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Aufbauen statt strafen

15.04.2010

Der neue Fachgruppenobmann Gastronomie in der Wirtschaftskammer Wien Komm.-Rat Wilhelm Turecek spricht über die Zukunft der Branche, über den Jugendschutz und die Gastgärten.

Komm.-Rat Wilhelm Turecek ist neuer Fachgruppenobmann Gastronomie in der WK Wien

ÖGZ: Was haben Sie als neuer Obmann in den nächsten Jahren vor?
Wilhelm Turecek:
Das, was im Wahlkampf von den meisten Mitgliedern bekritelt wurde. Nämlich dass wir mehr – und das nicht nur in Wahlzeiten – von uns hören lassen. Das wird nicht leicht, da es sich hier um eine Bring- und nicht Holschuld handelt. Es ist nicht möglich, dass wir laufend achttausend Mitglieder darüber befragen, was ihnen am Herzen liegt. Wir werden alle langjährigen Mitglieder blockweise – wahrscheinlich um die 50 Personen – in die GAFA Judenplatz zu einer Nachmittagsjause und vor allem zum Gedankenaustausch einladen.

ÖGZ: Welche Probleme werden in den nächsten Jahren auf die Gastronomie zukommen?
Turecek:
Nach dem Nichtraucherschutz wird uns die Kennzeichnungsverordnung beschäftigen. Hier versuchen wir, eine so moderat wie mögliche Lösung – sprich: unter Büchergröße – zusammenzubringen. Dann kommt auf uns zu, dass die Übergangsfristen für die Behindertenumbauten zu Ende geht. Die Förderungen dafür sind schon drastisch zurückgegangen. Auch das ist nun eine neue Keule gegen die Gastronomie, sprich: wieder neue Investitionen, die verlangt werden.

Ein weiterer Punkt, den wir durch unsere Verbindungen zur Stadt Wien aufbauen wollen, ist „aufbauen statt strafen“. Dabei denken wir vor allem an das Marktamt, das manchmal sehr unterschiedlich agiert. Es gibt Beamte, die minutiös auflisten, was alles zu ändern ist, es gibt aber leider auch welche, die diesen Schritt überspringen und gleich Anzeige erstatten. Die sich dann ergebenden Strafen tun wirtschaftlich sehr weh und sind oft nicht gleich nachvollziehbar. Hier wollen wir als Mittler auftreten, indem vielleicht die Behörden mit der Bitte an uns herantreten, dass wir die Kollegen in diesem oder jenem Fall genauer informieren. Wir könnten dann am Judenplatz Kurse abhalten und die Kollegen müssten nicht so oft bestraft werden.

ÖGZ: Wie geht es mit dem Jugendschutz weiter?
Turecek:
Hier hoffen wir, dass wir im Osten zusammenbleiben können. Wien, Niederösterreich und das Burgenland haben ein relativ neues Jugendschutzgesetz, das – so hoffen wir – von Minister Mitterlehner im Zuge der Vereinheitlichung auch in den Westen getragen wird und nicht umgekehrt. Es gibt dort z. B. zwei verschiedene Altersgrenzen für den Ausschank von niedriger- und höherprozentigem Alkohol. Unser Gesetz funktioniert recht gut, und wenn wir dann noch kontrollieren müssen, welchen Alkoholgrad welche Person konsumieren darf, würde das wohl über das Ziel hinausschießen.

ÖGZ: Wie ist man mit der Schanigartenregelung zufrieden?
Turecek:
Hier sind wir mit dem Städtebund – es soll ja auch eine gesamtösterreichische Einigung geben – in Verhandlungen. Wir würden eine garantierte Zeit bekommen, und zwar Gastgärten 21 Uhr, Schanigärten 22 Uhr. Das ist dem Gast natürlich an einem schönen Sommerabend nur schwer zu verkaufen. Hier sind wir einstweilen ohne Ergebnis auseinandergegangen. Außerdem muss man auch bedenken, dass alleine durch die Rauerregelung sich mehr Leute vor den Lokalen aufhalten werden. Wir versuchen daher die Bewilligungen auf zwölf Monate zu verlängern.

ÖGZ: Apropos Rauchen. Wie wird es hier weitergehen?
Turecek:
Ich würde niemanden raten, teure Umbauten zu tätigen, wenn sich diese nicht innerhalb von zwei, drei Jahren amortisieren.
Übrigens zum Rauch und Schanigärten. Wir haben an den Bürgermeister ein Ansuchen gestellt, dass wir wie bei der Fußball-EM jetzt auch bei der WM Fernseher in die Gärten stellen dürfen

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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