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Ob mit Krawatte oder in der Arbeitskluft: Beim Jeitler ist jeder willkommen.

„Bei uns ist jeder willkommen“

13.11.2014

In einem geschichtsreichen Gasthaus in Weikersdorf will ein junger Koch gute Küche für jeden Geschmack bieten. Hauben-Ambitionen hat er dabei keine.

Text und Fotos: Sonja Dries

 

Das Grundprinzip des Jeitler im Steinfeldhof ist schnell erklärt: „Bei uns soll sich einer mit Krawatte genauso wohlfühlen wie jemand, der nach der Arbeit in der Montur kommt.“ So beschreibt es Michael Jeitler, der seit einem halben Jahr das Restaurant gemeinsam mit seinem Vater Gerald führt. Dieser betrieb bis vor einigen Jahren noch sein mit zwei Hauben und einem Michelin-Stern ausgezeichnetes Landgasthaus in Oberschlatten. Der dafür notwendige Aufwand und die nicht so optimale Lage führten damals zum finanziellen Aus.

Fusion als Konzept
Das neue Lokal in Weikersdorf läuft jetzt nach dem Motto „Einfach Jeitler“. Alt soll mit neu, bodenständig mit gehoben verbunden werden. Hauben oder Sterne streben die Jeitlers mit ihrer Küche nicht an. Laut dem Jungchef schrecke das viele Gäste ab, die das mit zu teuer und zu fein verbinden. „Wenn sich ein Maurer ein Bier holen will, und der hat die blaue Montur an, traut er sich nicht rein. Das streben wir nicht an, denn bei uns ist jeder willkommen“, erklärt Michael Jeitler. Dass das Restaurant seit dem Eröffnungstag quasi jeden Tag ausgebucht ist – es hat Freitag bis Montag und feiertags geöffnet –, führt er dennoch auf den guten Ruf seines Vaters zurück. Deshalb stehen auch seine alten Schmankerln wie geräucherte Forelle, Backhendl und Braten auf der Karte.

Auch Raritäten wie Altwiener Backfleisch, Beuschel und gebackener Kalbskopf werden angeboten. Montags gibt es mit „A bit of Jeitler“ ein Fünf-Gänge-Menü für 25 Euro, auch eine Reminiszenz an das alte Lokal. Auszahlen kann sich das deswegen, weil es so wie heute – montags um 11 Uhr – schon 90 Reservierungen gibt.

Einfache Küche, hohes Niveau
Das Gebäude, das Michael Jeitler gepachtet hat, besteht schon seit 1146. Das Gasthaus war früher ein Heuriger. Die Einrichtung aus Vollholz wurde übernommen, selbst abgeschliffen und neu eingelassen. Aus den alten Suppentöpfen hat man Lampenschirme gemacht. So wurde die Heurigen-Atmosphäre beibehalten, und auch so manche Speise auf der Karte, wie Presswurst oder Blunze, geht in diese Richtung.

Michael Jeitler selbst bereitet am liebsten die Vorspeisen, Fisch und Suppen zu. Er hat im Taubenkobel gelernt und kochte auch bei Drei-Hauben-Koch Didi Dorner und in der Blauen Gans mit Alain Weissgerber. In Zukunft will er in seinem Restaurant auch fertige Jus und andere Grundzutaten aus einer Vitrine über die Straße verkaufen. „Das kann sich die Mama dann mitnehmen, es zu Hause verarbeiten und trotzdem noch sagen, dass sie es gekocht hat, ohne den Stolz zu verlieren“, erklärt der Jungkoch seine Idee.
Das Jeitler im Steinfeldhof will jede Klientel bedienen und scheint damit Erfolg zu haben. Ob am Ende nicht doch eine Haube dabei herausschaut, wird sich zeigen.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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