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Fachkräftemangel: Die regionalisierte Mangelberufsliste soll ab Jänner 2019 in Kraft treten.

Bewegung beim Fachkräftemangel

20.09.2018

Arbeitsmarkt: Die Mangelberufsliste wird regional. Das Thema „Asyl und Lehre“ polarisiert weiter.

Während in vielen Betrieben das Recruiting für die Wintersaison läuft, gingen die Wogen beim Thema Fachkräfte zuletzt hoch. Was ist passiert? 

Einerseits streicht die Regierung die Möglichkeit, dass Asylwerber Lehren in Berufen mit Lehrlingsmangel machen (die ÖGZ berichtete). Die neueste Entwicklung: Es sollen abgelehnte Asylwerber aus bestehenden Arbeitsverhältnissen abgeschoben werden. Kritik und Proteste gab es von Menschenrechts- und sozialen Organisationen ebenso wie von der Wirtschaftskammer. Der Zug dürfte bei diesem Thema aber abgefahren sein. Außer der oberösterreichische Landesrat Rudi Anschober (Grüne) kommt mit seiner Argumentation durch, dass die angekündigte Praxis gegen einer EU-Richtlinie verstößt. Laut der RL 2013/33/EU müssen Mitgliedstaaten Sorge tragen, dass Asyl-Antragsteller spätestens nach neun Monaten Zugang zum Arbeitsmarkt bekommen. Letztendlich dauern laut Anschober Asylverfahren in Österreich aber durchschnittlich zwei bis drei Jahre. Ob diese Argumentation auch für die Lehre gilt, müssen letztendlich Gerichte klären. Die Wirtschaftskammer kündigte jedenfalls an, Unternehmen mit von Abschiebung bedrohten Lehrlingen mit Rechtsberatung zu unterstützen. 

Regionalisierte Liste

Eine Neuerung, die bei vielen Betrieben auf Zustimmung treffen dürfte, ist die regionalisierte Mangelberufsliste, die ab Jänner 2019 in Kraft treten soll. Tourismus-Obfrau Petra Nocker-Schwarzenbacher: „Gerade durch die Regionalisierung der Mangelberufsliste wird den Bundesländern, in denen eklatanter Fachkräftemangel herrscht, geholfen.“ Worum geht’s? In Tirol kamen im August auf 324 offene Stellen als Koch 120 arbeitslose Köche. Ein Mangelberuf ist Koch dennoch nicht, da in Ostösterreich viele Köche arbeitslos sind. Durch die Regionalisierung der Berufsliste können künftig Betriebe in Westösterreich auch im Nicht-EU-Ausland nach Fachkräften suchen, da bekanntlich die Mobilität innerhalb Österreichs nicht so groß ist, um die Fachkräftelücke zu schließen. 

Kritik

Kritik daran kommt von der SPÖ und der Gewerkschaft, die den Zugang auswärtiger, billigerer Arbeitskräfte zum österreichischen Arbeitsmarkt erleichtert sieht und keine Bekämpfung des Fachkräftemangels erkennen will. Deren Forderung: eine bessere Ausbildung in den jeweiligen Berufen. 

Reformbedarf

Die Regierung will die Situation am Arbeitsmarkt weiter evaluieren. Bis Ende des Jahres will man bürokratische Hürden bei der Rot-Weiss-Rot Karte erkennen. Wegfallen soll beispielsweise die Nachweispflicht einer Unterkunft bereits bei der Antragstellung. Auch die Systematik des Punkteschemas (z. B. weniger starke Gewichtung auf das Alter) soll überarbeitet werden, erklären Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) und Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ). Letztlich könnten so mehr Angehörige von Drittstaaten auf den heimischen Arbeitsmarkt kommen. 

Autor/in:
Daniel Nutz
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