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Seit 14 Jahren lenkt Gerhard Schilling die Geschicke von Almdudler.

Almdudler stellt sich neu auf

18.12.2018

Geschäftsführer Gerhard Schilling über Markenpflege, das Ende der Zusammenarbeit mit Coca-Cola und die Diversifizierung im Getränkeangebot.

 

Lange gab es nur Almdudler Original. In den letzten beiden Jahren ist eine ganze Range an Getränken dazugekommen. Warum diese Diversifizierung?
Gerhard Schilling: Weil sich auch die Konsumgewohnheiten geändert haben. Wir wollten das Feld nicht nur den neuen Mitbewerbern überlassen. 2017 begannen wir mit der Einführung der verschiedenen Varianten von Almdudler mit Minze oder Holunder und G’spritzt mit Zitrone. Dann sind wir in das Functional Segment eingestiegen, mit Almdudler Mate & Guarana und Almdudler Ingwer Matcha. Heuer kam Almdudler Himbeere dazu und zuletzt Spezi Cola-Mix.

Spezi Cola-Mix fällt ja völlig aus dem Rahmen – da steht nicht mal mehr Almdudler drauf …
Doch, hinten klein als Absender. Wir haben die Markenrechte für Österreich erworben. Spezi ist in Österreich seit 1949 eine eingetragene Marke! Das wurde in der Vergangenheit an verschiedene regionale Abfüller lizenziert. Außerhalb Österreichs liegen die Markenrechte bei einer bayerischen Brauerei.

Das kenne ich aus meiner Jugendzeit, ich bin ja in Franken aufgewachsen. Spezi haben wir alle getrunken!
Die Marke haben wir jetzt neu konzipiert – zeitgemäß mit weniger Zucker. Spezi Cola-Mix war bislang in der österreichischen Gastronomie kein großes Thema – anders als in Süddeutschland. Im Westen Österreichs kennt man aber Spezi (weiß man zumindest, was das ist). Was Almdudler seit vielen Jahren für Österreich ist, war und ist Spezi für Bayern: die traditionelle, alkoholfreie Alternative zum Bier.

Spezi Cola-Mix gibt’s jetzt auch für die Gastronomie?
Wir haben es im November zum ersten Mal in der 0,33-l-Mehrweg-Longneckflasche auf der „Alles für den Gast“ in Salzburg vorgestellt. 

Apropos Cola: Sie werden sich zum Jahresende beim Gastro-Vertrieb und bei der Abfüllung von Coca-Cola trennen. Warum?
Wir trennen uns im besten Einvernehmen und stellen uns wie schon im Handel auch in der Gastronomie auf eigene Beine, damit wir unser Profil als österreichischer Familienbetrieb weiter schärfen können. Das hat auch mit der Sortimentsentwicklung sowohl bei uns wie auch bei Coca-Cola zu tun. Wenn es zu einer Aktivierungsmöglichkeit beim Gastronomen gekommen ist, hatte die immer öfter mit Coca-Cola zu tun und nicht mit Almdudler. Burger plus Coca-Cola ist ja noch naheliegend. Aber warum Schnitzel plus Coca-Cola und nicht Almdudler? Warum muss jeder Würstelstand in Wien de facto ein Coca-Cola-Stand sein? Das hat natürlich auch damit zu tun, dass Coca-Cola international als Full-Beverage-Supplier auftritt und deshalb auch alles überall anbieten muss, was aus dem Konzern kommt, egal ob es passt oder nicht. 

Und die Aufmerksamkeit und der Platz für Almdudler wurde immer kleiner …
Ja. Obwohl wir eine starke Marke sind. Vor allem für unsere neuen Produkte war kein Platz. Die Almdudler-Organic-Range zum Beispiel war Coca-Cola zu kleinteilig, ist aber eindeutig ein Gastro-Produkt. Und Spezi ging dann überhaupt nicht mehr! 

Was ändert sich dadurch für den Gastronomen?
Er bekommt seine Almdudler-Produkte nach wie vor über seinen Getränkehändler. Nur der nette Coca-Cola-Außendienstberater wird ihn in Bezug auf Almdudler nicht mehr beraten und versorgen, sondern das machen wir ab sofort selbst.

Wie pflegt man eine Marke wie Almdudler über viele Jahrzehnte?
Wesentlich für den Erfolg ist, dass eine Familie dahintersteht. Die Familie Klein ist schon seit 1886 im Sodawasser- und Limonadengeschäft. Erwin Klein, der Vater von Thomas Klein, hat Almdudler als österreichische Antwort auf die internationalen Marken 1957 eingeführt. Thomas Klein hat das dann als sehr junger Mann in den 1980ern mit viel Herz und Augenzwinkern fortgesetzt. Damals entstand der Slogan: „Wenn die kan Almdudler hab’n, geh’ i wieder ham!“

Und dann wollte Coca-Cola Almdudler übernehmen und wurde letztendlich zum Lizenznehmer?
Ja, Coca-Cola wurde zum Almdudler-Lizenznehmer. Da trafen zwei sehr verschiedene Welten aufeinander – aber die Zusammenarbeit hat lange sehr gut funktioniert. Am Ende war Coca-Cola der letzte Lizenznehmer von Almdudler in Österreich.

Wer füllt jetzt für Almdudler ab?
Den Großteil Vöslauer – als Lohnabfüller, nicht als Lizenznehmer. Vöslauer hat in den letzten zehn Jahren bereits unser Handelsvolumen abgefüllt. Die kleinteiligere Organic Range macht unser Bio-Abfüller. Das heißt, wir bringen uns jetzt ohne Lizenznehmer mehr als jemals zuvor ins Geschäft ein. Wir können den Gastronomen auch individuelle Konzepte anbieten oder erstellen – je nach Gastronomietyp oder auch speziell für einzelne Betriebe.

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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