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Das Koster-Trio

Auf die Harmonie kommt’s an

05.06.2018

Wiener Lager in der ÖGZ-Verkostung: Ein Bier mit Charakter, ein perfekter Begleiter zur Wiener Küche und mittlerweile in manchen Betrieben sogar das „Einserbier“

Biere schreien nach Geschichten. Und Gäste hören sie gern. Wie wär’s damit: Ein Bierstil wird Mitte des 19. Jahrhunderts in Wien-Schwechat erfunden, tritt seinen weltweiten Siegeszug an und verschwindet hierzulande nach dem Zweiten Weltkrieg langsam zur Gänze von der Bildfläche. Kreative, ausländische Brauer erwecken den in Vergessenheit geratenen Bierstil in den 1990er-Jahren wieder zum Leben, ehe er auch hierzulande vor wenigen Jahren wieder ein Revival feiert. Die Rede ist vom Wiener Lager, einem Bierstil, der sich gerade in der Gastronomie immer größerer Beliebtheit erfreut. 

Mit dem Wiener Lager erstmals in Kontakt gekommen ist ÖGZ-Verkosterin Birgit Rieber (siehe Kasten, Anm.) mit dem Hadmar Bio von Weitra Bräu. Das Bier war bzw. ist bis heute nicht als Wiener Lager deklariert, sondern als „bernsteinfarbenes Lager“. Spannend findet ÖGZ-Jurymitglied Kurt Tojner, dass gerade das Wiener Lager mit seinem prägnanten Geschmack in immer mehr Wiener Betrieben das „Einserbier“ am Zapfhahn ist: bemerkenswert für eine Stadt, in der die große Mehrheit der Gäste klassische Märzen- bzw. Lagerbier-Trinker sind. 

Übrigens: Beim European Beer Star, einem der bedeutendsten Bier-Wettbewerbe weltweit, ist das Wiener Lager noch immer kein eigener im Wettbewerb stehender Bierstil, sagt Birgit Rieber, die dort auch als Judge bzw. Jurymitglied tätig ist. 

Und eine ebenfalls wichtige Info für Gastronomen: Das Wiener Lager ist der perfekte Begleiter für die Wiener Küche. „Es ist ein sehr ruhiger Speisenbegleiter und eckt geschmacklich nicht an“, meint Kurt Tojner. Im Vordergrund steht die Komplexität der Malzaromen, eine moderate Hopfung sowie eine gute Drinkability. Die Kostnotizen finden Sie rechts.

Brew Age - Malzstraße

Rötlich-goldene Farbe, zarte Malzaromen und blumige Hopfennote in der Nase. Lebendiger Antrunk, wahrnehmbare Bittere. Vollmundiger, präsenter Körper. In Nachtrunk wahrnehmbare Bittere und Karamelltöne.

Brew Age - Malzstraße, by f.eckl
Schwechater - Wiener Lager

Farblich eher hellerer Vertreter, unaufdringliche Nase, nussig, Anflug von Röstaromen, weiches, geschmeidiges Mundgefühl, komplexe Malzaromen, ausgewogene Bittere, die nicht nachhängt. Sehr hohe Drinkability! Ein perfekter Vertreter.

Schwechater - Wiener Lager, by f.eckl
Ottakringer - Wiener Original

Stilgerechte Farbe. In der Nase zurückhaltend, Biskuit-, Karamell- und leicht grasige Hopfennote in der Nase. Wunderbarer Antrunk, schöne Spritzigkeit, cremiges Mundgefühl, das Malzaromen entfesselt; präsente Bittere, die sofort weg ist. Regt zum Weitertrinken an.

Ottakringer - Wiener Original, by f.eckl
Gusswerk - Wiener Lager

Farbe: Bernsteinorange. In der Nase dominieren Malz- und grasig-heuige Hopfennoten. Im Mund Karamell und zarte Malzsüße. Weiches Mundgefühl, wahrnehmbare Rezenz. Zart-bitter im Nachtrunk.

Gusswerk - Wiener Lager, by f.eckl
Muttermilch - Milchbubi

Optisch 1A, strahlende, bernstein-kupferfarbene Reflexe. Zurückhaltender Duft, zart-grasige Noten, zarte Malzaromatik. Im Antrunk lebendig, dezente Säure, Anmutung von Zitrus, die bald von einer leichten Röstbittere abgelöst wird. Im Nachtrunk dezente Röstaromatik, wahrnehmbare Bittere.

Muttermilch - Milchbubi, by f.eckl
100 Blumen - Wiener Lager

Nicht ganz stiltypisch in der Farbe (dunkler Honig), süßlich, deutlich wahrnehmbare Röstaromen, wie gebrannter Karamell, erinnert ein wenig an Malzzuckerl, leichte Rauchnoten. In Sachen Rezenz an der Oberkante. Definitiv ein Bier mit Ecken und einigen Kanten.

100 Blumen - Wiener Lager, by f.eckl
Theresianer - Vienna

Perfekte „Wiener Lager-Farbe“, perfekter Vertreter, in jeder Hinsicht: wunderbare Malz- und Nussnoten in der Nase. Im Antrunk offenbaren sich Karamellnoten, cremiges Mundgefühl, Hauch von Süße. Jurykommentar: Ein Bier, das man ung’schaut nehmen kann und das zum Weitertrinken anregt. Top!

Theresianer - Vienna, by f.eckl
Rodauner Biermanufaktur - Strizzi

Farbe: Orangerot, ins Kupferfarbene gehend. Schöne Honig- und Toffee-Noten in der Nase, leichte Fruchtnote (vom Hopfen). Trinkt sich leicht, feine Perlage, sanftes Prickeln am Gaumen. Wunderbares, weiches Mundgefühl. Ein Top-Vertreter und würdig, das ÖGZ-Gütesiegel zu tragen.

Rodauner Biermanufaktur - Strizzi, by f.eckl

 

Autor/in:
Alexander Grübling
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