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Ausbildung am Arbeitsmarkt vorbei?

07.09.2006

Die Auswertung der aktuellen bundesweiten Befragung über die Inhalte und Arbeitsmarktchancen der AbsolventInnen der heimischen touristischen Ausbildungsebenen brachte für die 3-jährigen Fachschulen und 5-jährigen Schulen mit Maturaabschluss überraschende Ergebnisse: Beide Ausbildungen produzieren offenbar am Arbeitsmarkt vorbei.

Besonders schwer taten sich die befragten TourismusexpertInnen bei der Einschätzung der AbsolventInnen der heimischen Tourismusfachschulen, deren zu kurze Praxisausbildung (im Vergleich zur dualen Ausbildung) besonders kritisch angemerkt wurde. Im Vergleich dazu schneidet die Beurteilung der inhaltlichen Kenntnisse von TourismusfachschülerInnen gut ab. 69 % der Befragten stellten der Allgemeinbildung ein „gutes“ Zeugnis aus, weitere
56 % den Computerkenntnissen. Etwa gleich auf mit der Lehrlingsausbildung liegt die Bewertung der Sprachkenntnisse: Hier meinten 42 %, dass besonders die Fremdsprachenkenntnisse der FachschülerInnen „durchschnittlich“ sind.
Die Problemfelder dieser Ausbildung liegen im Bereich der Kommunikation und Präsentation: Für ganze 45 % ist die Rhetorik, Präsentation und das Auftreten der AbsolventInnen stark verbesserungswürdig. Und erstaunliche 52 % der zukünftigen ArbeitgeberInnen meinten, auch die Praxisausbildung sei tendenziell schlecht.
Gut für Einstiegsjobs
Die Einschätzung der Arbeitsmarktchancen von TourismusfachschülerInnen konzentriert sich naturgemäß an Einstiegsjobs im Bereich Hotellerie und Gastronomie, denn fast 2/3 aller Befragten sprachen den AbsolventInnen dieser 3-jährigen Ausbildung Managementkompetenzen ab. Umso mehr überraschen hier die Detailauswertungen: Nur 2 der insgesamt 24 zur Bewertung vorgeschlagenen touristischen Berufsfelder wurden mehrheitlich genannt. Am ehesten können sich 54 % der TouristikerInnen die AbsolventInnen als OberkellnerIn vorstellen, weitere 50 % würden die Stelle eines Küchenchefs mit FachschülerInnen besetzen. Alle anderen Tourismusfachbereiche werden offenbar mit AbsolventInnen anderer Ausbildungsstufen besetzt.
Gute Allgemeinbildung ...
Die Bewertung der inhaltlichen Kompetenzen von MaturaschülerInnen an den 5-jährigen Tourismusschulen fällt naturgemäss positiv aus: 58 % stellen der Allgemeinbildung und 52 % dem Tourismusfachwissen ein „gutes“ Zeugnis aus, weitere 32 % meinten, dass die Computerausbildung „sehr gut“ sei. Deutlich positiv werden auch die Sprachkenntnisse (53 % „gut“) sowie Präsentationstechniken (49 % „gut“) bewertet. Differenzierter ist die Sichtweise bei der Beurteilung der Praxisausbildung: 42 % der ExpertInnen meinten, dass diese „gut“ sei, 31 % beurteilten diese als „durchschnittlich“ und 13 % als „schlecht“.
... schlechte Berufschancen
Umso überraschender die Einschätzung der Berufschancen von MaturantInnen der 5-jährigen Tourismusschulen: Auch hier konnten sich die TouristikerInnen nur auf 2 von insgesamt 24 Berufsfelder mehrheitlich einigen, die sie mit AbsolventInnen dieser Ausbildungsebene besetzen würden. Jeweils 52 % können sich TourismusschülerInnen an der Rezeption und der Buchhaltung vorstellen. Alle anderen Berufsfelder werden offenbar auch hier mit AbsolventInnen anderer Ausbildungen besetzt.
Am deutlichsten fällt die Bewertung der klassischen Tourismusbereiche Hotellerie, Gastronomie und Reisebüro auf: Nur 6 % würden TourismusschülerInnen in der Küche als Koch/Köchin, bescheidene 9 % als Servicekraft, 11 % als Chef de Partie und 22 % als OberkellnerIn einstellen.
Falsche Schwerpunkte?
Dieses Ergebnis ist umso erstaunlicher, weil sich viele Tourismusschulen inhaltlich genau an diesen Bereichen orientieren und definieren. Als Konsequenz drängt es sich hier geradezu auf, die fachpraktische Ausbildung an den maturaführenden Ausbildungsstandorten zu hinterfragen beziehungsweise diese zu Gunsten anderer Ausbildungsinhalte zu kürzen.
Aber auch Positionen im Tourismusmanagement werden nicht mehr mit AbsolventInnen dieser Ausbildungsstufe besetzt: So sehen nur 32 % der Befragten einen möglichen Arbeitsplatz im oberen Managementbereich oder 31 % als KurdirektorIn.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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