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Der Kufsteiner Hotelier Richard Hirschhuber, hier mit seiner Weltrekord-Urkunde für 527 Gins in seiner Bar (mittlerweile sind es 850!), akzeptiert kein „Geht nicht!“.

Am meisten reizt mich „Geht nicht!“

25.08.2016

Mit seinen Gastro-Ideen hat es Richard Hirschhuber (Auracher Löchl) bis in das Guinness Buch der Rekorde geschafft. Der ÖGZ verrät der Kufsteiner, wie er Gäste „verzaubert“ und worauf es im Online-Marketing ankommt.

Ginouverdure in der Bar Stollen 1930.

Unterhalb der Festung Kufstein hat Richard Hirschhuber sein Gastro-Reich: Das neue Boutique-Hotel Träumerei #8, die Bar Stollen 1930 und das historische Restaurant Auracher Löchl finden sich in der Altstadtgasse vereint. Ungewöhnliche Ideen und intensives Marketing haben den blonden Tiroler, dessen Töchter ebenfalls bereits in Betrieben wie dem „Chedi Andermatt“ lernen, bekanntgemacht. Die Erfolge haben ihm im Vorjahr auch einen Beratervertrag der Bergbahnen am Wilden Kaiser eingebracht. Schon in der ersten Saison hat Hirschhuber dort mit Ideen wie einer Bäckerei am Pistenrand Akzente gesetzt.

ÖGZ: Ein Steak-Haus in einer über 100 Jahre alten Tiroler Stube, die weltgrößte Gin-Auswahl im Stollen 1930 und jetzt der Umbau des Hotels Träumerei #8 mit 34 Themenzimmern. Abgesehen vom Kapital – wo nimmt man die Ideen dazu her?
Hirschhuber: Ich schaue wenig Fernsehen und versuche, jeden Tag viel zu lesen und das querbeet. Das kann über das Internet sein oder über neue Technologien, und klar sind da viele verrückte Ideen dabei, von denen man manches runterbrechen kann auf uns. Am besten gefällt mir, wenn es heißt: „Das geht nicht“. Dann wird es interessant für mich als Gastgeber, weil hier ein Potenzial liegt, bei dem die anderen dann nicht so schnell mitkommen. Und du musst international schauen. Ich bin gerne in London und Shanghai, um mir da was abzuschauen.

Auffällig ist auch die Top-Position in Tripadvisor trotz der vielen Anbieter im Raum Kufstein – gibt es dazu Tipps, wie man das erreicht?
Eigentlich nur einen einzigen: Du musst beste Qualität bieten und solltest keine Beschwerden bekommen. Ähnlich wie bei Ebay darfst du nicht dagegen reden, wenn der Gast sich beschwert. Man sollte sich bewusst sein, dass es immer nur um den Warenwert geht. Bei uns hat kein Mitarbeiter Angst, in dieser Situation einen Benefit zu geben. Natürlich besprechen wir das hinterher, ich bin für Transparenz. Einmal im Monat besprechen wir auch mit allen Mitarbeitern, die es interessiert, die Zahlen im Betrieb.
Wenn wir von den Webplattformen reden, ist mir aktuell Booking.com am liebsten – denn die sind am kritischsten in der Bewertung. Die letzten elf Jahre habe ich jeweils 100.000 Euro für Marketing ausgegeben. Das Geld kann ich mir jetzt sparen, die Frequenz kommt durch Mundpropaganda.

Stichwort Service-Mitarbeiter: Die heißen bei euch „Gästeverzauberer“, es gibt Exkursionen zu anderen Betrieben und Plakate im Hotel und Restaurant mit allen Namen. Hilft das im Kampf um die Talente?
Ich denke schon. Wir haben bei 50 Mitarbeitern eine Fluktuation von 0,7 %, aber da sind auch die Schwangerschaften oder der Wechsel nach Ellmau in unsere neu gemanagten Betriebe am „Wilden Kaiser“ dabei. Aber auch wenn einer sich neue Ziele sucht, bleiben wir via Facebook-Gruppe „Club der Schwarzen Katze“ in Kontakt. Da kommen dann Postings aus Neuseeland oder Kanada, wenn jemand aus der „Löchl-Familie“ Ideen oder positive Beispiele gesehen hat, die dafür sorgen, was am wichtigsten ist: Gäste-Begeisterung.

Die Wein-Bar Albert, das neue Vitus & Urban und der erste Austro-Store der deutschen Burger-Kette „Hans im Glück“ – Kufstein scheint gastronomisch zu boomen. Wie sieht das der lokale Pionier der Erlebnisgastromie?
Na ja, alle, die neu anfangen, müssen sofort Gas geben, und das belebt. Keiner kann sich zurücklehnen. Früher hatten wir viel Bus-Tourismus, und da hat es lange gereicht, einfach so Essen auszugeben. Das reicht heute nicht mehr. Mittlerweile sind wir fast ein Vorort vom Gardasee geworden, wo viele einen Stopp bewusst einplanen.

 

Zur Person:
Richard Hirschhuber
Als er 2003 den Genusshof Auracher Löchl von seinem Vater übernahm, hatte er bereits in allen Bereichen des 600 Jahre alten Traditionshauses gearbeitet. Seine Stärke ist die Entwicklung innovativer und einzigartiger Tourismus-Projekte, bei deren Umsetzung 
er auch stets selbst mit anpackt. 

Interview: Roland Graf

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