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Aller Anfang ist sehr schwer

11.04.2003

Systematisches Bekanntmachen mit Betrieb und Job. Stellen Sie sich vor, Sie werden in ein Auto mit allen Raffinessen gesetzt und keiner erklärt Ihnen welcher Knopf welche Reaktion auslöst! Sie würden sich die Bedienung mühsam erarbeiten müssen und vielleicht auch Lehrgeld zahlen. Ihr Betrieb ist ein sehr kompliziertes Gebilde aus Menschen, Einrichtungen, Maschinen und Produkten. Hier darf ein neuer Assistent nicht einfach an seinen Arbeitsplatz gebracht werden und dann ab sofort seine Leistung zu bringen. Es heißt koordinieren, sorgfältig mit dem Mitarbeiter umgehen und ihn in seine Arbeitsstätte einführen.

Der menschliche Aspekt. Jeder, oder fast jeder, der in einem neuen Betrieb beginnt, hat das Bestreben erfolgreich zu sein und wird am ersten Tag mit einer gehörigen Portion Aufregung zur Arbeit kommen. Setzen Sie den Arbeitsbeginn deshalb so fest, dass es nicht gerade „Halleluja“ spielt in Ihrem Unternehmen. Ein schwaches Geschäft zum Anfang erleichtert den Einstieg, ein „Mordsgeschäft“ erschwert den Beginn. Zeigen Sie dem neuen Mitarbeiter, dass man bei Ihnen mit einer sicheren Gelassenheit an die Arbeit geht und wie wichtig es Ihnen ist, dass er sich wohl fühlt. Eine Tasse Kaffee, ein freundliches Gespräch, eine kurze Führung durch die wichtigsten Teile des Unternehmens und ein kurzes Vorstellen bei den Kollegen, die sich gerade im Dienst befinden, helfen beim Einstieg. Danach wird der „Neue“ einem langjährigen, loyalen Mitarbeiter zugeteilt, der ihn am Arbeitsplatz einführt.
Der fachliche Aspekt. Wir alle, die wir im Gastgewerbe groß geworden sind, wissen, dass es einen Standard gibt, aber auch, dass Abweichungen vorkommen. Machen Sie daher Ihren neuen Mitarbeiter mit Ihren „Spezialitäten“ vertraut, zeigen Sie ihm, wie man bei Ihnen beispielsweise Räucherlachs und Graved Lachs schneidet, wie bei Ihnen die Suppe geklärt wird, wie man bei Ihnen den Wein vor dem Gast öffnet und wie man bei Ihnen mit Klagen eines Gastes umgeht. Keiner kann erahnen, wie Sie es wünschen. Man muß es vorzeigen und vorleben, aber auch strikt kontrollieren, ob Ihre Vorgaben eingehalten werden.

Die Administration der Einführung. Der gute Chef hat alles im Griff, trotzdem sollte er sich nicht nur auf sein Gedächtnis verlas-
sen. Legen Sie sich eine Liste an, was Sie dem „Neuen“ weitergeben möchten. Kleidungsvorschriften weiter gegeben? Abhaken, wenn
Sie es getan haben. Mit dem Verhalten im Brandfall vertraut gemacht? Ein Kreuzerl machen, wenn er es weiß. Über das Reglement der Mitarbeiterkonsumation gesprochen? Notieren Sie, dass er davon Bescheid weiß. Und, lassen Sie den neuen Mitarbeiter unterschreiben, dass er diese Punkte erklärt bekommen hat. In einigen Fällen, werden Sie diese Formulare auch in serbo-kroatisch und türkisch auflegen müssen.

Der schlecht eingeführte Mitarbeiter. Es wurde schon in einer früheren Personal-Serie darüber geschrieben – es kann aber nicht oft genug darüber informiert werden: Was geschieht mit einem neuen Angestellten, der nicht optimal im Betrieb aufgenommen wird? Die erste Phase ist die des guten Willens. Die zweite Stufe ist die Verunsicherung. Die dritte Phase ist die Aggression, weil er wollte, man ihm aber nicht geholfen hat. Und der Schluss wäre, dass er teilnahmslos wird und die innere Kündigung ausspricht. Wenn man berücksichtigt, wieviel Geld und Aufwand die Suche eines neuen Mitarbeiters kostet, wird klar, wieviel Zeit man für die ordentliche Einführung erübrigen sollte!

Das Wichtigste in Kürze:
• Den Arbeitsbeginn an einem ruhigen Tag bzw. zu einer ruhigen Zeit ansetzen.
• Kurzes Gespräch und Vorstellung bei den Kollegen.
• Den „Neuen“ einen erfahrenen Kollegen zuweisen.
• Informationen geben über Besonderheiten im Betrieb.
• Kontrolle, ob diese Vorgaben eingehalten werden.
• Liste anlegen von Dingen, die Sie dem neuen Mitarbeiter kommunizieren möchten.
• Den neuen Mitarbeiter unterschreiben lassen, über welche speziellen Punkte er informiert wurde.
• Oberste Prämisse ist helfen und unterstützen.
• Vergessen Sie nie, wie viel Zeit und Geld das Suchen eines neuen Mitarbeiters kostet.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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