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Behinderte Barrierefreiheit

04.06.2008

Der Besuch von Gaststätten ist für behinderte Personen trotz entsprechender Gesetze in Österreich oft noch ein Spießrutenlauf – dabei sollte man die betroffene Personengruppe nicht unterschätzen.

Das Statement der Grünen Behindertensprecherin Theresia Haidlmayr lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: „Der Status quo betreffend die Barrierefreiheit in heimischen Gastronomiestätten ist letztklassig. Es gibt in Österreich kaum Lokale, die man als Behinderter aufsuchen kann. Eigentlich müsste man diesbezüglich ein ‚Schwarzbuch Gastronomie‘ herausgeben.“ In anderen EU-Ländern sei das wesentlich besser. Dabei müssten nach den geltenden Behindertengleichstellungsgesetz eigentlich alle neu errichteten oder umgebauten Gaststätten barrierefrei nach Ö-Norm B 1600 sein. In dieser Norm sind die „Planungsgrundsätze für das Barrierefreie Bauen“ definiert (z. B. Gehsteige, Rampen, Eingangsbereiche und Türen). Bestehende Betriebe haben bis 2016 Zeit, um Eingang, WC etc. entsprechend zu adaptieren. Doch viele Betriebe würden sich laut Haidlmayr nicht um die bestehenden einschlägigen Gesetze kümmern und vor Klagen würden betroffene Leute aufgrund des hohen Streitwertes oft zurückschrecken. Negatives Beispiel seien etwa im Vorjahr errichtete Gastro-Stände am Wiener Naschmarkt, die trotz entsprechender Vorschriften nicht barrierefrei zugänglich seien. „Das ist eine Sauerei, dass das Marktamt und die Baupolizei wissentlich die Diskriminierung von behinderten Menschen in Kauf nehmen“, zeigte sich Haidlmayr verärgert. Positives Beispiel sei dagegen etwa die Filiale der Bäckerei Felber in der Wiener Lerchenfelder Straße.

Barrierefrei – nicht behindertengerecht
Die Grüne Abgeordnete legt dabei Wert auf den Begriff „Barrierefreiheit“. Denn umgangssprachlich werde zwar manchmal von „behindertengerecht“ gesprochen, doch dies beziehe sich eben nur auf Behinderte, während sich die „Barrierefreiheit“ auch auf ältere, gebrechliche Personen, Eltern mit Kinderwägen etc. beziehe. Und damit ergibt sich in Österreich ein betroffener Personenkreis Österreich ein betroffener Personenkreis von bis zu 25 Prozent der Bevölkerung. „Barrierefrei heißt dabei nichts anderes, als dass man etwas ohne fremde Hilfe berollen oder benutzen kann“, erklärt Haidlmayr.
Ähnlich schlimm sieht Manfred Srb von der Behinderten-Interessensvertretung „Bizeps“ die Situation. „Es ist derzeit leider wirklich hundsmiserabel! Und das aus zwei Gründen: Erstens ist die aktuelle Gesetzeslage unzufriedenstellend, die geforderte Barrierefreiheit müsste viel strenger gefasst sein. Und zum Zweiten herrscht bei vielen Gastronomen ein großer Informationsmangel. Ein stufenloser Eingang mit flacher Rampe und eine behindertengerechte Toilette sind dabei für ihn die Mindestkriterien. Srb: „Auch dass ein Kellner einem blinden Gast ohne Begleitung die Speisekarte vorliest, wäre ein netter Service und ist nicht selbstverständlich. Denn Speisekarten in Blindenschrift sind ja leider die absolute Ausnahme.“

Insgesamt zufrieden zeigt sich der Behindertenvertreter mit den Gastronomiebetrieben in den 4- und 5-Sterne-Hotels, wo man es mit der Barrierefreiheit sehr genau nehmen würde. Doch seien solche Lokale bei der Zielgruppe nicht jedermanns Sache – nicht zuletzt aus preislichen Gründen. „Behinderte Menschen sind eine Marktlücke. In den USA hat man das schon erkannt, in Europa beginnt sich diese Erkenntnis erst durchzusetzen.“
„Das gehört zum Service“
Ein Lokal, das sich von Beginn an um barrierefreie Austattung (besonders breite Türen, Behindertentoilette etc.) bemüht hat, ist etwa Stiegls Ambulanz in Wien. „Ich sehe das als Zeichen der Toleranz“, meint dazu Claudia Hemmetsberger, Assistentin der Geschäftsführung. „Wir haben 200 Sitzplätze im Lokal und gut 600 im Garten. Bei so vielen Gästen ist es klar, dass hier ein Bedarf nach barrierefreier Ausstattung besteht. Das gehört einfach zum Service. Erst kürzlich war die Multiple-Sklerose-Gesellschaft bei uns und darunter auch elf Rollstuhlfahrer.“
Übrigens: Bei Errichtung von Rampen, (Treppen)liften, Geländern, automatischen Türen, behindertengerechten Toiletten, Behindertenparkplätzen etc. beteiligt sich das Bundessozialamt an den Kosten:
– für Unternehmen bis zu 50 Mitarbeitern und Investitionen zwischen € 1.000–5.000: bis zu 2/3 der investierten Maßnahme
– für alle Unternehmen: 50% bis zur max. Fördersumme von € 50.000

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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