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"Besser gehts immer"

09.09.2008

Christian Chytil, Fanzonen-Generalgastronom bei der EURO, zieht im ÖGZ-Gespräch Bilanz

Christian Chytil hat seine Firma Impacts innerhalb weniger Jahre zu einem der größten Catering-Unternehmen Österreichs gemacht. Sein bisher größter Coup war sicher die EURO 2008.

ÖGZ: Herr Chytil, wie sind Sie zu dem Job als Generalgastronom der Fanzone gekommen?
Chytil: Das war eine EU-weite Ausschreibung, an der sich drei Firmen beteiligt haben. Da hat man geschaut, wer bei ähnlichen Veranstaltungen die meisten Erfahrungen hat, dann wurden in mehreren Hearings die Konzepte bewertet und meine Firma "Impacts" hat diese Ausschreibung schlussendlich gewonnen.

ÖGZ: Wie lautet jetzt Ihre Bilanz zur EURO? Erfolg oder Misserfolg?
Chytil: Das hängt von der Betrachtungsweise ab: Für viele war es ein Erfolg. Für die Art, wie Österreich repräsentiert wurde, für einen Teil der Gastronomen, für die Bereiche, die einen Umsatz gemacht haben, war es ein Erfolg. Auch für die Firma Impacts war es ein Erfolg. Wir haben immer wieder unter widrigsten Umständen ein perfektes Catering oder ein Galadiner für verschiedenste Veranstaltungen auf die Beine gestellt, wir haben ein Mehrwegbechersystem für 140.000 Leute organisiert, die ganze Anlieferung der Waren hat gut geklappt. Also für mich war es ein Erfolg. Dass es für den einen oder anderen Wirten kein Erfolg war, kann natürlich sein.

ÖGZ: Einer der wesentlichen Kritikpunkte an der Fanzone war ein mangelhaftes Rahmenprogramm.
Chytil: Das Problem war, dass tatsächlich niemand auch wir nicht wusste, wie das Rahmenprogramm aussehen soll. Das kam alles von der Wien-Marketing. Kommt Christl Stürmer oder nur "She says" oder sonst wer. Und eines muss man auch sagen: Im Vorfeld ist immer mit Zahlen um sich geworfen worden, von 100.000en war da die Rede, die man auf die Donauinsel oder ins Hanappi-Stadion umleiten muss, weil die Fanzone übergeht. Nach dem ersten Wochenende haben wir dann gewusst, so wirds nicht werden. Und im Nachhinein betrachtet denke ich, dass auch ein größeres Rahmenprogramm nicht viel mehr gebracht hätte. Es waren ja auch die Lokale in der Umgebung der Fanzone nicht überlaufen. Es waren einfach nicht so viele Leute unterwegs wie erhofft.

ÖGZ: Woran lag das konkret? Anfangs ist man von vier Millionen Krügeln Bier und einer Million alkoholfreier Getränke ausgegangen. Schlussendlich waren es etwa 1,5 Millionen Getränke insgesamt. Da ist doch eine deutliche Diskrepanz. Welche Basis lag dieser enorm optimistischen Erwartungshaltung zugrunde?
Chytil: Man hat mit rund 200.000 Fans am Tag gerechnet und ist davon ausgegangen, dass etwa jeder Dritte auf die Fanzone pilgert. Wenn dann das Wetter mitspielt, kommt man auf diese Zahlen. Tatsache ist, dass es auch wetterbedingt wesentlich weniger Besucher waren. Insgesamt etwa 1,2 statt 2,3 Millionen. Dazu kommen viele unbeeinflussbare Faktoren, wie z. B. welche Mannschaft wie weit kommt.

ÖGZ: Kann die oft als überzogen kritisierte Preisgestaltung auch Schuld gehabt haben?
Chytil: Die Leute, die da waren, haben ja brav konsumiert. Wir sind ursprünglich von einem Getränk pro Besucher ausgegangen. Da waren wir insgesamt sogar besser. Also nur am Preis kanns nicht gelegen sein. Die 4,50 Euro in Wien fürs Krügel waren sicher nicht schuld. Klar, wenn ich am Vormittag dort auf ein Bier gehen möchte, setz ich mich auch in ein Lokal in der Nähe und trink lieber mein Krügel um 3,50 Euro.

