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Bald Palmenstrand am Neusiedler See?

24.01.2008

Bestens gebucht und gespickt mit hochkarätigen Vortragenden (u. a. ÖBB-General Mag. Martin Huber, AUA-Chef Mag. Alfred Ötsch, Tourismusforscher Prof. Hansruedi Müller, u. a.) drehte sich beim diesjährigen Kongress der Österreichischen Hoteliervereinigung alles um den Klimawandel.

„Zeit zum Handeln – der Wert von Energie und Mobilität“ lautete das Motto von 14. bis 16. Jänner in Innsbruck. Von einer möglichen Kerosinbesteuerung und die Zukunft von Hybridautos über den Service von „Klimaagenturen“ bis zu den Gefahren und Chancen, die die ansteigenden Temperaturen für den alpinen Tourismus bringen, wurden zahlreiche Szenarien diskutiert.
Den Kongressbeginn macht traditionellerweise die ÖHV-Pressekonferenz, diesmal zur Steuerreform 2010: Anstatt durch Kompensationszahlungen Klimaschutzprojekte auf der ­anderen Seite des Globus zu finanzieren, sollten österreichische Steuergelder in lokale Maßnahmen zur CO2-Reduktion fließen. Von einer Lohnnebenkostensenkung müssten vor allem die Mitarbeiter profitieren. „Seit Kreisky wird ständig eine Senkung der Lohnnebenkosten versprochen“, so ÖHV-Präsident Sepp Schellhorn, und er prognostizierte ein weiteres Ansteigen der Lohnnebenkosten um insgesamt 30 Prozent bis zum Jahr 2011.

Steueroffensive gefragt
„Die Reduktion der CO2-Emissi­onen wird das Um und Auf für dieBranche sein“, verweist Schellhorn auf eine aktuelle Erhebung der Österreichischen Hotellerie- und Tourismusbank. Damit das CO2Einsparvolumen optimal genutzt wird, schlägt die ÖHV eine Steueroffensive für Investitionen in diesem Bereich vor: sei es in Form einer Prämie speziell für Investitionen in CO2-mindernde Anlagen, als Rücklage oder in Form einer Sonder-Abschreibung. Auch für Gebäudeteile mit einer normalerweise längeren Abschreibungsdauer sollte es eine Abschreibung auf vier Jahre geben.

Personalintensive Branchen wie die Hotellerie spürten die hohen Lohnnebenkosten am stärksten. Für einen Züricher Hotelier machten die Personalkosten 35,1 % des Umsatzes aus, für einen Hotelbetrieb in Wien 38,3 %. Wien liege in einem internationalen Branchenvergleich an der unrühmlichen zweiten Stelle hinter Brüssel. „Dort sind die Mitarbeiterkosten seit dem Vorjahr doppelt so stark gesunken wie bei uns“, verwies Schellhorn auf aktuelle Daten.
Auch der Sozialforscher und Chef des Wirtschaftsforschungsinstitutes Prof. Bernd Marin sieht Österreich bei den Sozialabgaben in internationalen Vergleich an der Spitze, was im Konkurrenzkampf als Tourismusland und Wirtschaftsstandort mit den Nachbarländern ein signifikanter Nachteil sei.
Gefahren vs. Chancen
Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Tourismuswirtschaft waren danach die Themen des Kongresses. So führen steigende Temperaturen zwar unweigerlich zu Problemen für niedrig gelegene Skigebiete. Genauso könnten alpine Regionen im Sommer aber von Hitzeflüchtlingen aus dem Süden profitieren. „Jetzt sind neue Strategien gefragt: Jahreszeiten müssen entzerrt, Angebote für Winter- und Sommergäste konvergiert und unser Frühwarnsystem optimiert werden. Wer Trends frühzeitig erkennt, gewinnt Zeit für die Entwicklung der Strategien und Produkte von morgen“, erklärt Trendforscher Mag. Andreas Reiter, ZTB Zukunftsbüro. Entwickelt wurden drei Szenarien: Vom ultimativen Worst-Case-Fall – einem Hotel inmitten der alpinen Gefahrenzone mit Wetterextremen, Muren und Gletscherschmelze, bis hin zur Destination, die ihre Gäste das ganze Jahr über zu verwöhnen versteht – 365 Tage und vier Saisonen lang.
Null-Ausstoß als Ziel
Der Klimatologe Univ.-Prof. Georg Kaser vom Institut für Geographie der Universität Innsbruck ließ jedenfalls keinen Zweifel daran, dass sich das Klima im Wandel befinde - verursacht durch Menschenhand. Denn wohl hätte es in der Vergangenheit auch ähnlich warme - und auch noch wärmere - Zeiten gegeben, doch noch nie seien soviel CO2 und andere Treibhausgase in die Atmosphäre ausgestoßen worden. Kaser: „Wenn wir einen drastischen Klimawandel verhindern wollen, dann müssen wir den weltweiten CO2-Ausstoß nicht nur senken, sondern innerhalb der nächsten 10 bis 20 Jahre sogar komplett einstellen.“
Klimaneutrale Ferien
Eine Perspektive für klimaverträglichen Urlaub zeigte Hans-Kaspar Schwarzenbach, Direktor Arosa Tourismus in der Schweiz, auf. Arosa hat sich zum Ziel gesetzt, sanfte Mobilität zu fördern. Die Hälfte der Arosa-Gäste reist bereits mit dem Zug an, alle 10 Minuten verkehrt ein Gratis-Ortsbus, die meisten Gästebetten liegen an einer Skipiste. Neuestes Angebot sind allerdings „klimaneutrale Ferien“. So kann der Gast bei der Buchung angeben, wie er anreist (Flugzeug, Auto, Bahn), wo er absteigt (ein Luxushotel ist energieintensiver als ein Mittelklassehotel) und was er im Urlaub für Aktivitäten unternimmt. Gemeinsam mit der Münchner Firma ClimatePartner wird dann der CO2-Ausstoß des einzelnen Urlaubers (meist etwa 200–300 kg) errechnet und durch gezielte Investitionen in Klimaschutzprojekte kompensiert, wofür der Gast ein Zertifikat erhält. Schwarzenbach: „Wie ernst uns diese Sache ist, zeigt, dass bei keinem offiziellen Apero des Tourismusverbandes Champagner oder Orangensaft serviert wird. Wir haben Weine und Apfelsaft aus der Region, das ist genauso gut.“
Clemens Kriegelstein

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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