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Aufmerksamkeit ohne Kritik

11.04.2003

Realität und Wunschvorstellung. Sie kennen sicher die abgedroschenen Phrasen: "Der kommt mir nicht mehr ins Haus" oder "Der ist gestorben für mich" oder "Der soll noch einmal etwas von mir wollen!" Im Privatleben ist es schon unklug, alle Zelte hinter sich abzubrechen, im betrieblichen Alltag ist es schlußendlich tödlich - für den Betrieb.

Stellen Sie sich vor, daß Sie mit einem Mitarbeiter, den Sie nicht mehr sehen wollen oder einem Mitarbeiter, dem Sie das Vertrauen gekündigt haben, weiterarbeiten müssen! Hier gilt, was in der ersten Folge dieser Serie über bessere Mitarbeiterführung gesagt wurde - lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende. Oder, daß Sie ihn auf ein ehrliches offenes Gespräch einladen um ihn über ihre Beweggründe zu informieren, ihn dann Stellung beziehen lassen und sich mit ihm auf einen "modus operandi" einigen, wie man, zum Wohle des Betriebes, weiter miteinander kann.

Ein derartiges Gespräch muß ohne Emotionen geführt werden! Sie kennen die Situation selbst gut genug. Er, der etwas zu Beanstanden hat, versucht seinen Standpunkt durch eine lautere Stimme oder durch prägnantere Formulierung zu verstärken. Dadurch reizt er das Aggressionspotential seines Gesprächspartners, bzw. fordert er diesen zu einer ebenfalls lauteren Stimme und pointierterem Argumentieren heraus. Und im Nu haben wir den Streit.
Gewöhnen Sie sich für den betrieblichen Alltag, auch in stressigen Situationen, einen gepflegten Umgangston an. Sie werden sehen, daß Sie sich selbst wohler fühlen und mit Ihrem Gesprächspartner besser zurecht kommen.

"Was machst Du denn da schon wieder!" mit gehobener, gereizter Stimme gesagt, ist sicher nicht so gut wie "Komm´ ich zeig Dir wie wir das machen sollten!" mit freundlicher, sicherer Stimme.
Die ewigen Streitereien. Denken Sie an das Orchester des ersten Teiles! Wie kann eine Band, die untereinander zerstritten ist, zu Höchstleistungen finden? Andeutungen von falschen Einsätzen und Übertönungsversuche stehen dann auf der Tagesordnung. Machen Sie es sich deshalb zum Standard, die Harmonie Ihres Orchesters regelmäßig zu überprüfen.
Obwohl Sie Ihre Mitarbeiter vor allem nach fachlichen Kriterien ausgesucht haben, sind es doch Menschen die aus unterschiedlichen Kulturen und sozialen Schichten kommen und daheim unterschiedlichen Erziehungsmethoden ausgesetzt waren.

Da kann es schon einmal vorkommen, daß der Mittelschulabbrecher mit dem ehemaligen Sonderschüler nicht harmoniert oder der Sohn einer niederösterreichischen, landwirtschaftlichen Familie mit einem Kind aus dem kriegszerstörten ehemaligen, Jugoslawien nicht "kann". Sie als Betriebsinhaber oder -leiter sind dann gefordert!

Konfliktlösungen. Führen Sie für sich selbst den Standard ein, jedem und immer zuzuhören. Wenn Sie jemand mit "Mach´ Dir das selbst aus" oder "Ich kann solchen Stuß nicht mehr hören!" das Wort abschneiden, dann verletzen Sie jemand in seiner Wertigkeit. Hören Sie zu, sprechen Sie mit dem oder den anderen, die davon betroffen sind.
Falsch wäre es, nur einem zuzuhören und bereits Schlüsse zu ziehen. Erst wenn Sie sich über die Meinung aller Parteien ein Bild gemacht haben, handeln Sie als Mediator. Geben Sie jedem die Möglichkeit, sich zu äußern und geben Sie nur Anregungen, wie man den Zwist lösen könnte. Vermeiden Sie das Diktat des Stärkeren. Ihre Mitarbeiter werden zwar am Anfang auf Sie hören, doch jede Lösung, die ihnen aufgezwungen wurde, ist eine schlechte Lösung.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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