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Bier als zentraler Imageträger für das Innviertel: Mit Brauereiführungen will man vor allem Gruppen ansprechen - so wie etwa hier in der Brauerei Wurmhöringer.

Bier als touristisches Zugpferd im Mostschädel-Land

11.10.2016

Oberösterreichs Bier-Viertel: Nach dem Innviertel vermarktet sich auch das Mühlviertel als Bierregion.

Weil sie, so sagte man einst in der Residenzstadt Wien, gerne und viel Most trinken, wurden und werden die Oberösterreicher liebevoll-spöttisch „Mostschädeln“ genannt. Dabei war Oberösterreich lange ein Weinland. Vom einstigen Weinbau zeugen heute nur noch Ortsnamen – oder die Weintrauben im Wappen von Aschach an der Donau. Durch eine Klimaverschlechterung ging der Weinbau ab dem 16. Jahrhundert stark zurück. Dort, wo zuvor Weinreben standen, wurden Streuobstbäume gepflanzt. Und damit die perfekte Grundlage für Most geschaffen. Heute prägen 1,2 Millionen Streuobstbäume Oberösterreichs Landschaft, rund 70 Prozent des Bestands sind Birnen, der Rest Äpfel. 

 „Ünsan Wein nennt ma Most“

Der Most entwickelte sich im Land ob der Enns zu einer günstigen und beliebten Alternative zum Wein. „Ünsan Wein nennt ma Most“, heißt es in der oberösterreichischen Landeshymne „Hoamatland“, 1841 von Franz Stelzhamer gedichtet. Um 1880 soll jeder Oberösterreicher pro Jahr 90 Liter Most getrunken haben, der Mostverbrauch war damit fünf- bis zehnmal so hoch wie noch 150 Jahre früher. „A Seitl Most, damit’s net vü kost“ war in der Zwischenkriegszeit ein geflügeltes Wort.

Wer nun denkt, im Mostland hätten Hopfen und Malz nichts verloren, irrt natürlich. Auch wenn in Oberösterreich immer noch deutlich mehr Most getrunken wird als im restlichen Österreich, ist Bier längst das beliebteste alkoholische Getränk. 

Brauer und Touristiker 

106 Brauereien (ohne Gasthausbrauereien) zählt der Brauereiverband in Österreich. 32 davon, also fast ein Drittel, stehen in Oberösterreich. Von Aspacher bis Zipfer: Oberösterreich ist das Land der Biervielfalt. Besonders groß ist sie im Innviertel, wo die Brauereien noch in Privatbesitz sind. Brauen hat in Oberösterreichs westlichstem Viertel eine jahrhundertelange Tradition, nicht zuletzt, weil das Innviertel bis 1779 ein Teil Bayerns war – wie man heute noch am Dialekt der Menschen hier hört.  

Das Innviertel hat weder große Seen noch hohe Berge oder Großstädte, es verfügt also über keine natürlichen Tourismusmagnete. Was tun? Brauer und Touristiker kamen gemeinsam zum Schluss: Bier ist die Lösung, die „Bierregion Innviertel“ wurde gegründet. Bier sollte zum zentralen Imageträger für das Innviertel werden. 35 Wirte, sieben Tourismusverbände und sieben Privatbrauereien – Baumgartner in Schärding, Bogner in Braunau, Schnaitl in Gundertshausen, die Trappistenbier-Brauerei Stift Engelszell in Engelhartszell, Vitzthum in Uttendorf, Wurmhöringer in Altheim und die Brauerei Ried – bilden den Kern der Initiative. 

Die Gastronomie lockt mit Bier-Gerichten, Brauereien bieten Führungen, die Tourismusverbände das passende Rahmenprogramm – Stadtführungen, Traktorfahrten oder Kloster-Besichtigungen. Ansprechen will man damit primär Gruppen: Vereine, Stammtische, Männer- und Damenrunden, Betriebsausflügler. Ein Konzept, das aufzugehen scheint. „Die Nächtigungszahlen entwickeln sich in allen Tourismusverbänden positiv, und auch die Anzahl der Brauereiführungen wurde gesteigert“, berichtet Andrea Eckerstorfer von der Bierregion Innviertel. „Das gemeinsame Auftreten der vielen kleinen Privatbrauereien wurde in der Öffentlichkeit sehr positiv aufgenommen.“ 

BierWeltRegion

Positiv aufgenommen hat man das auch im Mühlviertel. Wie das Inn- ist auch das Mühlviertel ein identitätsstiftendes Viertel – dagegen bezeichnet sich kaum jemand als Hausruck- oder Traunviertler. Wie das Inn- gehört auch das Mühlviertel zu den strukturschwachen Gegenden des Landes. Und wie das Inn- ist auch das Mühlviertel eine Bierhochburg. 

Seit 2014 positioniert sich das Mühlviertel als eigene touristische Marke, Bier spielt dabei eine wesentliche Rolle. Gemeinsam mit Niederbayern und Südböhmen bildet das Mühlviertel die „BierWeltRegion“. Eine perfekte Kombi, meint Ewald Pöschko, Geschäftsführer der Braucommune Freistadt: „Hier treffen das untergärige Bier Österreichs, das tschechische Pils und das Weißbier aus Bayern aufeinander.“ 

Im Mühlviertel haben sich dazu mittlerweile 46 Betriebe – zehn Braue-reien, drei Hopfenbauern und 33 Beherbergungsbetriebe – gefunden, die Bier als wichtiges touristisches Thema im Mühlviertel sehen. Auf bayerischer und tschechischer Seite werden für die BierWeltRegion noch Kooperationspartner gesucht. Schon mit dabei ist zum Beispiel die Brauerei im niederbayerischen Aldersbach, wo noch bis Ende Oktober die Landesausstellung „Bier in Bayern“ stattfindet – anlässlich 500 Jahre bayerischen Reinheitsgebots.

Link zur BierWeltRegion

Text: Josef Schmidt

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