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Basel II rückt näher

26.01.2005

Ab heuer sollte man bei der Bilanzierung die neuen Richtlinien für Kreditvergaben berücksichtigen.

Basel II ist für viele Unternehmer zum Schreckgespenst geworden, bei anderen herrscht wiederum Verwirrung, ob der verschiedenen Aussagen. Manche Banker drohen („Brustschwache bekommen keinen Kredit mehr“), andere beschwichtigen („Es wird sich kaum etwas ändern“). „Die Praxis zeigt, dass Basel II oft als Vorwand verwendet wird, um Kredite abzulehnen, eine restriktivere Kreditpolitik in der Tourismuswirtschaft zu verfolgen oder schlicht um höhere Zinsen anzusetzen.
Basel II wird den ohnehin laufenden Strukturwandel und Ausleseprozess in unserer Branche verstärken“, so Dr. Manfred Kohl von der Kohl & Partner Tourismusberatung GmbH in Villach.
Tatsache ist jedenfalls, dass ab 2007 die als Basel II bekannten Eigenmittelvorschriften für Banken, die Fremdkapitalkosten in die Höhe zu treiben drohen. Walter Bornett, Geschäftsführer der KMU Forschung Austria und Mitglied in einem Basel-II-Expertenarbeitskreis der WKO empfiehlt deshalb KMUs drigend, eine etwaige „steuerminimierende“ durch eine „bonitätsoptimierende“ Bilanzpolitik zu ersetzen. KMUs mit guter Bonität können laut Bornett jedenfalls von Basel II profitieren, weil sich für sie die Konditionen verbessern. Ein nicht optimales bankinternes Rating könne dagegen durch entsprechende Sicherstellun-gen wieder wettgemacht werden.

„Eigenkapital auf Zeit“
Die Österreichische Hotel- und Tourismusbank will heimischen Tourismusbetrieben bei Basel II helfen und stellt Mezzaninkapital zur Verfügung. Diese Form von Risikokapital soll der traditionell eigenkapitalschwachen Branche helfen, die Finanzierungskosten zu senken. „Es ist also Eigenkapital auf Zeit, das die Bilanzrelation verbessern kann“, erklärt ÖHT-Direktor Franz Hartl.
Die ÖHT stellt den Betrieben gemeinsam mit den Bankenpartnern unbesichertes Mezzaninkapital zwischen 200.000 und 2,5 Mio. Euro mit einem Zeithorizont von zehn bis zwölf Jahren zur Verfügung. Bereit stehen vorerst insgesamt 13,5 Mio. Euro, die nach einem festen Verteilungsschlüssel von ÖHT, der Österreichischen Volksbanken AG, der Raiffeisen Landesbank Tirol, der Volksbank Landeck und der Oberbank beigesteuert werden. Verzinst wird dieses Kapital mit einem 6-prozentigen Aufschlag zum Euribor, zur Zeit rund 9 Prozent – allerdings nur, wenn der Gewinn des Unternehmens zur Bedienung ausreicht.

Bilanzen jetzt verändern
Auch ÖHT-Generaldirektor Reinhard Mücke (Bild) warnt aber davor, jetzt in Panik zu geraten: „So viel wird sich nicht ändern. Gute und schlechte Bankenkunden gibt es heute schon. Man sollte aber mit dem heurigen Jahr schon beginnen, sein Bilanzenbild positiv zu verändern und damit längerfristig ein gutes Bild in der Hausbank zu bekommen.“ Und: „Die rein steuerlichen Investitionen, bei denen man eine neue Kaffeemaschine nur deshalb anschafft, um weniger zu verdienen, werden wohl zurückgehen.“
Expertentipp von Dr. Manfred Kohl, Tourismusberater
+ Das Informationsbedürfnis der Banker verstehen. Auch sie sind von Basel II betroffen und brauchen Unterlagen für den Kreditakt, die über den Grundbuchsauszug, den Kreditvertrag und eine veraltete Bilanz hinausgehen.
+ Besonders Regionalbanken als wirkliche Interessenspartner des Unternehmens sehen – mit eigenen Bedürfnissen, die es zu befriedigen gilt (wie jene der Gäste).
+ Nicht warten, bis die Bank sich meldet, sondern von sich aus aktiv werden, Termine vereinbaren, Unterlagen vorab zusenden.
+ Die Banker mit aktuellsten Unterlagen überraschen!
+ Druck auf den Steuerberater erhöhen, damit der Bilanzentwurf spätestens 4 Wochen nach dem Bilanzstichtag am Tisch liegt – dazu muss natürlich die eigene Buchhaltung topaktuell sein.
+ Wenn Sie diesen Informationsdialog laufend führen, können Sie Topkonditionen erwarten, auch wenn das Bilanzrating schlecht ausfällt, weil Ihnen die Bank vertraut. Nützen Sie die Bewertungsspielräume in den „Softfacts“, denn die „Hardfacts“ sind kaum zu ändern – und in der anlagen- und innovationsintensiven Hotellerie fast zwingend schlecht. Wenn ein Hotel doppelt so viel Kredite wie Umsatz hat (laut ÖHT ist das in der Durchschnittshotellerie der Fall), dann schlägt eine 1%ige Zinserhöhung auf der Kostenseite des Jahresabschlusses in doppelter Höhe durch – es lohnt sich also mit „Softfacts“ zu kämpfen.
+ Mehr planen – und dies schriftlich für einen Dritten nachvollziehbar darlegen.
+ Und zu guter Letzt: Die Konkurrenz schläft (in diesem Fall) – das ist Ihr Vorteil. Nur ganz wenige Hoteliers kommunizieren mit der Bank wie mit einem Partner.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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