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Betriebsnachfolge im Tourismus als heißes Eisen

09.09.2004

In den nächsten zehn Jahren steht in der Wirtschaft ein großer Generationenwechsel bevor: Mehr als 30 Prozent der heimischen Unternehmer gehören zur Generation "50 plus", womit rund 54.000 Betriebe zur Übergabe anstehen werden.

Die Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft ist davon überdurchschnittlich stark betroffen. Nach den Daten der Wirtschaftskammer Österreich und der Statistik Austria gibt es etwa 9.000 bis 10.000 Unternehmer im Tourismus, die über 55 Jahre alt sind und deren Betrieb bis 2007 übergeben werden dürfte.

Wichtige Voraussetzung für einen reibungslosen Wechsel ist die
Übernahmetauglichkeit. Dies bedeutet, dass ein Betrieb strukturell
und finanziell geeignet sein sollte, übernommen zu werden.
Tatsächlich gelten im Tourismus nach einer Untersuchung des Instituts
für Gewerbe- und Handwerksforschung (1999) rund 31 Prozent der in
Frage kommenden Betriebe nicht als übernahmetauglich. Angesichts der
bekannt niedrigen Eigenkapitalquote und des hohen Verschuldungsgrades
dürften diese Angaben durchaus realistisch sein, befürchtet der
Obmann der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, Komm.Rat
Johann Schenner.

Eine besondere Rolle spielen im Gastgewerbe allerdings die stillen
Reserven. Werden diese einbezogen, so verbessert sich das Gesamtbild
sowohl für die Gastronomie als auch für die Hotellerie entscheidend.

Im allgemeinen ist die Betriebsübergabe bei KMU leichter als bei
Großunternehmen, da es sich um überschaubarere Einheiten handelt.
Vorteile sind das Aufrechterhalten der familiären Tradition, ein
leichter kalkulierbares Risiko, sowie das Vorhandensein von
Infrastruktur, Kundenstock und Mitarbeiter, stellte Schenner am
Wochenende im Rahmen der "Tourismustage Alpbach" in einem
Expertengespräch zum Thema Betriebsübergabe fest.

Probleme bereiten die oft mangelnde Rücktrittsbereitschaft des
Unternehmers, der sich in der Regel stark mit dem Unternehmen
identifiziert, das Verharren in altbewährten Strukturen, der Mangel
an Managementkenntnissen und ein hoher Aufwand bei der Modernisierung
veralteter Infrastruktur. Tatsache ist, dass nur etwa die Hälfte der
Unternehmen den Sprung von der ersten zur zweiten Generation
"überlebt" und weniger als drei Prozent den Weg in die dritte
Generation schaffen.

Als Lösungsansätze nennt Schenner die Heranziehung externer Berater
für strategische Maßnahmen - wodurch sich die Entscheidungsspielräume
erweitern -, die Einbeziehung leitender Mitarbeiter in wichtige
Entscheidungsprozesse, die rechtzeitige Planung und professionelle
Vorbereitung der Übergabe (Dauer 3 bis 5 Jahre!) und die Ausarbeitung
eines Stufenplans für die Unternehmensnachfolge.

Als wichtigste politische Forderungen nannte Schenner im Rahmen des
Expertengesprächs vor Teilnehmern aus ganz Österreich die Streichung
der Erbschaftssteuer bzw. Erhöhung des Freibetrages bei Übergabe von
bisher 365.000 auf eine Million Euro sowie die Gleichstellung von
Betriebsnachfolgern und Unternehmensgründern bei Förderungen.

Rückfragehinweis: Wirtschaftskammer Österreich,
Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft
Dr. Petra Stolba
Tel: +43 (0)5 90 900 3567

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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