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Schlicker Alm

Auf der Alm da gibt`s jetzt Premium

14.08.2019

Tirol setzt (endlich) verstärkt auf Almkulinarik. Premiumprodukte wie der Tiroler Almkäse sollen international in den Fokus rücken.

LH Günther Platter und Josef Margreiter auf der Schlickeralm im Stubaital
Hans Plattner, GF Hörtnagl, Heinz Kröll, Seniorchef Erlebnissennerei Zillertal, Landeshauptmann Günther Platter, Josef Margreiter, GF Lebensraum Tirol Holding, Ingrid Schneider, Leitung „urlaub.tirol“ in der Tirol Werbung, Theresa Leitner, Management Center Innsbruck - MCI und Matthias Pöschl, GF Agrarmarketing Tirol (v.l.)

Ein zentrales Motiv für die vom Land Tirol erschaffene Lebensraum Tirol Holding - vereint Tirol Werbung, Agrarmarketing Tirol und Standortagentur Tirol unter einem Dach - war die Bündelung der Kräfte rund um die Marke Tirol. Jetzt gibt es mit dem Schwerpunkt Almkulinarik ein erstes gemeinsames Projekt der Holding und wie Landeshauptmann Günther Platter sagt, ein greifbares Projekt mit Mehrwert für die Bevölkerung. „Mit der intensiveren Vernetzung von Landwirtschaft und Tourismus sollen regionale Wirtschaftskreisläufe gestärkt werden und gleichzeitig qualitativ hochwertige Freizeit- und Urlaubsangebote sowie neue kulinarische Qualitätsprodukte entstehen“, kündigte LH Platter im Rahmen einer Präsentation auf der Schlickeralm im Tiroler Stubaital an.

Almen touristisch aufwerten

Weil Tirols Almen gleichermaßen Erholungs- und Wirtschaftsraum sind, wollen wir dem Trend zu regionalen und nachhaltig produzierten Produkten Rechnung tragen“, so Lebensraum Tirol Holding-Geschäftsführer Josef Margreiter. Dazu haben Tirol Werbung und Agrarmarketing Tirol im Auftrag Günther Platters den Schwerpunkt „Almkulinarik“ entwickelt. „Es geht darum, die Almprodukte in Gastronomie, Hotellerie und Lebensmittel-Einzelhandel stark zu positionieren und so noch breiter als bisher Einheimischen wie Gästen zugänglich zu machen“, so Agrarmarketing Tirol Geschäftsführer Matthias Pöschl.

Almenland Tirol

Der neue Schwerpunkt kommt nicht alleine daher, dass Tirol mit über 2.000 Almen Österreichs Almland Nummer Eins ist. Im Bundesvergleich hat Tirol mit über 120.000 Hektar sogar fast doppelt so viel Almfutterfläche wie das zweitplatzierte Salzburg. 75% der österreichischen Almmilch stammt aus Tirol. Mehr als 100.000 Tiere verbringen ihren Sommer jährlich auf den Almen. Nach der tödlichen Kuhattacke und dem Aufsehen erregenden „Pinnistal-Urteil“ musste das Land Tirol reagieren. Das hat es, mit einem Maßnahmenpaket für ein „gutes Miteinander im Almgebiet“ und der neuen „Tiroler Wegeversicherung“ mit der Rechtssicherheit geschaffen wurde. „So konnte gewährleistet werden, dass die Tiroler Almen weiterhin für Einheimische und Urlauber offenbleiben“, betonte Platter.

Tiroler Almkäse DOC

Beim Medientermin auf der Alm, umgeben von Weidevieh, Kuhglocken und Kapelle, wurden nicht nur eine zünftige Almjause, sondern auch konkrete Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Tiroler Almen serviert. Zum einen soll das bereits seit 2011 bestehende Projekt „Almleben“ der Agrarmarketing Tirol fortgesetzt werden. Schon jetzt profitieren die 50 teilnehmenden Partneralmen von der gesammelten Expertise der Agrarmarketing Tirol in Form von Produktentwicklung, Vermarktungsstrategien sowie Teilhabe an Werbekampagnen.

Jetzt soll der „Tiroler Almkäse“ mit geschützter Ursprungsbezeichnung als Premiumprodukt auf den Markt gebracht werden. Dazu wird sich das Land Tirol an der Errichtung des „Tiroler Felsenkellers“ beteiligen. Mit acht Kleinsennereien gibt es auch bereits eine Gemeinschaft zur Realisierung des Vorhabens.

Warum erst jetzt?

