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Aus dem Dornröschenschlaf erwacht

14.04.2011

Für den Kastanienhof bei Gloggnitz hat sich die ÖGZ-Betriebsberatung schon nach kurzer Zeit ausgezahlt. In Grafenbach, wenige Kilometer von Gloggnitz im südlichen Niederösterreich entfernt, betreibt Heidrun Gersthofer seit über 20 Jahren den „Kastanienhof“, der bereits seit Generationen in Familienbesitz ist.

Heidrun Gersthofer freut sich nach dem Umbau über steigende Gästezahlen

Doch obwohl sich der Gasthof mit seinen drei Gästezimmern eines hohen Stammgästeanteils rühmen kann und vor allem auch im örtlichen Vereinsleben stark verankert ist, haben sich die Umsätze in den vergangenen Jahren doch nicht ganz so entwickelt wie erhofft. „Vor allem unter der Woche und mittags würde ich mir mehr erhoffen“, so Heidrun Gersthofer, die daher 2010 die „2 wie Salz und Pfeffer“-Betriebsberatung der ÖGZ in Anspruch genommen hat, bei der Profis den Betrieb genau unter die Lupe genommen und Verbesserungsvorschläge gemacht haben. Jetzt, wenige Monate nach den wichtigsten Umbauten und Adaptionen, wird eine erste Bilanz gezogen.

Einer der Hauptkritikpunkte der Analyse war die „unmodern“ wirkende Gaststube mit der „alten Schank, die dringend saniert werden müsste“. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Gersthofer hat einige alte Elemente belassen, Fußboden, Schank, einige Möbel und eine Wand wurden allerdings modernisiert, ohne den Touch eines klassischen Wirtshauses zu verleugnen. Dass Gersthofers Ehemann zufällig Steinmetz ist, daher für den perfekten Einsatz von Marmor, Granit und anderen Steinarten sorgen konnte, war ein zusätzlicher Vorteil. Ebenfalls umgestaltet wurde der Vorraum, um ihn von seinem „Rezep­tionscharakter“ zu befreien und dem Gast zu kommunizieren, dass er sich jetzt in einem „Wirtshaus mit sehr guter, regionaler Küche“ befindet.

Speisekarte reduziert
Auch die übergroße Speisekarte mit 21 Hauptgerichten bei nur wenigen À-la-carte-Gästen unter der Woche war den Testern ein Dorn im Auge. „Auch dieses Angebot habe ich reduziert, wobei an der grundsätzlichen Ausrichtung der Küchenlinie – bodenständige, regionale, aber doch ambitionierte Wirtshausküche – nichts verändert wurde“, erklärt Gersthofer im Interview. „Außerdem versuchen wir, so weit es geht, unserem Namen, der sich von mehreren großen Kastanienbäumen im Garten ableitet, gerecht zu werden und auch Kastanien bei den Speisen zu berücksichtigen, etwa in Form von ‚Hühnerbrust mit Stangensellerie und Kastanien‘“. Was weiters beibehalten wurde, ist die Möglichkeit, Gerichte individuell zu gestalten. „Vor allem vegetarische oder vegane Gäste nehmen dieses Angebot gerne in Anspruch“, so Gersthofer. „Das ist der Vorteil unserer Größe. So sind wir flexibel und können fast auf jeden Gästewunsch eingehen.“

Das Tagesgeschäft ist insgesamt aber noch immer nicht unproblematisch. Mittags spürt Gersthofer die immer größere Konkurrenz von Supermärkten und vor allem Fleischhauern, die das Mittagsmenü noch günstiger anbieten können und vor allem schneller sind. Gersthofer: „Dabei bin ich mit 5.90 Euro für zwei Gänge – dabei als Hauptspeise immer zwei Fleischgerichte und ein vegetarisches zur Wahl – sicher nicht überteuert. Aber beim Fleischhauer zahlt man halt 4,60, auch wenn‘s dann nur eine Speise ist. Und immer weniger Leute wollen sich heute Zeit zum Mittagessen nehmen.“ Und Gäste nachmittags für Kaffee und Kuchen zu begeistern, sei in einer Mostgegend, wo die Leute lieber auf eine Jause zu einem der zahlreichen Mostheurigen gingen, auch schwierig.

Weitere Projekte geplant
Aber die Umsetzung der Umbauvorschläge ist noch länger nicht beendet. Eine Wand und die Vorhänge der Gaststube werden demnächst noch verändert und auch der große, durch den modern gestalteten Wintergarten zugängliche Gastgarten hat Veränderungspotenzial. „Der Garten ist von der Straßenseite nicht einsehbar und lockt daher auch keine Gäste an“, lautet die Erkenntnis der Betriebsberatung. Daran hat sich noch nichts geändert und Heidrun Gersthofer ist hier ebenso noch auf Lösungssuche wie bei den empfohlenen neuen Gartenmöbeln oder der Neugestaltung der Außenfassade, die dem im Inneren des Kastanienhofes Gebotenen nicht annähernd gerecht wird. Gersthofer: „Ich habe schon mit Farben und verschiedenen Beleuchtungen experimentiert, aber noch nichts gefunden, das mich zufriedenstellt. Aber ich bleibe am Ball.“

Und auch das Ersetzen diverser Holzmöbel und -arbeitsflächen in der Küche durch NIRO oder Kunststoff steht im Kastanienhof noch auf der To-do-Liste. Aber der Komplettumbau eines ganzen Betriebes ist ja nicht zuletzt auch eine finanzielle Frage, wodurch sich eine „Eines nach dem anderen“-Lösung anbietet. Die bis dato vorgenommenen Veränderungen hätten sich laut Gersthofer aber bereits positiv bemerkbar gemacht. „Der Umsatz ist schon merkbar gestiegen“, freut sie sich.

Kastanienhof Gersthofer, 2632 Grafenbach, Tel.: 0 26 30/371 03, www.kastanienhof-gersthofer.at
Clemens Kriegelstein

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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