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Bad Blumau: industrieller Tomatenanbau versus sanfter Tourismus

Bad Blumau protestiert gegen industriellen Tomatenanbau

11.10.2012

Graz. In Bad Blumau werden die Bedenken gegen eine vom Agrarkonzern Frutura geplanten "Glashausfabrik" im Kurort immer mehr und immer lauter. Sowohl der Tourismusverband, die Gemeinde und das Hotel Rogner Bad Blumau fordern einen Stopp des Vorhabens und eine Fortsetzung des bisherigen Konzeptes für sanften Tourismus.

Der Kurort Bad Blumau hat sich touristisch innerhalb einer kurzen Struktur- und Wandlungsphase (15 Jahre) von der landwirtschaftlichen Kleingemeinde zu einer der renommiertesten Tourismusgemeinden in Österreich entwickelt, etabliert und klar positioniert. Die Tourismus- und Freizeitwirtschaft zählt in der Region zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen und hat damit bedeutenden Einfluss auf Wirtschaftswachstum, Einkommen, Beschäftigung und regionale Entwicklung. Der Grundstein für diese nachhaltige Entwicklung bilden die heißen Thermalquellen des Rogner Bad Blumau, die im natürlichen Kreislauf mehrfach sinnvoll genutzt werden.

Als Urlaubsort in Frage gestellt
Dieser erfolgreiche Weg des sanften Tourismus scheint jetzt gefährdet. „Großindustrielle Agrarwirtschaft schadet langfristig nicht nur dem sanften Tourismus in Bad Blumau sondern der gesamten Region im Thermenland Steiermark“, sagt Maria Perl. „Der natürliche Naherholungsraum mit Rad- und Wanderwegen für unsere Bevölkerung und Gäste wird massiv gefährdet.“ Viele Betriebe hätten unter Berücksichtigung des örtlichen Entwicklungsleitbildes Investitionen in den Tourismus getätigt. „Es liegen uns schon ernsthafte Bedenken von Veranstaltern und Gästen vor, die Bad Blumau als zukünftigen Urlaubsort unter diesen neuen Aspekten in Frage stellen.“ Perl weist darauf hin, dass das einstige Blumau viele Hürden überwinden musste, um 2002 den Titel Bad Blumau zu erhalten. „Heuer haben wir zehn Jahre Kurort gefeiert, diese Tradition wollen wir fortsetzen“, so die Tourismusexpertin.

Weit weg von Regionalität
Karl Semmler, Bad Blumauer Gemeinderat, betont, dass das Mega-Glashausprojekt nicht nur den erfolgreichen Weg des sanften Tourismus gefährden, sondern auch einen fatalen Wechsel von der bäuerlichen zur industriellen Landwirtschaft darstellen würde. „Wenn ein großer Teil des Bedarfs an Tomaten, Paprika und Gurken der Handelskette Spar auf einer 26 Hektar großen Glashausfläche angebaut wird, kann nicht mehr von Regionalität die Rede sein. Es handelt sich vielmehr um die Zentralisierung einer konventionellen Intensivproduktion“, so Semmler.

Quelle könnte versiegen
Melanie Franke, Direktorin des touristischen Leitbetriebes Rogner Bad Blumau, wies auf mögliche schwerwiegende Folgen für die Heilwasserquelle und die davon abhängenden 320 direkten und 46 indirekten Arbeitsplätze hin. „Wir haben geologische Gutachten erstellen lassen, denen zufolge die Quelle durch die von Frutura geplante weiteren Bohrungen versiegen könnte“, sagt Franke. Sie kritisiert, dass das Rogner Bad Blumau in der Angelegenheit keine Parteienstellung habe.

Melanie Franke warnte zudem vor einer hohen Belastung an Kohlendioxyd. „Im Rahmen dieses Projektes würde Kohlendioxyd dem Wasser entnommen und in die Glashäuser gepumpt, von wo es in die Luft entweichen würde. „Bisher wurde diese Umweltbelastung weder von den Projektwerbern noch im Gemeinderat thematisiert.“

Auf der Seite (www.change.org/de/Petitionen/verhinderung-von-agrarindustrie-in-bad-blumau) sammelt indessen eine Bürgerinitiative Unterschriften für die Fortführung des sanften Tourismus, der Bad Blumau von der ärmsten Gemeinde Österreichs zu einem wohlhabenden Kurort gemacht hat.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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