Direkt zum Inhalt

Am Wort: Steuersenkung mit Mehrwert

07.03.2018

Gastkommentar von Stefan Haigner, Wirtschaftsforscher und Geschäftsführer der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung.

Nach nur zwei Jahren wird voraussichtlich ab November die Mehrwertsteuer für Übernachtungen wieder 10 % betragen. Abgesehen davon, dass dieses Rauf und Runter wirtschaftspolitisch alles andere als optimal ist: Was bedeutet die Reduktion volkswirtschaftlich? 

Man kann bereits heute sagen, dass der gesamtwirtschaftliche Effekt nicht nur vom absoluten Ausmaß der Steuerreduktion abhängt, sondern auch davon, inwieweit diese an Kunden weitergegeben wird und wie diese auf etwaige Preisreduktionen reagieren. 

Dass Touristen preissensibel sind, zeigen internationale Studien. Nur sind die Ergebnisse leider oft kontextspezifisch zu sehen, weshalb die Ergebnisse nicht 1:1 auf Österreich umgelegt werden können. Tenor scheint aber zu sein, dass eine Preisreduktion im Ausmaß von 1 % die Nachfrage um mehr als 1 % ansteigen lässt – mitunter deutlich mehr. 

Auch das Ausmaß, in dem eine Mehrwertsteuerreduktion an Kunden weitergegeben wird, variiert stark, aber auch hier: Sowohl die Literatur als auch die ökonomische Theorie legen nahe, dass Preisreduktionen oder gedämpfte Preisanstiege wahrscheinlich sind. Dies hätte einen Anstieg der Nachfrage und damit steigende Umsätze zur Folge, wodurch der Staat zumindest zum Teil die Einnahmenausfälle gegenfinanzieren könnte. 

Aber selbst, wenn kein einziger Betrieb die Preise senken sollte, landet das Geld ja nicht unter dem Kopfpolster, sondern wird zu Gewinn, auf den wiederum Steuern zu zahlen sind. Oder die Betriebe investieren mehr und sichern so Arbeitsplätze im Tourismus – und weit darüber hinaus. 

Stefan Haigner ist Wirtschaftsforscher und Geschäftsführer der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW) www.gaw.institute

Werbung

Weiterführende Themen

Ab sofort meldet Airbnb Vermieter-Daten der Finanz.
Hotellerie
24.12.2020

Airbnb übermittelt erstmals Vermieterdaten an das Finanzministerium. Damit ist ein lange Zeit diskutierter Beitrag zu Wettbewerbsgleichheit mit Hotels erreicht worden. 

Weitere Hilfen für Gastronomie und Hotellerie sind jetzt beantragbar.
Gastronomie
16.12.2020

Verlustersatz und Umsatzersatz werden verländert. Gastronomen und Hoteliers können unter FinanzOnline  jetzt Anträge stellen. 

Schick: Industrial Style im neuen Ammersin Flagshipstore in Klosterneuburg.
Gastronomie
10.12.2020

Flagship-Store: Der Getränkehändler öffnet die Tore seiner neuen Getränkewelt in Klosterneuburg.

Volle Lager und keine Abnehmer: Gastrozulieferer bekommen Probleme.
Gastronomie
10.12.2020

Lebensmittelgroßhandel, Obst- und Gemüsehändler, Getränkelieferanten & Co: Es droht eine Pleitewelle, warnen Branchenvertreter.

50 Prozent statt bisher 80 Prozent bekommen Betriebe vom Umsatz des Jahres 2019 erstattet.
Gastronomie
02.12.2020

Der Umsatzersatz wird bis zum Jahresende für Gastronomie und Hotellerie verlängert. Die Coronahilfe wird sich aber nicht wie bisher auf 80 Prozent sondern auf 50 Prozent belaufen. Das teilte ...

Werbung