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Athener Hotellerie: Krise trotzt den Olympischen Spielen

04.08.2004

Die Athener Hoteliers hoffen aus einer zwanzigjährigen Krise herauszukommen – der Abwärtstrend hält aber trotzdem an.

Die Athener Hoteliers setzten ihre Hoffnungen auf die diesjährigen Olympischen Spiele, um aus einer zwanzigjährigen Krise herauszukommen. Ihrer Vereinigung zufolge investierten sie insgesamt 900 Mio. Euro in Renovierungsarbeiten, doch der Abwertstrend in den Besucherzahlen Athens hält weiterhin an. Mit vollem Haus wird nur im August während der Spiele gerechnet.

Anteile gingen zurück
Dabei war die Hotelbranche der griechischen Hauptstadt bis 1985 an eine starke Nachfrage gewöhnt. Millionen Besucher kamen aus der ganzen Welt, um die jahrtausendealten Kulturschätze der Stadt zu bewundern oder um ihre Reise zu den Inseln der Ägäis für ein paar Tage in Athen zu unterbrechen. Negative Schlagzeilen über die Zerstörung der Akropolis durch den Smog und eine Anzahl von Terroranschlägen verursachten jedoch einen starken Rückgang in den Besucherzahlen. Wegen der angespannten Verkehrssituation vermieden außerdem viele Urlauber die Durchreise über Athen und bevorzugten Direktflüge auf die griechischen Inseln.
In den nachfolgenden Jahren ging der Anteil Athens am Griechenland-Tourismus von 23% auf 8% zurück. 1980 wurden 8,3 Mio. Gästeübernachtungen in den Hotels der Stadt registriert, 21 Jahre später waren es nur noch 5,1 Mio. In derselben Zeit wuchsen die Hotelübernachtungen im ganzen Land von 36,1 Mio. im Jahre 1980 auf 61,6 Mio. im Jahre 2001.
Um die bestehenden Hotels vor dem Bankrott zu schützen, wurde 1986 in Athen ein Baustopp von neuen Häusern verordnet. Trotzdem wurden dutzende Hotels geschlossen. Interessanterweise erwacht zur Zeit ein Großteil dieser Hotels zu einem neuen Leben, nachdem das Verbot im Jahre 2000 wegen der bevorstehenden Olympischen Spiele aufgehoben wurde. Bis zum Startschuss der Olympischen Spiele schätzt man mit zirka 5.000 zusätzlichen Hotelbetten sowohl in wieder eröffneten Hotels als auch in Neubauten.

Totale Renovierung
Beispielsweise wurde das 1963 gebaute Hilton völlig entkernt und 2003 als schickes 5-Sterne-Hotel wieder eröffnet. Der imposante Bau wurde auf 527 Zimmer erweitert und bietet einen neuen Spa-Bereich sowie einen Ableger des New Yorker Gourmetrestaurants Milos. Das Hilton wird dem IOC als Hauptquartier während der Spiele dienen. Prominente wird auch das in diesem Jahr renovierte Astir Palace beherbergen. Der auf einer bewaldeten Halbinsel gelegene Komplex war seit den sechziger Jahren Austragungsort mehrerer Gipfeltreffen. Astir Palace, eine knappe Stunde vom Stadtzentrum entfernt, verfügt über Strände, Sporteinrichtungen, Konferenzräume sowie 526 Zimmer in drei separaten Hoteltrakten. Nächstes Jahr wird auch ein Spa eröffnet.
Unter den Hotelunternehmen hat die TUI-Tochter Grecotel jetzt schon die Goldmedaille errungen, da sie bis zur Eröffnung der Spiele im August fünf neue Hotels in Athen und Umgebung eröffnet haben wird. Mit insgesamt acht Hotels und 1.213 Zimmern überholt Grecotel die Divanis-Gruppe (drei Hotels mit 1.010 Zimmern) und ist somit der größte Hotelbetreiber Athens.

Krisen-Ende nicht absehbar
Die Branche rechnete mit einem starken Wachstum des Besucherstroms, als Athen 1997 den Zuschlag für die Olympischen Spiele erhielt; der erhoffte Wendepunkt stellte sich jedoch nicht ein. In den letzten Jahren ließ die Zimmerauslastung der Athener Hotels ständig nach. Trotz der steigenden Zimmerpreise mussten die 4- und
5-Sterne-Häuser 2003 einen Rückgang von 11,2% im Umsatz pro verfügbarem Zimmer (REVPAR) in Kauf nehmen. Zufolge der HotelBenchmark-Umfrage von Deloitte belief sich der REVPAR-Index von 2003 auf 73,28 Euro, den niedrigsten Stand seit Jahren.
In den ersten Monaten von 2004 ging die Auslastung weiterhin nach unten. Die 4- und 5-Sterne-Hotels verbuchten im März ein Minus von über 2%, bei den 2-Sterne-Hotel lag die Auslastung sogar 3,5% niedriger als im Vorjahr.
Die Aussichten für die Zeit nach den Spielen sind nicht gut, solange die Stadtbehörden und Unternehmer nicht das größte Problem des Athener Tourismus beheben: das Fehlen von professionellem Marketing. Athen ist die einzige europäische Großstadt ohne ein eigenes Fremdenverkehrsamt. Die Konkurrenz auf dem internationalen Städtereisen- und MICE-Markt ist jedoch in den letzten Jahrzehnten so intensiv geworden, dass man zu aggressiven Marketingmaßnahmen greifen muss, um den bestehenden Marktanteil auszubauen.
Dabei ist das Reiseziel Athen attraktiver denn je. Als Geburtsort der westlichen Kultur bietet die Stadt ein einmaliges Kulturerbe und Museen von Weltklasse. Außerdem lockt ein breites Angebot an Kulturveranstaltungen, eine neue Generation von Gourmetrestaurants, ein pulsierendes Nachtleben sowie feine Strände in den Vororten von Athen. Hervorragende Hotels in der Stadt und am Meer sowie moderne Kongresseinrichtungen runden das Angebot ab.

Dimitris Koutoulas

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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