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Andersrum verreisen

03.06.2004

Nicht nur in Amerika sind Schwule und Lesben eine interessante Zielgruppe für die Tourismusindustrie.

Die Tourismus-Branche in den USA weiß schon seit längerem, dass homosexuelle Reisende eine potente Zielgruppe sind und hat sich frühzeitig dafür gerüstet.
Tendenz steigend. Das Image „gay friendly“ steht bei immer mehr Reisezielen hoch im Kurs. Neben den traditionellen Zielen wie San Francisco, New York oder Fort Lauderdale werben jetzt auch Philadelphia, Minneapolis und Las Vegas um die Gunst der homosexuellen Gäste. Immerhin wird im „Land
der unbegrenzten Möglichkeiten“ schon jeder zehnte Dollar des Tourismus-Markts von homosexuellen Reisenden ausgegeben.

Finanzkräftige „DINKS“
In Zahlen sind das rund 54 Milliarden Dollar, nicht ganz 46 Milliarden Euro. Viel Geld, nicht nur in Anbetracht des weltweiten Rückgangs bei Reisen nach dem 11. September und wegen des Irak-Kriegs. Homosexuelle zeigen sich von Krisen weniger beeindruckt, verreisen so oder so häufiger und geben als „DINKS“ (Double Income no Kids) überdurchschnittlich viel Geld aus.
Das hat sich mittlerweile schon bis „good old“ Europa durchgesprochen. Ganz im Trend rühren nun auch etwa Frankreich, Deutschland, Finnland, Spanien, und auch Österreich die Werbetrommel für ein positives Image in dieser Sache. „Die Berührungsängste sind deutlich weniger geworden“, bestätigt Thomas Bömkes, Inhaber von Tom Consulting, eine auf Gay Tourismus Marketing spezialisierte Agentur, die seit fünf Jahren auf der ITB vertreten ist. Der Stand, auf dem etwa 20 bis 25 Aussteller vertreten sind )von Fremdenverkehrsämtern bis Hotels), wird eindeutig stärker besucht und ist in der Halle 25 mit rund 120 Quadratmetern nun schon prominent positioniert.
Liberaler Vorreiter innerhalb des Heimatlands ist Wien. Die Bundeshauptstadt ist nicht nur Schauplatz des schon legendären Life Balls und der alljährlichen Regenbogenparade, sondern hat sich schon sehr früh den schwullesbischen Gästen geöffnet. „Wir sind bereits seit 1998 in diesem Marktsegment tätig, da wir wissen, dass diese Zielgruppe sehr reisefreudig, finanzstark und kulturinteressiert ist. Und die frühe Marktbearbeitung hat sich bezahlt gemacht“, bekräftigt Mag. Karl Seitlinger, Wiens Tourismuschef.

Durch kontinuierliche Aktivitäten, sei es als Mitglied der Internationalen Gay & Lesbian Travel Association oder mit eigenen Werbesujets in einschlägigen Publikationen und Web-Seiten, hat sich Wien in der Schwulen- bzw. Lesben-Szene einen Namen gemacht. Bei der in Deutschland durchgeführten Konsumentenumfrage lag die ehemalige Kaiserstadt von Anfang an auf dem guten 11 Platz und arbeitete sich bis 2003 auf Platz Eins nach vorne. Dieses Jahr ist Wien sogar die erklärte Lieblingsdestination der Schwulen und Lesben und wurde zur „Prefered Gay & Lesbian City 2004“ ernannt. Ein wichtiger Bestandteil des Erfolgs ist ganz sicher der „Queer Guide“, ein 48seitiger Wiener Stadtführer für schwullesbische Gäste in deutscher und englischer Sprache. Er wurde erstmals im Jahr 2000 herausgegeben und verfügt unter anderem über Eintragungen von gefragten Restaurants, Cafés, Saunas, Open-Air-Plätzen und Clubs.

Heißester Alpen-Gay-Event
Nicht ganz so detailliert wirbt Salzburg mit seinen Reizen. „Wir bewerben das Salzburger Land grundsätzlich als Destination und tragen uns in einschlägigen Web-Seiten ein, da diese Zielgruppe für ihr starkes Interesse im elektronischen Bereich bekannt ist“, erklärt Leo Bauernberger, Geschäftsführer der SalzburgerLand Tourismus GmbH. Eine eigene Broschüre für schwule bzw. lesbische Reisende gibt es derzeit nicht, Diskussionen darüber aber schon – immerhin verfügt Salzburg beispielsweise mit dem „Diva“ und dem „2 Stein“ über sehr bekannte Treffpunkte für Schwule und Lesben.
Ebenfalls über die Grenzen bekannt ist die seit dem Jahr 2000 jährlich im März stattfindende „Gay Week“ in Sölden, wo bei Hüttenabenden und Bergpartys für Homosexuelle die Post abgeht.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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