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Bei den Extremen: Whisky anno 2021 im ÖGZ-Test

12.10.2021

Schwierige Jahre – Strafzölle für Bourbon, der Brexit in Schottland – liegen hinter den Whisk(e)y-Herstellern. Damit geht aber auch eine Fokussierung einher, die zwei Stile ganz klar bevorzugt.

Die Strenge der Regeln ist passé, dafür dürfen Whisk(e)y-Etiketten plötzlich auch etwas flippiger aussehen. Optisch ist den Regalreihen mit der unverzichtbaren Bar-Kategorie anzumerken, dass sich einiges tut. 
Der Eindruck stimmt auch, denn vor allem die Eignung für den Longdrink wird wieder ein stärkeres Kaufkriterium. War es lange verpönt, überhaupt mit Scotch zu mixen, haben die unglaublichen Erfolgszahlen des Cocktail-freundlichen irischen Whiskeys ein Umdenken bewirkt. Wer dennoch nicht nur sanfte Malzigkeit für den Aufguss mit Soda, Ginger Ale oder Ginger Beer sucht, wird auf der anderen Seite des Spektrums bedient. 

Torfmalz auf Reisen

Der rauchige Islay-Stil lässt sich zwar nicht kopieren, doch ein wenig Rauch, bzw. technisch gesagt: Torfmalz findet sich auch in Gegenden jenseits der schottischen Grenzen, wo Brennereien mangels Duty-Free-Passagieren lieber die bewährten Stile forcieren. Experimentellere Versionen für den Sammelmarkt können warten – auch weil sie ja im Alter nicht an aromatischer Finesse verlieren. Ganz im Gegenteil!

Wobei auch in diesem Punkt gilt, dass der Markt Extreme mag. Dank besseren Fassmanagements finden sich komplexe fünfjährige Single Malts am Markt, aber auch die mächtigen „18 years“ neben den mittlerweile immer teurer werdenden Abfüllungen jenseits der zwei Jahrzehnte Fasslagerung. Und so war es wieder ein bunter Querschnitt der Whisk(e)y-Nationen, dem sich das Kostquartett der ÖGZ diesmal stellte. Von Israel bis Irland fanden wir Empfehlenswertes für Ihre Bar-Karten.

ÖGZ-Sieger 2021 der Kategorie "Whisky"

Monkey Shoulder: Rauchigkeit bringt ÖGZ-Goldene

Der Name ist eine Hommage: Früher wendeten die Arbeiter der Brennerei die keimende Gerste tonnenweise mit Schaufeln. Nach Stunden der Arbeit hingen ihre Arme tief herab, fast wie bei einem Schimpansen. Diese Beschwerden wurden als „Affenschulter“ (Monkey Shoulder) bezeichnet.

Feiner Rauch-Ton (wie verloschenes Lagerfeuer), dazu gesellen sich im Hintergrund Pfirsich und etwas Ananas. Auch am Gaumen zeigt er sich würzig, „erinnert fast an Erdnussflips“, so die Jury. Die „smoky“ Untertöne bleiben bis ins 
Finish elegant präsent. „Gute Mixability ist garantiert!“

Monkey Shoulder // Monkey Shoulder Smokey Monkey / 40 %  € 35,90 / Importeur: www.topspirit.at

Monkey Shoulder: Rauchigkeit bringt ÖGZ-Goldene
Milk & Honey: Grandios zum Kaffee, mit ÖGZ-Gold

Die 2012 gegründete M&H Whisky Distillery in Tel Aviv ist Israels erste und einzige Whisky-Destillerie. „M&H“ steht für Milk and Honey. Als Berater und ersten Master Distiller konnte man Legende Dr. Jim Swan gewinnen. Das fallweise auch geräuchert Malz stammt auch aus Schottland.

Zerealien und Mandelsplitter im röstigen Duftbild, das auch an Schokoriegel und Karamellcreme erinnert. Fast wie eine Kaffee-Melange am Gaumen; Trockenfrüchte wie Datteln sind ebenso zu schmecken wie dezent hingetupfter 
Pfeffer. „Feine Komplexität bleibt noch im Finale erhalten.“

M&H Whisky Distillers // Elements Single Malt Whisky Sherry Cask 46 % / Importeur: www.ammersin.at 

Milk & Honey: Grandios zum Kaffee, mit ÖGZ-Gold
Tomatin: Mit Komplexität, die Goldes wert ist

Die Geschichte der Destillerie begann 1897, als neben dem kleinen Dorf namens Tomatin, etwa 24 Kilometer südlich von Inverness, die Tomatin Spey District Distillery Ltd. gegründet wurde. Der alte gälische Name des Ortes bedeutet „Hügel des Wacholderbusches“. 

Holzasche zieht sich durch den rauchigen Duft. Haselnuss-Schnitte im „Nussini“-Stil, Edelnougat und dezenter Honig flankieren ihn. Zum Beißen dichter Schluck mit Anklang an Erdnüsse und Rauch. Sehr rund und komplex! Für die ÖGZ-Runde „auch herrlich zur Pfeife“.

Tomatin // Tomatin Highland Single Malt Scotch Whisky Bourbon & Sherry Cask 12 YO / 43 % / € 33,90 Importeur: www.ammersin.at

Tomatin: Mit Komplexität, die Goldes wert ist
Ardbeg: Das „Biest“ trägt diesmal ÖGZ-Gold

Nicht ohne einen gewissen Stolz bezeichnet sich Ardbeg als den ultimative Islay Single Malt Scotch Whisky. Im Jahr 1815 offiziell gegründet, ist Ardbeg in aller Welt von Kennern als komplexester, rauchigster und am meisten getorfter Islay Single Malt Whisky geschätzt.

Purer „Islay-Smoke“ von Beginn an: Gegrillte Ananas, Selchkrainer und „Burnt Orange“ verbinden sich harmonisch. Wie im Duft zu erwarten, ist er auch am Gaumen. Pur fast zu intensiv, blüht er im Drink auf. „Beste Wahl für einen ‚Islay Mule‘ dank seiner finalen Pfeffer- und Rauch-Töne.“

Ardbeg // Ardbeg Wee Beastie 5 Years Old / 47,40 % / € 45,– Vertrieb: www.moet-hennessy.at

Ardbeg: Das „Biest“ trägt diesmal ÖGZ-Gold
Laphroaig: Eine Rauch-Benchmark holt die „Goldene“

Laphroaig (sprich Lafreug) ist Gälisch und bedeutet die schöne Niederung an der breiten Bucht. Und genau da liegt die Destillerie mit ihren schönen Gebäuden, an der kleinen, naturbelassenen Bucht am rauen Atlantik, gegründet 1815 von den Brüdern Donald und Alex Johnston.

Medizinaler Rauch, der sich im Duft durchzieht; etwas Pfirsichschale und gegrillte Ananas sorgen für den fruchtigen Part. Sanft im Antritt, kann man ihn fast beißen. Wunderbar „smoky“ bis ins Finale hinein, ist er nichts für schwache Nerven oder Beginner. „Top zu Austern“, rät die Jury!

Laphroaig // Islay Single Malt Scotch Whisky 10 Year Old / 40 % € 47,90 / www.beamsuntory.com 

Laphroaig: Eine Rauch-Benchmark holt die „Goldene“

 

 

Autor/in:
Roland Graf
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