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Von allem etwas für jeden? Oder muss sich eine touristische Destination klar positionieren? Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.

Authentisch muss es sein

11.09.2014

Die Regionen Wolfgangsee und Zillertal haben auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam – und trotzdem gibt es Gemeinsamkeiten. Wie man neue Gäste zu sich holt, erfordert allerdings Fingerspitzengefühl.

Hans Wieser, Wolfgangsee Tourismus: „Diese Landschaft ist einzigartig.“
Gernot  Paesold,  Zillertal  Tourismus:  „Die Reinheit der Natur ist das Gen des Tals.“

W ie wählt der Tourist sein Reiseziel? Und was kann eine Region tun, um zu neuen Gästen zu kommen? Für viele Experten ist es mittlerweile vor allem eine Kostenfrage. Denn für Kunden ist meistens der Preis und seine spezifische Leistung maßgeblich. Böse Zungen behaupten, dass es schwierig sei, heute noch ein einzigartiges Schnäppchen zu landen – angesichts der Gleichförmigkeit vieler Ziele.

Gutes Skigebiet reicht nicht

„Wir sind im Zillertal in der glücklichen Situation, dass wir einen sehr breiten Talboden haben. Das ist gerade in Märkten, die wenige oder keine Berge haben, ein Vorteil. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir uns aus dem Sommertourismus entwickelt haben – als eine der wenigen Tiroler Destinationen. Und wir haben erst spät in dieser Breite den Wintertourismus gepusht. Durch den internen Wettbewerb wurde auf einmal massiv investiert. Und wir haben sehr viele Gästebetten. Diese sorgen dafür, dass die Pisten auch gefüllt werden. Es reicht nicht aus, einfach nur ein gutes Skigebiet zu haben, langfristig ist man so nicht überlebensfähig. Umgekehrt sind aber gute Hotels ohne entsprechende Skigebiete auch nicht überlebensfähig“, sagt Gernot Paesold, Geschäftsführer der Zillertal Tourismus GmbH. Das Zillertal hat allerdings auch eine entsprechende Auswahl, vom Fünf-Sterne-Hotel bis zur guten Familienpension: Hier findet man alles.

Eine intakte Natur findet man auch im Salzkammergut vor. Allerdings ist die Ausgangslage eine andere. „Der Wolfgangsee ist mit 900.000 Übernachtungen eine Kleinstdestination. Wir haben aber das Glück, einen bekannten Namen zu haben. In Österreich liegt der Bekanntheitsgrad bei 97 Prozent. In Deutschland sind es 76 Prozent – dank Alt-Kanzler Helmut Kohl, der hier regelmäßig seine Sommerfrische verbrachte. Unser USP ist die Verbindung von Berg und See. Diese Kombination ist einzigartig“, sagt Hans Wieser, Geschäftsführer des Wolfgangsee Tourismus. Die Saison laufe hier von Anfang Mai bis Ende Oktober. Dabei wird laut Wieser „der Herbst immer stabiler und wertvoller“.

In beiden Regionen spielen Events eine wichtige Rolle, nicht aber eine spezielle Zielgruppe. „Wir kommunizieren nach Wertefeldern. Wir versuchen Werte, die im Tal erlebt werden können, zu kommunizieren. Aber wir kommunizieren nicht in Richtung einer bestimmten Altersgruppe“, sagt Gernot Paesold. Besonders gut entwickeln sich etwa Traditionsfeste. „Das Gauderfest im Mai oder die Schmankerlfeste im Zillertal. Die erleben einen Boom. Rad-Events funktionieren auch gut. Wir unterstützen Veranstaltungen, die auch zur Wertewelt passen und authentisch sind. Künstliche Themen interessieren uns nicht.“
Am Wolfgangsee „funktioniert“ etwa das alljährliche Traktor-Oldtimer-Treffen. Und der Almabtrieb, laut Wieser „die einzige Veranstaltung, die du nicht erklären musst“. Aber auch die Wolfgangsee Challenge, ein Cross-Triathlon, ist ein Publikumsmagnet. Die Adventzeit spielt in beiden Regio-nen eine große Rolle und entwickelt sich zur Erfolgsstory. Am Wolfgangsee „weihnachtsmannfrei“. Wieser: „Die Zahlen sind beeindruckend. 300.000 Tagesbesucher, 35.000 Nächtigungen, 42 Euro Durchschnittsausgaben. Die Kombination Advent am See ist einzigartig in Österreich.“

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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