ÖGZ: Waren die Mieten für die Stände vielleicht zu hoch?
Chytil: Nein, das glaube ich nicht. Die Mietkosten waren bekannt, jeder hat gewusst, worauf er sich einlässt. In diesen Standmieten waren ja auch die enormen Infrastrukturkosten verpackt. Es wurde ja praktisch für alles gesorgt. Wir haben alleine um 120.000 Euro nur Wasser verlegt zu allen Ständen. Der Marktamtsdirektor ist von der Presse gefragt worden, wie viele Tote oder wie viele Lebensmittelvergiftungen es gab. Seine Antwort: "Null." Und hätten wir die Deutschen oder die Holländer öfter in Wien gehabt, wäre es sicher besser gekommen. Trotzdem: Wenn der Stand am Rathausplatz war, werden die Leute schon ein Geschäft gemacht haben, detto am Heldenplatz und einige am Ring sicher auch. Ich habe aber obwohl ich das nicht müsste einigen Standlern die Möglichkeit gegeben, aus ihrem Vertrag auszusteigen. Und die Leute sind pari ausgestiegen. Zeigen Sie mir ein Geschäft, wo ich nach fünf Tagen sagen kann, ich steige ohne Verlust wieder aus.

ÖGZ: Was sagen Sie zum Vorwurf der Überreglementierung? Der Wirt hat vorab sagen müssen, was er verkauft, dann wurde ihm ein Preis dafür vorgeschrieben. Selbst entscheiden konnte er nichts.
Chytil: Natürlich war es sehr strikt. Die Reglementierung der Getränke ist klar, und bei den Speisen hab ich halt versucht, einen Kompromiss zu finden. Das sollte ja kein russischer Basar werden. Der eine wollte sein Kebab um 3,90 Euro verkaufen, der andere um 4,10. Hab ich halt gesagt, machen wir vier Euro draus, damit das einheitlich wird. Aber auch dieser Punkt war vorab bekannt. Jeder Standler hat diese Reglementierungen ebenso wie die Höhe der Standmieten gewusst und akzeptiert. Und grad diejenigen, die sich so aufgeregt haben, waren diejenigen, die mich vorab bombardiert haben, sie hätten gerne fünf Stände zusätzlich, sie würden sogar mehr dafür bezahlen. Und ich hab denen erklären müssen, es gibt nur zwei Stände pro Firma und über die Vergabe entscheidet eine Kommission. Man hat dann jedem Bewerber die Vor- und Nachteile jedes Standortes erklärt, und alle haben gesagt "ja super, passt eh". Und plötzlich haben alle nach zusätzlichen Eingängen oder Videowalls geschrien. Dinge, die nie geplant waren und das war auch bekannt.

ÖGZ: Würden Sie heute bei einer ähnlichen Veranstaltung manches anders machen?
Chytil: Verbesserungspotenzial gibt es immer. Aber viele Probleme sind ja im Vorfeld von unserer Seite auch schon angesprochen worden Beispiel Sitzgelegenheiten. In einem Konzept von uns ist ein System von aufklappbaren Sitzgarnituren auf Schienen dabei, das flexibel bei Bedarf jederzeit wieder weggeräumt werden kann. Die Behörden haben das aus Sicherheitsgründen rigoros abgelehnt. Wir haben das noch zwei oder drei Mal urgiert, aber es hat nichts genützt. Das Rahmenprogramm wieder war leider nie in unserem Einflussbereich. Und bei der Warenanlieferung hätte ich nur Ware für Geld hergeben sollen, denn ich hab die Produkte vorfinanziert und hab den Standlern dann teilweise elendslang mit den Rechnungen nachlaufen müssen. Erst wie ich gesagt hab, "pass auf, in drei Tagen ist ein großes Match, wenn bis dahin die Rechnungen nicht bezahlt sind, wirst du nicht mehr beliefert", hats plötzlich geklappt. Aber das sind halt die Erfahrungen, die man machen muss.
clemens kriegelstein

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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