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Besser billig beim Bett?

22.04.2005

Die heimische 1- und 2-Sterne-Hotellerie steckt seit Jahren in einer (Image-)Krise, doch es gibt Potential.

Ganz gleich, welche Nächtigungsstatistik man in den vergangenen Jahren betrachtet hat, ganz gleich, ob es insgesamt Zuwüchse oder Verluste bei den Nächtigungen gegeben hat, der Grundtenor war meist der gleiche:
Zufriedenstellende Zahlen konnten nur die Vier- und Fünf-Sterne-Hotels verzeichnen, in der Ein- und Zwei-Sterne-Kategorie stand durchwegs ein Minus vor dem Ergebnis.
Laut Statistik Austria gab es im Jahr 2004 in den Ein- und
Zwei-Sterne-Hotels 11.886.700 Nächtigungen. Das ist gegenüber 2003 ein Minus von 3,3 Prozent (4/5 Sterne: +3,2%). Insgesamt gab es letztes Jahr 6.493 Hotels dieser Kategorie. 2003 waren es noch knapp 6.700 und im Jahr 2000 gar noch 7.600 Betriebe. Sind die günstigen Hotels deswegen ein Auslaufmodell, mit denen heutzutage kein Staat zu machen ist?
Der Unterschied liegt wohl im Detail: Denn während viele kleine Vermieter tatsächlich mit ständig sinkenden Auslastungszahlen kämpfen, gibt es neuerdings wieder professionell geplante Hotels in den unteren Kategorien, die bei bester Gesundheit sind: So freut sich etwa der Accor-Konzern über eine rund 80-prozentige Auslastungsquote in seinen österreichischen 2-Sterne-ETAP-Hotels. „Wir haben uns mit einem günstigen Preis klar positioniert“, so Accor-Generaldirektor Hans Michael Leise. „Der Zimmerpreis beträgt bei uns 40 Euro plus einem Zuschlag von acht Euro für eine zweite Person. Das ist für ein Stadthotel ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis.“ Die typischen ETAP-Gäste seien laut Leise Individualreisende, die auf ihre Kosten schauen wollen oder müssen und vor allem auch Geschäftsreisende – „halt nicht die oberste Management-Ebene, sondern eher der Vertreter oder kleinere Angestellte“. Das Ergebnis in den beiden bisherigen ETAP-Hotels (Wien und Salzburg) sei jedenfalls so positiv, dass noch heuer ein drittes in Graz eröffnet werden soll und weitere in Planung seien.
Bedarf vorhanden
Dass für die Ein- und Zwei-Sterne-Hotels in Österreich ein Bedarf vorhanden ist, sieht auch der Obmann der Bundessparte Tourismus, Johann Schenner – allerdings mit einer Einschränkung: Die Hotels, die vor Jahrzehnten einmal als Drei- oder Vier-Sterne-Betriebe begonnen haben und – sei es aus Mangel an Investitionen oder aus sinkender Nachfrage – in der Einstufung immer weiter gesunken sind, für die wird es künftig sicherlich eng werden. Wenn aber heute moderne günstige Hotels gebaut werden, wie etwa vom Accor-Konzern, dann funktioniert das laut Schenner sicherlich: „Die Zeiten für Dusche und WC am Gang sind wohl vorbei. Heutige Ein- und Zwei-Sterne-Hotels sind funktionell und zweckmäßig. Charakteristisch für diese Betriebe ist halt ein Verzicht auf die besonderen, relativ teuren Dienstleistungen. Und beim Frühstücksbuffet darf man sich halt auch keine Wunder erwarten. Aber es gibt viele Leute, die sagen: ‚Mir genügt ein sauberes und freundliches Zimmer zum Schlafen. Besonderen Luxus und Dienstleistungen brauche ich nicht und möchte das auch nicht bezahlen.‘ Und für diese Leute sind solche Hotels ideal.“

Die Zukunft der Low-Budget-Hotels sieht die ÖHV in der Standardisierung: „In den Städten steigen die Betten in der 5-Sterne-Hotellerie. Gleichzeitig nehmen die 2-Sterne-Häuser zu, die den Erfahrungen und Erwartungen ihrer Gäste entsprechen: Bei einem Etap-Hotel in der Stadt weiß der Gast genau, was er für sein Geld bekommt – in einem Betrieb der Ferienhotellerie besteht ein Risiko, weil dort die Standardisierung fehlt, so ÖHV-Generalsekretär Thomas Reisenzahn. Aber nicht nur auf die Standardisierung werde in der 1- und 2-Sterne-Hotellerie vermehrt Augenmerk zu legen sein, auch mehr Kooperationen seien notwendig. Vor allem müsse die Vermarktung verstärkt und professionalisiert werden, denn die Loyalität der Stammgäste lasse nach. Mit attraktiven neuen Konzepten (z. B. Fun oder Sport) könne bei neuen Zielgruppen gepunktet werden.
1- und 2-Sterne-Gäste
Eine jüngst durchgeführte Umfrage der Sparte Hotellerie ergab für die Gäste dieser Hotels folgende Charakterisierung:

Die Erreichbarkeit von Flughafen bzw. Bahnhof ist den Ein- und Zweisterngästen sehr wichtig, während die Erreichbarkeit mit dem Auto am häufigsten als völlig unwichtig wahrgenommen wird.
Die Ein- und Zweisterngäste wollen in erster Linie über
den Preis Bescheid wissen, danach folgen Lage und Zimmer. Obwohl der Preis die wichtigste Information ist, wollen 14 Prozent der Befragten bereits an zweiter Stelle die Sternekategorie wissen. Der Wert der Marke Stern scheint für diese kleine Gruppe eine wesentliche Rolle zu spielen.
Aus Sicht der Ein- und Zweisterngäste ist die mit Abstand wichtigste Eigenschaft eines Hotels die Freundlichkeit der Mitarbeiter, gefolgt von der allgemeinen Sauberkeit. Auch ein reichhaltiges Frühstücksbuffet sowie die Möglichkeit, sich in seiner Muttersprache zu verständigen, begeistern. Bad und WC am Gang werden als besonders negativ angesehen.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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