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Bayern: Gemeinsam gegen das Wirtshaussterben

05.12.2018

Steuern, Bürokratie und Personalmangel - immer mehr Wirtshäuser in Bayern sind bedroht oder mussten bereits dicht machen. Wie kann dem Wirtshaussterben entgegengewirkt werden?

Während der Tourismus in Bayern weiter wächst, stirbt das Wirtshaus. Laut des deutschen Statistischen Bundesamt ist allein zwischen 2008 und 2016 die Anzahl der sogenannten Schankwirtschaften um 20 Prozent zurückgegangen. Das heißt: Jedes fünfte Wirtshaus in Deutschland hat in dieser Zeit dicht gemacht.

Eine ähnliche Entwicklung findet sich beim gesamten Gastgewerbe wieder. Und auch in der Hotellerie ist ein Rückgang auszumachen: Gab es 2008 mehr als 37.000 Hotels in Deutschland, sind es heute nur noch knapp 33.000.

Drei Faktoren bedrohen Existenz

Vor allem drei Faktoren sind für viele Wirte existenzbedrohend: Einmal die Ungleichbehandlung bei der Mehrwertsteuer. Ein Wirtshaus muss 19 Prozent zahlen, ein Bäcker oder Metzger hingegen nur sieben Prozent. Zum Zweiten: Die Bürokratie. Teilweise müssen Betriebe in Hotellerie und Gastgewerbe bis zu 100 Auflagen erfüllen. Das treibe die Preise nach oben, sagt Gastwirt Muk Röhrl, der auch Sprecher der jungen Gastwirte in Bayern ist. Und nicht zuletzt die Tatsache, dass es immer schwieriger wird, Personal und Auszubildende zu finden.

Förderprogramm soll Wirtshäuser retten

Zu dieser Entwicklung will das diesjährige Motto des Bayerischen Tourismustag nicht so recht passen: "Das Wirtshaus - Ein Imagefaktor für den Bayerischen Tourismus". Die erfolgreichen Beispiele, wie das Hofbräuhaus, stellen die Ausnahme dar. Die Mehrzahl an Wirtshäusern braucht andere Strategien. Neben kostenlosen Erstberatungen, bei denen ein Gastroexperte den Betrieb besucht und Tipps gibt, soll ein Förderprogramm von 30 Millionen Euro die bayerischen Wirtshäuser retten. Daneben plant das Bayerische Wirtschaftsministerium eine App, in denen Öffnungszeiten einzusehen sind und Bewertungen abgegeben werden können.

Überlebensstrategie: Alleinstellungsmerkmal

Muk Röhrl will sich nicht allein auf sein Alleinstellungsmerkmal verlassen, das älteste Wirtshaus der Welt zu haben. Er und seine Frau bieten auch Catering an und sind damit im Trend. Bundesweit nehmen die Catering-Betriebe zu. Doch nicht jeder hat diese Möglichkeiten, das weiß auch Röhrl. Anderen Wirten empfiehlt er, sich auf eine Sache zu spezialisieren. Zum Beispiel: Gibt es weit und breit kein Steakhouse, sollte ein Gastronom das anbieten, sagt Wirt Röhrl. Denn die Zukunft sei nun mal so: "Einfach nur das Wirtshaus aufsperren reicht eben nicht mehr.“

 

Bayrischer Rundfunk / RED

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