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Bella Italia hat viele schöne Kleider

12.04.2007

Jahr für Jahr bietet die Vinitaly in Verona die einmalige Gelegenheit, sich einen Überblick über die Entwicklungen des vielfältigen Weinlandes Italien zu machen. Vorausgesetzt natürlich man meistert die Tücken der Anreise.

Viel Licht doch auch viel Schatten bot die Lagrein-Verkostung in Halle 6

Auch die 41. Ausgabe der Vinitaly, die von 29. März bis 2. April in Verona über die Bühne ging, erfreute sich wieder eines gewaltigen Publikum­interesses. Laut Veranstalter besuchten über 150.000 Besucher (davon 38.000 ausländische Gäste) die Messe, was ein Plus von 4 % gegenüber 2006 bedeutet.
Dieser Massenansturm hat leider auch eine Kehrseite: Parkplätze und Zufahrten der Veronafiere sind für deutlich kleinere Veranstaltungen dimensioniert. Dazu kommt noch, dass die Italiener ihre Autos über alles lieben, und es kein nennenswertes Shuttle-Service als Alternative gibt. Also ist zuerst einmal Geduld bei der Parkplatzsuche und dann Ausdauer für einen längeren Fußmarsch gefragt.

Tutto Italia in una fiera
Beeindruckend wie jedes Jahr waren die Hallen 8 und 9, wo sich, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, die Toskana und das Piemont in repräsentativem Umfang präsentierten. Sehr viel war auch wieder in Halle 6 los, wo neben Friaul vor allem Südtirol als Publikumsmagnet fungierte. Dessen kräftige Gewürztraminer haben es der italienischen Gastronomie nach wie vor stark angetan. Aber auch Chardonnay, Pinot Blanc und Sauvignon Blanc sind in Italien stark gefragt.

Südtirol wird biologisch
Vorbildlich auch die verschiedenen thematischen Verkostungen, bei der die Südtiroler Handelskammer jeweils rund 20 Weine einer bestimmten Rebsorte präsentierte. Besonders interessant war die Lagrein-Verkostung, weil immer mehr Weingüter sich besondere Mühe geben, aus dieser autochthonen Südtiroler Rebsorte Weine von internationalem Format, aber dennoch mit eigenständiger Charakteristik zu keltern. Besondere Highlights dabei: der Top-Lagrein der Kellerei Bozen („Taber“) sowie die der beiden Bio-Pioniere Happacherhof und Manincor (alle 2004).
Während die Kellerei Bozen eine der größten und bekanntesten Winzergenossenschaften Süd­tirols ist (Önologe Stefan Philippi), handelt es sich beim Happacherhof um eine Oberschule für Landwirtschaft und bei Manincor um das Weingut der altösterreichischen Adelsfamilie Goess-Enzenberg. Dieses direkt am Kalterer See gelegene Weingut hat sich in den vergangenen Jahren sowohl qualitativ als auch preislich in Südtirols Spitzenfeld positioniert.
Leider waren nicht alle verkosteten Lagreins des Jahrgangs 2004 so überzeugend. Man sollte hier also nicht die „Katze im Sack“ kaufen, denn die Bezeichnung Lagrein an sich ist (leider) noch kein Qualitätsmerkmal. Gut gemacht ist der Lagrein jedoch eine wunderschöne, eigenständige Interpretation der Südtiroler Weinbautradition, die sich wohltuend vom immer größer werdenden See an modern gemachten Cabernet/Merlot-Weinen abhebt.

Sardinien – das neue Sizilien
Ähnliches kann man von Sardinien sagen, das sich in der neuen Halle 7B präsentierte. Auch hier bot die vom italienischen Sommelierverband ASI geleitete Regionspräsentation eine feine Möglichkeit, sich einen ersten Überblick über die sehr individuellen Weine der zweitgrößten Insel Italiens zu verschaffen.
Zwar sind auch die fast von allen Winzern produzierten Vermentinos sauber und frisch, doch zumeist austauschbar. Wenn schon sardischer Weißwein, dann lieber stilistische Ausreißer wie der Perda Pintà von Giuseppe Fedilesu, ein IGT Barbagia, der würzig und wild, in jedem Fall aber sehr spannend schmeckt.
Wirklich interessant wird es jedoch – wie zu erwarten – bei den sardischen Rotweinen. Die beiden autochthonen Sorten Cannonau und Cagnulari beweisen mit Tiefe, Struktur und jeder Menge Würze eine unverwechselbare Identität. Am ehesten erinnern diese Weine an das Rhonetal, wenngleich sie noch würziger und ungezügelt wirken. Die besten Weine stammen von uralten noch unveredelten Rebstöcken, da die Reblaus in den sandigen Böden Sardiniens nie heimisch wurde. Unter vielen (italienischen) Wein­enthusiasten wird Sardinien jedenfalls als das „neue Sizilien“ gehandelt.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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