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Der Kaffee kommt auf Knopfdruck. Vending ist vor allem bei Heißgetränken ein Thema.

Automatenkaffee: Besser als sein Ruf

28.02.2017

Unter dem Begriff "Vending" versteht man den Produktverkauf direkt aus dem Automaten. Von vielen verschmäht, kann jedoch die Kaffeequalität erstaunlich gut mithalten.

Beispiel für Automaten: Wittenborg FB 55.
Anwendungsgebiete
  • Seminarverpflegung
  • Versorgung der Gäste und Mitarbeiter mit Trinkwasser: gekühlt, für die Karaffe am Tisch, den Wasserkrug im Coffee-Shop oder für Fitnessraum und Lobby, 
  • SB-Versorgung (Kombimaschinen: ganze Bohnen und löslicher Kaffee) am Frühstücksbuffet und im Eventbereich
  • Kapselmaschine im Hotelzimmer und für Suiten
  • Kapselmaschine an der Bar – Kapsel im Automat. 
  • Snacks und Kaffee, wenn die Hotelbar schon geschlossen hat
  • 24-Stunden-Coffee-Corner für Gäste und/oder Mitarbeiter
  • Warenautomat im Hotel auf dem Gang für die Gäste 

Vending steht für eine 24-stündige Zwischenverpflegung siebenmal in der Woche direkt aus dem Automaten. Die wichtigsten Umsatztreiber in diesem Bereich sind Kaffee und Heißgetränke, aber auch Kaltgetränke, Snacks und Non-Food-Artikel. In Europa gibt es etwa 3,7 Millionen Automaten, in Österreich knapp 190.000, davon entfallen zirka 55.000 auf den Bereich Getränke (Heiß- und Kaltgetränke) und Snacks. Für den Kaffeebereich stehen sogenannte Heißgetränkeautomaten zur Verfügung, heutzutage oft auch kombiniert mit Kaltgetränken.

Einsatzgebiete

Kurz gesagt, überall dort, wo sich Gäste selbst versorgen können oder sollen, also für Gastronomie, Systemgastronomie, Hotel, Bäckerei, Tankstelle, Catering- und Eventbereich, Coffeeshops, Betriebs- und Gemeinschaftsverpflegung u. v. m. Der Markt wächst vor allem im Bereich der Heißgetränke. Heißgetränkeautomaten bieten Kaffee, Kaffeespezialitäten sowie Kakao, wobei man zwischen Instant-, Frischbrüh- und Espressoautomaten unterscheidet. Hier ist deutlich eine stark wachsende Tendenz zu Kaffeespezialitäten aus ganzen Bohnen zu beobachten. Zirka 57 Prozent aller Automaten (Standgeräte und Table-Top) bereiten bereits Kaffee aus frischen Bohnen zu. 

Allerdings treffen hier immer noch die Fakten auf das Klischee. Denn Vending- bzw. Automatenkaffee hat vielfach noch einen schlechten Ruf. Noch immer wird schlechter Instantkaffee aus vergangenen Tagen mit dem Automatenkaffee assoziiert. Tatsächlich gibt es auch guten Instantkaffee, aber nur noch 30 Prozent sind heute in­stant, vor 20 Jahren waren es noch 70 Prozent. Der schlechte Ruf besteht aber zu Unrecht, denn das Endprodukt Kaffee erreicht vielfach sehr gute Gastronomiequalität oder geht sogar darüber hinaus.

Dafür gibt es mehrere Gründe: Vorrangig sind die Qualitätsansprüche der Kunden gestiegen, der Konsument weiß, wie guter und auch schlechter Kaffee schmeckt. Durch diesen Umstand hat sich die Qualität der Produkte verbessert. Ebenso wichtig ist der Fortschritt im technischen Bereich. Egal ob Table-Top, SB-Maschine oder Standautomat – die Geräte von heute sind größtenteils Hightech und offerieren Kaffee in Topqualität. Aber auch hier gilt wie bei jeder Kaffeemaschine: Ein guter Kaffee kann „unten“ nur herauskommen, wenn auch „oben“ ein guter Kaffee eingefüllt wurde.
Dafür stehen heute viele Features zur Verfügung: Induktionsspulen für Milch, die eine Erhitzung über 75 Grad unmöglich machen, Pre-Infu­sionstools bis hin zu Hightech-Mahlscheiben und -Brüher. Mahlgrad, -menge, Wassertemperatur oder Anpressdruck werden damit nahezu perfekt eingestellt.

Schlechtes Image?

Der Ausdruck „Automatenkaffee“ nicht ganz glücklich gewählt. Bezogen auf Kaffee- und Barista-Qualität ist fast immer nur von Siebträgermaschinen die Rede. Es gehört fast zum guten Ton, dass der gute Kaffee ausschließlich von einem „bärtigen, tätowierten Barista“ zubereitet wird, der Latte-Art-Herzchen auf den Cappuccino zaubert. Auch die sogenannten Vollautomaten kämpfen vielfach mit einem hausgemachten Imageproblem. Aber dieses „Minderwertigkeitsgefühl“ bzw. die „Selbstkasteiung“ ist in Wirklichkeit unnötig. Denn die Brühtechnik der meisten Vendingmaschinen und Vollautomaten beruht auf der Kolbentechnik, die dem Original sehr nahekommt. Mit Original ist der Kaffee in Äthiopien gemeint, der ursprünglich am offenen Feuer mit einem Holzstößel zubereitet wurde. Der senkrechte Kolben bei der Kolbenbrühtechnik ähnelt diesem System und sorgt für eine optimale Extraktion. Und der erzeugte Creme-Kaffee ist vom Aroma her die Nummer eins der Brühtechnik.

Parallel zur weiterentwickelten Maschinenqualität liefern die sogenannten Operating-Unternehmen mittlerweile immer breitere Produktpaletten rund um den Kaffeeautomaten: Neben frischen Bohnen (auch aus nachhaltigem Anbau oder in Bioqualität) und Kakao stehen auch Tee und zeitgemäße Produkte wie Kakaopulver mit geringerem Fett- und Zuckergehalt, Magermilch oder laktosefreie Produkte auf dem Lieferplan der Vendingfirmen.

Auch für Ungelernte

Für den Gastronomen stehen frische Bohnen – oft mit zwei oder mehreren Bohnenbehältern –, Frischmilchlösungen für den alternativen Milchtopping-Bereich (jeweils mit Aufschäumer) und wahlweise mehrere Füllprodukte wie Kakao oder Schokolade für nahezu alle Kaffeespezialitäten zur Verfügung.
Die Geräte besitzen beinahe alle Touchscreens, zeichnen sich also durch Bedienkomfort und einfache Navigation aus. Automatische Reinigungssysteme sind vielfach inte­griert. Die Geräte sind durch abnehmbare Wassertanks auch mobil zum Beispiel im Catering einzusetzen. Neueste Technologien können für eine konstante Produkt- und Qualitätssicherung durch Fernwartung und Soforthilfe sorgen.

Autor/in:
Martin Kienreich
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