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Der Retro-Chic der Aida kommt auch bei jüngeren Generationen gut an.

Aida: Verstaubt oder Retro-Chic?

25.02.2016

Während viele Wiener Kaffeehäuser an Beliebtbheit verlieren und ihr Angebot überdenken müssen, expandiert das Aida-System weltweit.

Die vielgepriesene Wiener Kaffeehauskultur wird ihrem Ruf nicht mehr gerecht. Seit sich die Nebelschwaden durch die Rauchverbote gelichtet haben, zeichnet sich ein klares, aber oft tristes Bild ab: Die Kaffeequalität kann in vielen Fällen mit jener der sogenannten Third Wave Coffee Bars nicht mithalten, der Craft-Beer-Trend ist noch immer nicht angekommen, dafür gilt der Schinken-Käse-Toast als Bank auf der Speisekarte. Wen wundert’s da, dass viele alteingesessene Betriebe in Schwierigkeiten kommen?

Das wurde nicht erst durch den Skandal rund um das Café Weimar offenbar. Jedes vierte Kaffeehaus wechselt jährlich seinen Besitzer. Die Begründung lautet dann oft: immer höhere Mieten, steigende Personalkosten und immer mehr behördliche Auflagen. Mit diesen Problemen haben zwar auch die übrigen Gastronomen zu kämpfen. Trotzdem treffe es die traditionellen Kaffeehäuser besonders schwer. 

Ein Umdenken ist jetzt dennoch bemerkbar. Einzelne Betriebe haben erkannt, dass Tradition allein nicht mehr ausreicht, und hinterfragen nun ihr komplettes gastronomisches Angebot. Verbesserung der Kaffeequalität, Professionalisierung des übrigen Getränkeangebots und Ausweitung der Speisekarte etwa in Richtung vegetarisch bzw. vegan sind Problemlösungsansätze. Was bei Gästen gut oder schlecht ankommt, ließe sich zudem leicht auf Internetseiten wie Pinterest oder Tripadvisor recherchieren. 

Totgesagte leben länger

Ein baldiges Ende wurde immer wieder der Aida prophezeit. Doch der Retro-Chic der traditionsreichen Filialkette scheint auch bei Jüngeren gut anzukommen. Und die Mischung aus Konditorei und Café passt für Omas ebenso wie für Jungmütter. Nach einem Abrutschen in die Verlustzone im Jahr 2011 schreibt Aida jedenfalls seit längerem wieder Gewinne.

In Österreich gibt es derzeit 30 Aida-Standorte, im Ausland sieben Franchisenehmer. Jetzt will das Unternehmen stark expandieren. Im deutschsprachigen Raum seien „ein paar hundert Filialen“ möglich, sagt Konzernchef Dominik Prousek. Darüber hinaus erfolge heuer im Juli der Markteinstieg in Katar, in Kasachstan sei ein weiteres Kaffeehaus geplant, ebenso in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Positiv denken scheint ein Leitmotiv zu sein. Auch die vielerorts kritisierte Registrierkassenpflicht ist für Prousek kein Problem: „Wir rechnen dadurch sogar mit weniger Schwund“, so der Aida-Chef.    

Autor/in:
Max Pohl
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