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Auf der Suche nach Kompetenz

20.06.2008

Ein Forschungsprojekt zeigt, dass Tourismusmanager bei der sozial-kommunikativen Kompetenz Nachholfbedarf haben. Die Vorbildwirkung erfahrener Kollegen kann helfen.

Ich bin Spülmaschinenmonteur, Baumeister, Mediator und Rechtsexperte“, schildert Berndt Querfeld (Inhaber Café Landtmann) seine alltäglichen Herausforderungen. Soweit das Einführungsstatement bei der Präsentation der Ergebnisse des Forschungsprojekts „Kompetenzprofile und Kompetenzentwicklung im Tourismus“, das vom Institut für Tourismus-Management der FHWien-Studiengänge der WKW durchgeführt wurde.
Anforderungen im Wandel
Die Manager und Mitarbeiter von touristischen Unternehmen sind mit einer Vielzahl von Herausforderungen konfrontiert. Geänderte Gästeansprüche, neue Marktstrukturen, der Wechsel vom Anbietermarkt zum Nachfragermarkt, der steigende Wettbewerb und die Dienstleistung Tourismus an sich stellen hohe Anforderungen an die MitarbeiterInnen und ManagerInnen in touristischen Unternehmen.
Aus diesen Gründen wurde vom Institut für Tourismus-Management der FHWien-Studiengänge der WKW das – von der Stadt Wien geförderte – Forschungsprojekt „Kompetenzprofile und Kompetenzentwicklung im Tourismus“ gestartet, dessen Ergebnisse kürzlich am WKO campus wien präsentiert wurden.
Prof. Dr. Volker Heyse, Experte auf dem Gebiet der Kompetenzforschung aus Regensburg, führte in die Thematik der Kompetenzen ein. „Kompetenzen sind Fähigkeiten zur Selbstorganisation. Sie sind besonders wichtig in offenen Problem- und Entscheidungssituationen, in komplexen Systemen.“
Experten der Branchen Gastronomie, Hotellerie und Touristik (z. B. Dr. Helmut Zolles – Geschäftsführer der Zolles und Edinger GmbH, Berndt Querfeld – Inhaber Café Landtmann, Michaela Reitterer – Inhaberin Hotel Stadthalle und Vorsitzende der ÖHV Wien, …) erstellen strategische Kompetenzprofile, die zur Bewältigung der künftigen Herausforderungen wichtig sein werden. „Die Kompetenzen Eigenverantwortung, Einsatzbereitschaft, Offenheit für Veränderung, Zuverlässigkeit und Dialogfähigkeit/Kundenorientierung sind touristische Kernkompetenzen, da sie in allen drei Sollprofilen vorkommen“, führt Prof. FH Mag. Michael Mair (Leiter des Instituts für Tourismus-Management der FHWien-Studiengänge der WKW) aus.
Im Vergleich der tatsächlichen Kompetenzen von 226 Wiener TourismusmangerInnen wurden Sollprofile erstellt. „Aus heutiger Sicht erfüllen die Tourismusmanager­Innen die künftigen strategischen Sollprofile noch nicht zur Gänze“, so Mag. Georg Pejrimovsky (Institut für Tourismus-Management der FHWien-Studiengänge der WKW). Konkret besteht bei Kompetenzen wie Kommunikationsfähigkeit, Initiative, Ausführungsbereitschaft, Sprachgewandtheit der größte Entwicklungsbedarf.
Da man Kompetenzen nicht „lernen“ kann, wie man das Einmaleins oder Geschichte lernt, sondern durch eigene Erfahrungen verinnerlicht, sind Strategien zum Kompetenzerwerb von erfolgreichen TourismusmanagerInnen (wie z. B.: Mag. (FH) Paul Blaguss – Geschäftsführer Blaguss Reisen, Gen. Dir. Hans Turnovszky – Generaldirektor Austria Hotels Betriebs-GmbH AG oder Mag. (FH) Birgit Reitbauer – Restaurant Steirereck, ...) besonders interessant. „Die Kompetenzen werden durch Vorbilder, Austausch mit Kollegen, durch Auslandserfahrungen, Benchmarking mit anderen Unternehmen und durch informelle Kommunikation erworben“, so Volker Heyse.
Um auch die TourismusmanagerInnen von morgen fit für den Berufsalltag zu machen, ist es wichtig, die geforderten Kompetenzen vermehrt in der Ausbildung zu berücksichtigen. „Problem- und projekt­orientierte Lehrveranstaltungen, ein Auslandsemester oder gezielte Kompetenzentwicklungsprogramme fördern die Offenheit für Veränderung und die Eigenverantwortung. Managergespräche, die von Studierenden organisiert werden, verbessern die Kommunikationsfähigkeit und die Einsatzbereitschaft. Das ist auch die Stärke des Instituts für Tourismus-Management der FHWien-Studiengänge der WKW“, führt Michael Mair aus.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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