zunächst eine weitere Filiale eröffnet, die aber durch einen klagefreudigen Anrainer beinahe in den Ruin getrieben wurde. Das Lokal gibt es zwar noch, gehört aber nicht mehr mehrheitlich den Salcheneggers. 

Andere Nachahmer, die auf den Après-Ski-Almhütten-Zug aufgesprungen sind, gab und gibt es natürlich auch. Man denke nur an die gescheiterte „Bergstation Tirol” im Künstlerhaus. Diese Nachahmer – ob erfolgreich oder nicht – bekommt natürlich auch die Bettel-Alm zu spüren: „Jede Laus zwickt di“, sagt die Chefin. Authentisch seien die meisten Nachahmer aber nicht, ihnen fehle ein klares Profil und eine Linie. 
Als „Mutter dieser Idee“ sei man allerdings in der angenehmen Lage, ein wenig über den Dingen zu stehen. „Denn wenn bei der derzeit laufenden Wiener Wiesn Sperrstunde ist, geht man klarerweise nachher in die Bettel-Alm.“ 
Langweilig wird den Salcheneggers aber nicht, im Herbst steht ein neues Großprojekt an, das „Winter & Ski Opening“ Marxer Alm in Wien: Die Rinderhalle wird im November Schauplatz eines mehrtägigen, großen Wiener Winter-&-Ski-Openings. Die Bettel-Alm wird den dreitägigen Event – organisiert vom Echo Medienhaus und Salzburger Land Tourismus – mit DJ-Line-ups hosten und zur Partyzone machen. 
Ein weiterer Salchenegger-Betrieb, das „Mundart“, hat hingegen zu kämpfen. In der Johannesgasse, eingebettet zwischen Bettel-Alm und Bettelstudent, tut sich das hippe Lokal im Industrial Style etwas schwer mit seinen unmittelbaren „Konkurrenten“. Von den Salcheneggers gestaltet und mit Barkonzept von Kan Zuo (The Sign Lounge), sollte die fehlende Diversität des ehemaligen Bettel-Alm-Restaurants ausgeglichen werden. Das hat leider nicht wie erhofft funktioniert. Stattdessen ist ein neues Lokal geplant, darüber will Jennifer Salchenegger allerdings noch nichts sagen: „Top Secret.“

„Der DJ ist der Koch der Nacht.“
Jennifer Salchenegger

Sich öfter neu erfinden und auch andere Projekte mit Ehrgeiz angehen: Ist das der Weg zum Erfolg? Und hat sich das Geschäft über die Jahre verändert? „Auf jeden Fall“, sagt die Alm-chefin. Heute sei die Bettel-Alm zwar nicht mehr ganz so brechend voll wie in der Anfangszeit, aber trotzdem noch ein Hotspot. „Man muss mit seinem Konzept immer ans Herz gehen“, sagt Salchenegger. Aber nicht nur das, ebenso sei ein korrekter Umgang mit Behörden, Anrainern und Mitarbeitern essenziell. Personalfragen seien in ihren Betrieben zudem stets „Chefsache“, sie koordiniert den Dienstplan (es gibt dafür eine eigene WhatsApp-Gruppe), springt bei Engpässen ein und stellt sich auch an die Schank, wenn Not am Mann bzw. der Frau ist. In ihren Betrieben werden außerdem Lehrlinge ausgebildet – im Service, in der Küche und bald auch im Büro. 

Bei Helene musste er passen 

Ganz wesentlich sei bei einem Lokal wie der Bettel-Alm aber der Sound, die Musik. Mit Wolfgang Sauter (Firma Pro Performance) wurde ein Soundprofi engagiert, um im Hauptraum der Bettel-Alm ein „ultimatives Klangerlebnis“ zu kreieren. „Hüttengaudi darf auch ein Ohrenschmaus sein, und reiner, feiner Klang ist ein unmissverständliches Qualitätsmerkmal“, sagt Florian Salchenegger. Der ursprünglich aus der Elektronik-Szene (Flex, Sass, Das Werk, Grelle Forelle) bekannte Akustikspezialist stand in der Alm vor einer seiner größten Herausforderungen, lacht Jennifer: „Als ich ihn bei der Akustikdemonstration bat, Helene Fischer zu spielen, musste er passen.“
Apropos Musik: Anlässlich des Zehn-Jahr-Jubiläums haben die „Wilden Kaiser“ einen neuen Bettel-AlmSong komponiert: „Die Gipfel von Wien“. Dort wollen die Salcheneggers auch bleiben. Am besten für immer.

Autor/in:
Alexander Grübling
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