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Anstieg prekärer Arbeitsverhältnisse

12.08.2009

Die Krise hat den österreichischen Tourismus erreicht - das schlägt sich auch im Arbeitsklimaindex für den Tourismus nieder. Die Arbeitszufriedenheit sinkt - zwei Drittel der Tourismus-Beschäftigten kommen kaum mit ihrem Einkommen aus.

Rudolf Kaske, vida-Vorsitzender und ÖGB-Arbeitsmarktsprecher

Die Chancen am Tourismus-Arbeitsmarkt sind dramatisch eingebrochen. Waren die Beschäftigten in den Jahren zuvor noch davon überzeugt, relativ einfach einen Wechsel innerhalb der Branche bewerkstelligen zu können, ist die Einschätzung nun zögerlicher. Die allgemeine Lebenszufriedenheit wie auch die Zufriedenheit im Betrieb und der Optimismus in Hinblick auf die gesamtgesellschaftliche Situation sinken deutlich.

Betriebsklima leidet unter hohem Druck

Durch die schlechte Buchungslage steigt die Nervosität der Arbeitgeber und die Beschäftigten sehen sich oft einem erhöhten Druck ausgesetzt, ein schlechtes Betriebsklima wird auf diese Weise gefördert. Daher der Appell des vida-Vorsitzenden Rudolf Kaske an die Arbeitgeber: "Die ArbeitnehmerInnen sind nicht für diese Krise verantwortlich. Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten muss der korrekte Umgang mit den MitarbeiterInnen selbstverständlich sein."

Traditionell niedriges Einkommen

Das Einkommen von Tourismusbeschäftigten ist traditionell niedrig. Qualifizierte ArbeitnehmerInnen im Tourismus sind oft schlechter bezahlt als ungelernte in anderen Branchen. Laut Arbeitsklimaindex kommen zwei Drittel der Tourismus-Beschäftigten sehr schlecht bis gar nicht mit ihrem Einkommen aus. Jeder Zweite kommt überhaupt nur durch finanzielle Zuwendung der Eltern, EhepartnerIn oder LebensgefährtIn über die Runden. "Das ist eine höchst alarmierende Entwicklung", so Kaske. Hintergrund dafür dürfte auch die steigende Anzahl an prekären Arbeitsverhältnissen im Tourismus sein. Die geringfügige Beschäftigung ist österreichweit stark gestiegen, um gut 4.000 oder 11,4 Prozent. Hier gab es die stärksten Zuwächse in Wien (+1.102), in der Steiermark (+831) sowie in Oberösterreich (+662).

Starke regionale Unterschiede

Im 2. Quartal 2009 ist die Tourismusbeschäftigung in Österreich um knapp 4.500 gegenüber dem Vorjahresquartal zurückgegangen, das entspricht einem Minus von 2,6 Prozent. Regional war die Betroffenheit allerdings sehr unterschiedlich: Den stärksten Beschäftigungseinbruch hatte Salzburg mit -6,7 Prozent gefolgt von Tirol mit -4,6 Prozent und Wien mit -4 Prozent. Oberösterreich und Burgenland weisen Beschäftigungszuwächse um 2,8 Prozent bzw. 2,7 Prozent auf.
Herausforderung sei es nun, gestärkt aus der wirtschaftlich schwierigen Zeit herauszugehen. Denn der Tourismus könnte zu den Topbranchen der österreichischen Wirtschaft zählen. Tourismusbetriebe, die kein Personal finden, sind in den meisten Fällen selbst schuld daran. "Schlechte Entlohnung, überlange und familienfeindliche Arbeitszeiten sowie mangelnde Aufstiegschancen - das soll das Angebot an potentielle ArbeitnehmerInnen sein? Kein Wunder, dass viele Beschäftigte vom Tourismus die Nase voll haben und lieber versuchen, einen Existenz sichernden Job in einer anderen Branche zu bekommen", weiß vida-Vorsitzender Rudolf Kaske

Rahmenbedingungen gehören verbessert

Tourismusbetriebe müssten auf die Qualifizierung der Beschäftigten setzen und attraktivere Arbeitsbedingungen bieten, denn wenn die Rahmenbedingungen passen und die Entlohnung stimmt, dann findet sich auch Personal. Und dieses ist immerhin das Aushängeschild jedes Betriebes. "Die Beschäftigten im Tourismus sind - unabhängig von der Krise - zu wichtig für die Betriebe, um ihre Bedürfnisse zu vernachlässigen. Das haben leider viele Unternehmen noch nicht kapiert", so der Appell Kaskes an die Arbeitgeber.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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