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Benvenuto Brunello Novantanove

03.06.2004

Ein großer Wein braucht auch die Größe der Produzenten, dem Wein die Zeit zur Entwicklung zu geben, die er eben braucht.

Beim Brunello kommt jetzt der 1999er auf den Markt. Der aktuelle Jahrgang wurde bereits von vielen Fachmedien zum 5-Sterne-Jahrgang erklärt, sodass wir einen Querschnitt interessanter Weine einer Blindverkostung unterzogen.
Erster DOCG-Wein
Der Brunello di Montalcino war zwar der erste Wein Italiens, der mit dem DOCG-Status ausgezeichnet wurde, aber hat dennoch eine relativ junge Geschichte: In den achtziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts selektionierte Feruccio Biondi-Santi einen Klon des Sangiovese, der sich als besonders hochwertig erwies. Bis 1960 hatte das Weingut Il Greppo der Familie Biondi-Santi sozusagen ein Monopol, erst damals begannen auch andere mit der Produktion. Heute gibt es über 200 Produzenten im Consorzio, wir haben uns in der Auswahl auf für Österreich relevante Weine beschränkt.
Interessant fanden alle Koster die zwei deutlich erkennbaren Linien des Brunello von heute: Neben sehr traditionellen finden sich auch immer mehr Vertreter einer modernen Stilistik. Ob sich dieser Trend auf Dauer durchsetzen kann und soll, sei dahingestellt. Aber alles in allem hat der Brunello 1999 schon bewiesen, dass er einfach ein Klassiker ist. Als Verkoster fungierten: Harald Wohlgenannt, Sommelier/Hanner´s, Florian Ruhdorfer, Jung-Gastronom und Weinhändler, Willi Balanjuk, Weinakademiker/Wein Burgenland, Franz Josef Gansberger, „Außenminister Arachon“, Walter Tucek, Joe Haider, Clemens Kriegelstein, Wolfgang Schedelberger, ÖGZ.

Bewertungen Brunello di Montalcino DOCG 1999

Carpazo Vendemmia, 17,9
Offene, animierende Nase, Weichsel, Zwetschken, Kaffee, fleischig, wuchtig, langanhaltend. Im Abgang noch etwas hart, aber typischer geht´s kaum. Enormes Lagerpotential
Verbena, 17,7
Kriecherl-Kaffee-Kakao, weich und zartbitter, elegant, vielschichtig, Kirsch-Frucht. Wuchtiger, großer Wein, alkohol- und körperreich, dezentes Holz
Talenti, 17,7
Herzkirsche mit Teer und einigen Dörrnoten, schöne Kräuterwürze, weiche, offene Struktur, gute rote Frucht im Abgang (Weichsel/Himbeer), cremiger Vanilleton. Zugänglich, doch mit gutem Potential Ciocco Piccolomini d´Aragona, 17,4
Zwetschken, Zimt, Rum, leicht rauchig, kräftiger Körper, frische Säure, süße Tannine. Großes Potential
Fanti Tenuta San Filippo
17,4
Tiefe, offene Aromatik, süße, kernige Weichselfrucht mit Kräuter- und Kaffeenoten, intensiv, dicht und frisch, muss noch reifen. Ein Bild von einem Brunello
Carpazo Vigna La Casa, 17,4
Weichsel rund und charmant, bereits schöne Trinkreife, „Publikumswein“. Frucht sehr deutlich, gekonnter Holzeinsatz
Capanna, 17,1
Charaktervolle Nase mit Kräutern (Liebstöckl), klar, intensiv, kräftig, trocken. Tannine sehr präsent, wieder Kräuter im Finish (Rosmarin). Sehr fordernder Wein.
Fuligni, 17,1
Reife Früchte, Dörrobst, Weichselfrucht mit dunklen Beeren, modernes Holz, sehr harmonisch, bereits schöne Trinkreife
Poggio San Polo, 16,9
Kirschig, saftig, würzig. Schöne Weichselfrucht, leichte grüne Töne, mittelgewichtig, auch eher auf der modernen Seite (Vanilletöne)
Castello Banfi, 16,7
Schwarz-Violett, Schwarzkirsch-Marmelade mit Kräutern und Heu, kraftvoll, aber zugänglich, ein sehr guter, aber auch sehr moderner Wein, „marktorientiert“
Conti Costanti, 16,6
Cassis-Weichsel-Rösttöne, mittlerer Körper, bereits sehr trinkreif, langer Abgang mit leicht grünen Tanninen
Villa Poggio Salvi, 16,6
Hohe flüchtige Säure (CO2?), Kirschnase und -frucht, auch Weichsel und Dörrzwetschke am Gaumen, bereits recht reif. Typisch, aber nicht sehr charmant
Poggio Alle Mura, 16,6
Schwarzer Kern mit violetter Randaufhellung, „moderne“ Nase mit wenig Primärfrucht und dominierenden Röstaromen, weicher und kräftiger Körper, süße Tannine. Kein typischer Brunello, aber ein guter Wein
Siro Pacenti, 16,4
Rote Ribisel, sonst eher verhaltene Nase, hoher Extrakt, strenge, aber saubere Tannine, etwas sperrig, braucht viel Zeit
Col d´Orcia, 16,4
Modern. Zwetschken-Cassis-Vanille, Toasting stark, Körper eher zart, etwas kurz. Einiges Trinkvergnügen, wenig Brunello
Campogiovanni, 16,3
Schwarzkirsch- und Gewürznase, ausgeprägte Tannine, im Moment wenig Trinkvergnügen, aber Potential
Castel Ciocondo Frescobaldi, 16,2
Etwas seltsame Nase mit Walderdbeer und Zitrus, wirkt „gestylt“, mittelgewichtig strukturiert
Mastrojanni, 15,8
Flüchtige Säure, Erdbeer-Marmelade, wenig Balance zwischen Säure und Tanninen
Silvio Nardi, 15,8
Nase floral-vegetabil, etwas hart und streng, Heidelbeerton kommt nach, bitter
Altesino Montesoli
2 Flaschen oxidiert

Vielen Dank für die großzügige Gastfreundschaft an Heinz Hanner in Mayerling – www.hanner.cc

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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