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Arbeitsklima „Sehr gut“

31.05.2005

Zwei Tiroler Studien bestätigen das gute Arbeitsklima in der Touristik, doch Anerkennung kommt zu kurz.

Rund 75 Prozent der Mitarbeiter in den Tiroler Vier- und Fünf-Sternehotels sind mit ihrem Job zufrieden. Das ergab eine Studie des MCI-Studiengangs „Tourismus- & Freizeitwirtschaft“, bei der 189 Betriebe befragt wurden.
Das Arbeitsklima wird als „Sehr gut“ sowie „Gut“ eingestuft und auch die Arbeitsbedingungen weisen hohe Zufriedenheitswerte auf.
Unregelmäßige Arbeitszeiten
Doch im Bereich der Kommunikation und der Anerkennung von Leistungen gibt es Defizite. Gewünscht wird seitens der Mitarbeiter eine leistungsgerechtere Entlohnung, die persönliche Anerkennung ihrer Arbeit und eine individuelle Förderung. Den diesbezüglichen Handlungsbedarf bestätigt auch die zweite Tiroler Studie des Innsbrucker Meinungsforschungsinstitutes „IMAD Marktforschung“. Diese ergab, dass 31,2 Prozent der Befragten Angestellten mit der bezahlung weniger zufrieden sind und etwa 20 Prozent mit den Dienstzeiten Probleme haben, da die familiären Bedürfnisse nicht berücksichtigt werden. Außerdem nannten 63,8 Prozent vor allem Stress, Zeitdruck und die ungeregelten Arbeitszeiten als belastende Faktoren im Job. „Oft gibt es keine Dienstpläne und die Leute wissen nicht, was in zwei bis drei Tagen sein wird, sozusagen Dienst auf Abruf. Da kommt natürlich das Familienleben zu kurz“, bemängelt der Tiroler ÖGB-Vorsitzende Franz Reiter. Für ihn ist daher klar, warum die Leute generell nicht so gerne im Tourismus arbeiten, obwohl es eine interessante und abwechslungsreiche Branche ist. Für Manfred Furtner, ÖHV-Vorsitzender der Landesgruppe Tirol, ist das kontraproduktive Schlechtmacherei, da Franz Reiter im Zuge der IMAD-Studie der Tiroler Tourismusbranche zusätzlich vorwarf, sich pro Jahr rund 12,5 Millionen Euro durch Nichtbezahlung von Überstunden zu ersparen. „Dabei sollten die Herren froh sein, dass jetzt, wo der Arbeitsmarkt so schwierige Zeiten durchläuft, eine Branche Mitarbeiter braucht und bereit ist, diese anzustellen“, kontert Manfred Furtner.

Module zur Weiterbildung
Etwas entspannter sieht Dr. Peter Trost, Spartengeschäftsführer der WK Tirol, die Lage, obwohl auch ihm die Ergebnisse der Studie zu negativ dargestellt sind: „Wenn man sich die Details genau ansieht, ist es eigentlich eine positive Studie, immerhin sind rund 80 Prozent mit den Arbeitsbedingungen zufrieden“. Er räumt aber sofort ein, dass es ein Verbesserungspotenzial im Bereich der Anerkennung und der Mitarbeiterführung gibt: „Wir arbeiten schon lange daran und haben auch schon Weiterbildungsmodule für touristische Unternehmer entwickelt. Demnächst wird es auch eine Gesprächsrunde bezüglich einer Unternehmerakademie geben“. Positives Resümee zieht auch Dr. Petra Stolba, Geschäftsführerin der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich, für die die Ergebnisse ein Zeichen dafür sind, dass der Tourismus doch ein attraktiver Arbeitgeber ist: „Wir haben die Notwendigkeit attraktiv zu sein, denn wir werden in den kommenden Jahren aufgrund der demographischen Entwicklung in starker Konkurrenz stehen. Aber natürlich wird es in der Tourismusbranche immer mehr Arbeit geben, wenn der Gast da ist“. Die kann, laut Spartenobmann Johann Schenner, in kleinen Betrieben natürlich sehr variabel sein, dafür wäre aber die Bezahlung sehr gut. Probleme sieht Schenner eher in den größeren Hotels, die nur nach Kollektivvertrag bezahlen. „Bei den Spitzenkräften ist die Entlohnung grundsätzlich so oder so in Ordnung, Probleme gibt es eher bei den Hilfskräften“, meint HGPD-Vorsitzender Rudolf Kaske. Vor allem bei den Saisoniers, die nur kurzfristig im Land sind, ortet er Schwierigkeiten beim Geltendmachen von Ansprüchen. „Einige Saisoniers werden von einer qualifizierten Minderheit ausgenutzt, durch schlechte Entlohnung und vorenthaltene Bezahlung der Überstunden, die dann vom Ausland schlecht eingefordert werden können“, gibt Kaske zu bedenken. Erst kürzlich hat auch Siegfried Pichler, Präsident der Salzburger Arbeiterkammer, auf Probleme bei den Saisoniers aufmerksam gemacht. Als Beispiel nannte er ein Stubenmädchen, das in Saalbach arbeitete und 407 Überstunden hatte, die nicht abgegolten wurden. „Es gibt viele gute Betriebe und die haben auch keine Probleme gute Mitarbeiter zu finden. Nur leider gibt es auch ein Häuflein schwarzer Schafe, wo Saisoniers bis zum Umfallen arbeiten und dafür nicht einmal die Hälfte von dem bekommen, was ihnen als Lohn zusteht“, kritisiert Pichler. Kaske ist überzeugt, dass die Leute für längere Arbeitszeiten wohl zugänglich sind, vorausgesetzt, sie bekommen diese auch bezahlt. Keinerlei Verständnis hat er aber für die kürzlich aufgeflammte Arbeitszeitdiskussion bei den Lehrlingen, die durch einen Kurierartikel über Probleme bei Toni Mörwald losgetreten wurde: „Ich selbst habe Koch gelernt und weiß, dass Lehrjahre keine Herrenjahre sind. Aber wenn Jugendliche das Eineinhalbfache bis Doppelte der Normalarbeitszeit arbeiten müssen, dürfen wir uns nicht wundern, dass sich nur wenige für die Branche begeistern können“. Außerdem spricht er sich energisch gegen eine Verkürzung der zwölfstündigen Nachtruhezeit bei Lehrlingen aus, wie Dr. Thomas Wolf vom Fachverband für Gastronomie der WKÖ anregte. Unterstützung bekommt Wolf von Dr. Petra Stolba: „Ich schließe mich der Meinung an – es gibt defacto Probleme bezüglich Service beim Frühstück und dem Abendessen.“

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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