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Bergsport: Weg vom Massentourismus

07.12.2016

Gesundheits- und Individualtourismus gewinnen an Bedeutung. Was das für Touristiker bedeutet, wurde beim Symposium „Bergsport und Gesundheit“ diskutiert.

Die positiven Effekte des Bergsports auf Psyche und Körper sind eindeutig. Was bislang eine Art Bauernweisheit war, wurde nun erstmals in einer ausführlichen wissenschaftlichen Untersuchung bestätigt. Um die von der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg und der Universität Innsbruck erhobenen Ergebnisse der Öffentlichkeit zu präsentieren, lud der Österreichische Alpenverein als größte Alpinorganisation des Landes zum Symposium „Bergsport und Gesundheit“ nach Schönbrunn. Nachgewiesen wurde, dass Bewegung in den Bergen bessere Gesundheitseffekte auslöst als etwa in der Stadt oder im Fitnessstudio. Das liegt an weniger Umweltbelastungen – Stichwort: Feinstaub –, aber auch an psychologischen Faktoren.

Touristische Bedeutung

Gerade mit dem Hintergrund einer zunehmenden Verstädterung bekommt der Berg somit eine volksgesundheitliche Bedeutung. 68 Prozent der Österreicher leben bereits abseits der Natur. In Belgien liegt der Anteil sogar bei 97 Prozent. Demnach ist auch eine Sehnsucht nach Natur erklärbar, die Trendforscher schon lange beschreiben. Mit dem Trend zu Gesundheit- und Wellnessurlauben ist dieses Phänomen direkt bei den Touristikern angekommen.

Mit der Frage, welche Schlüsse daraus gezogen werden müssen, beschäftigt sich Prof. Peter Zellmann vom Institut für Freizeit- und Tourismusforschung. Zellmann plädiert dafür, den schonenden Umgang mit der ökonomischen Ressource „Natur und Landschaft“ in den Mittelpunkt zu stellen. Damit machte er sich bislang bei auf Massentourismus fokussierenden Unternehmen wie Seilbahnen keine Freunde. Umweltschonung und Massenskitourismus scheinen jedenfalls einen gewissen Interessenkonflikt darzustellen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass der Skitourismus nach wie vor der stärkste touristische Wirtschaftsfaktor ist. 

Individuelle Angebote

Eine einseitige Fokussierung darauf führe aber nicht nur zu ökologischen, sondern auch zu ökonomischen Problemen, erklärt Zellmann. „Es geht darum, die Freizeitorientierung der Kunden zu nutzen und individuelle Angebote zu gestalten. Touristiker müssen das steigende Bedürfnis nach Natur und Nachhaltigkeit verstehen.“ Individualität gewinnt dabei an Bedeutung. Die Qualität müsse gesteigert werden. Sein Tipp an die Hoteliers: „Machen Sie Alltagserlebnisse wie das Frühstück zu einem Highlight.“ Letztendlich könnten heimische Tourismusregionen nur mit Authentizität punkten.  

Mittelfristig muss sich der Tourismus auf die Änderungen einstellen, so Zellmann, um zukunftsfähig zu bleiben: „Der Weg geht vom Massentourismus weg, hin zum horizonterweiternden Individualtourismus.“ Dass Zukunftsfähigkeit im Tourismus gelingt, sei letztlich eine für die Gesamtwirtschaft relevante Frage. Laut offiziellen Angaben hängen etwa 15 Prozent des BIP am Tourismus. Rechnet man auch andere Branchen – wie den Bäcker, der oft ohne Touristen kein Geschäft machen würde – mit ein, dann komme man sogar auf 25 Prozent, erklärt Zellmann. Jeder dritte Arbeitsplatz hängt somit indirekt am Tourismus. Gerade am Übergang von der Industrie- in die Dienstleitungs- und Informationsgesellschaft könnte der Tourismus so zu einer Leitbranche werden. Nur über Dienstleistungen werden abseits der Ballungsräume neue Arbeitsplätze entstehen, so Zellmann.

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