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Alkopops stehen jetzt am Pranger

13.09.2004

Die große Sorge um die Lebensweise von Jugendlichen und deren alkoholische Verführung macht seit einigen Tagen heftige Schlagzeilen. Im Visier stehen vor allem die fruchtigen Mischgetränke aus Limonade und Spirituosen, auch Alkopops genannt.

Bis zu acht Flaschen sollen die Jugendlichen bei Clubbings hinunterkippen, was laut Aussagen bis zu vierzehn Schnäpsen entspricht. Die Wiener ÖVP fordert daher Maßnahmen gegen die Mixgetränke. Deutliche Warnhinweise über die Auswirkungen (wie bei Zigarettenschachteln), sichtbare Etiketten mit dem Alkoholgehalt und Verkaufsverbote sollen die österreichischen Jugendlichen vor dem Griff zur Flasche schützen. Auch eine Sondersteuer wie in Deutschland, Frankreich und der Schweiz ist für die Politiker denkbar.

Auch die niederösterreichische Jugendlandesrätin Mag. Johanna Mikl-Leitner sieht die Gefahr von Alkohol und Nikotin bei Jugendlichen durch die Alkopops verstärkt. Für sie ist eine höhere Steuer bei den Mischgetränken vorstellbar. Noch einen Schritt weiter geht die Gesundheitssprecherin der Wiener Grünen Siegrid Pilz. Sie fordert eine Steuererhöhung auf alle Mixgetränke, auch auf solche, wo Wein und Bier vorkommen. Und zusätzlich wird gefordert, dass das Jugendschutzgesetz geändert wird. Der Verkauf an Jugendliche unter 18 Jahren soll verboten werden.
Wer saufen will, sauft
Von allen diesen Maßnahmen wäre natürlich auch die Gastronomie stark betroffen. Dr. Wolfgang Dorner, Sparten-Geschäftsführer der Tourismus- und Freizeitwirtschaft der Wirtschaftskammer Wien, hat zwar viel Verständnis, den Alkoholgenuss der Jugendlichen nicht ausufern zu lassen, ist aber davon überzeugt, dass stärkere Restriktionen noch nie etwas gebracht haben. „Alkohol wird bewusst getrunken, also wer saufen will, sauft.“ Über die politische Fantasielosigkeit, Probleme mit erhöhten Steuern abschaffen zu wollen, wundert sich KR Rudolf Rumpler, Fachgruppen-Obmann der Gastronomie der WK Niederösterreich. „Geld ist nicht die Lösung“, ist er überzeugt, „höhere Preise würden gar nichts ändern. Die Sondersteuer hilft nur dem Finanzminister, aber nicht den Jugendlichen und klingt nach einer Getränkesteuer von der Hintertüre.“
Auch KR August Oberndorfer, Spartenobmann der Tourismus- und Freizeitwirtschaft in Oberösterreich sieht nicht viel Sinn in den geforderten Maßnahmen: „Das Ganze wird nicht wirklich viel bringen. Wenn sich jemand betrinken will, wird er es auch trotz Kennzeichnung tun, oder auch wenn das Getränk etwas teuerer ist.“ Außerdem bemerkt er eine starke Tendenz zum „Vorglühen“. Viele, ob Jugendliche oder nicht, betrinken sich schon bevor sie weggehen und haben Hochprozentiges im Kofferraum.
Gegen ein Verkausverbot von so genannten Alkopops an über 16-jährige Youngsters haben sich mittlerweile auch die beiden Wiener Jugendanwälte Monika Pinterits und Anton Schmid ausgesprochen. Sie kritisieren eine sinnlose „Anlassgesetzgebung“. Immerhin sind Jugendliche über 16 Jahren strafmündig und haben die freie Wahl der Religion.
Strenge Kontrollen gefragt
Als sinnvolle Maßnahme sehen sie die strenge Kontrolle des bestehenden Jugendschutzgesetzes, wie es auch Fachgruppen-Obmann Rudolf Rumpler tut: „Wenn die Jugendschutzgesetze von allen eingehalten werden, auch von den Wald- und Wiesengastronomen mit ungewerblichem Alkoholausschank, gibt es diese Probleme nicht.“
Tatsache ist, dass die Problematik keine ganz neue ist. Auch früher wurden Getränke gemixt und der insgesamte Alkoholkonsum ist nicht gestiegen. Ganz im Gegenteil, der Konsum von Alkoholika ist rückläufig wie Bacardi-Geschäftsführer Dr. Peter Kefer berichtet. Interessant ist auch der von ihm genannte Jahresverbrauch pro Kopf und Nase: Der liegt beispielsweise bei Bier mit 275 Flaschen, zum Vergleich zu Alkopops mit 5 Flaschen. Außerdem hat man seitens Bacardi immer darauf geachtet, dass die Produkte nicht bei Minderjährigen beworben werden, die Produkte zwecks Beschränkung ziemlich teuer verkauft und auf den neuen Bacardi Breezer-Flaschen werden Hinweise der gesetzlichen Altersbeschränkung angebracht sein.

Sehen Sie dazu die aktuelle Umfrage auf www.gast.at

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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