Warum man nicht längst auf den Schwerpunkt Almkulinarik gesetzt hat und die Vermarktung von Premiumprodukten von Tirols Almen nicht schon längst im größeren Stil erfolgte, hat mehrere Hintergründe. Was den Tiroler Almkäse betrifft, ist es so, dass nur wenige Almen eigene Lagermöglichkeiten für die Käseherstellung haben. Diese soll nun mit der Errichtung des Felsenkellers mit 8.000 Käsereifeplätzen langfristig geschaffen werden. „Der Nimbus, dass Tirol im kulinarischen Bereich nicht mithalten könnte, der rührt wahrscheinlich genau daher, dass man im Gegensatz zu Weinregionen und italienischen Sehnsuchtsbildern, wenn es um den kulinarischen Genuss geht, in Tirol nie herausragende Produktlinien gehabt hat“, erklärt Josef Margreiter gegenüber der ÖGZ. Das Thema Almkulinarik, so Margreiter weiter, habe es immer schon gegeben, aber nicht in konzertanter Form, sprich in Form von Produktlinien, die man über Tirol hinaus bekannt machen könnte. „Diese Premium-Produktlinien, die manche andere Regionen außerhalb Tirols auszeichnen wie eben die Weinwirtschaft, das hat uns gefehlt. Mit dem Tiroler Almkäse wollen wir uns damit jetzt einen Namen machen.“

Nimbus Massentourismus

Dass Tirol beim Thema Almen- und Hüttenkulinarik auch in der Kritik steht, siehe Convenience, Massenabfertigung etcetera, verhehlt Margreiter nicht, gibt aber zu bedenken: „Die Nachfrage nach regionalen Produkten ist in den letzten 20 Jahren stärker gewachsen ist als die Produktion. Man darf auch nicht vergessen, dass Einheimische und Gäste vor 20 Jahren anders konsumiert und vor allem viel internationaler konsumiert haben, als es heute der Fall ist.“ Für den Lebensraum Tirol Holding-Chef gibt es aber „kein schöneres Problem“, als wenn die Nachfrage höher ist als das Angebot und das Potential vorhanden ist, Kapazität und Qualität zu steigern.

Erlebnisalm

Die dritte Maßnahme betrifft die „Erlebnisalm“. Dafür wird aktuell in Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck und der FH Kufstein ein grundlegendes Konzept entwickelt. „Almen sollen dadurch zu einem Ort werden, an dem jede Generation, vor allem aber Kinder und Jugendliche, eigene positive Erfahrungen mit sämtlichen Aspekten des Themas Almwirtschaft machen können. Das können Erlebnisse in der Schausennerei ebenso sein wie im Stall“, so Matthias Pöschl. Dieses Gesamtkonzept werde auf der Schlickeralm bereits Schritt für Schritt umgesetzt und könne in Folge auf andere Almen übertragen werden.

Die vierte Maßnahme betrifft den Almtourismus. Wie Urlaub.Tirol-Leiterin Ingrid Schneider erläutert, hat die Tirol Werbung bereits vergangenes Jahr eine Werbekampagne für den Sommer 2019 rund um die Verbindung von Almwirtschaft und Kulinarik konzipiert. Unter dem Titel „Kulinarische Wanderungen“ wurden heuer auf acht europäischen Hauptmärkten besondere lukullische Erlebnisse in den Tiroler Bergen und Almen mit eigener Produktion kommuniziert. Im Herbst 2019 soll diese Kampagne fortgesetzt werden. Zusätzlich werden in Zusammenarbeit mit den Tiroler Tourismusverbänden und den Tiroler Seilbahnen Gäste wie Einheimische mit einer Informationskampagne zum richtigen Verhalten auf Almen sensibilisiert.

Es braucht starke Partner

Damit der Schwerpunkt Almkulinarik greifen und die auf den Almen hergestellten Produkte auch den Konsumenten und Gast erreichen, braucht es die nötigen Betriebe, Veredler und Händler, wie beispielsweise die Erlebnissennerei Zillertal, den Fleisch- und Wurstwarenerzeuger Hörtnagl oder den Gastronomiegroßhändler Eurogast. Sie sind es, die die Produkte wie Almmilch, Almrind und Almkäse in Handel und Gastronomie einem breiten Publikum zugänglich machen. Bei Armin Riedhart rennen die Projektinitiatoren offene Türen ein. Schon bisher zeigte sich der Chef von Eurogast Riedhart in Wörgl regionalen Vermarktungsprojekten äußerst aufgeschlossen. „Als starker Handelspartner sind wir in der Lage, die Produkte der Almen stärker zu verbreiten. Das wissen Gastronomie als auch Konsument zu schätzen.“

Für Heinz Kröll, Seniorchef der Erlebnissennerei Zillertal, ist es wesentlich, dass die Konsumenten und Gäste verstehen, dass der Kauf der Almprodukte direkt die regionale Wertschöpfung fördert. Gleichzeitig forderte er Respekt für die Almbauern ein und verwies auf das Tierwohl. Immerhin würden die Tiroler Almen den „größten Freiluftstall Europas“ darstellen. Der Tiroler Premiumhersteller Hörtnagl gilt indes als Pionier in Sachen Schulterschluss mit den Tiroler Almbauern. Das von Hörtnagl vor 25 Jahren initiierte Projekt „Tiroler Grauviehalmochs“ war das erste regionale Vermarktungsprojekt seiner Art. Ein weiteres Hörtnagl-Projekt ist die Veredlung und Vermarktung des Tiroler Almschweins. „Hochwertige Almprodukte sind bei der richtigen Vermarktung ein Gewinn entlang der gesamten Wertschöpfungskette und stärken damit die gesamte Region“, so Hans Plattner. Konsumenten und Gäste freue es auch zu wissen, dass die Alm, auf der das Rind aufgewachsen ist, einen Namen hat.

Autor/in:
Barbara Egger
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